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Das Spiel des Satans, Dungeons & Dragons, wird heute 40!

Zaaaaaap! Ungläubig blickt der Jarl des kleinen Wikingerdorfes „Valar“ auf die immer noch glühende und brennende Axt zu seinen Füßen herab, die ihm gerade Erik Blutwolf, der Häuptling des verfeindeten Wikingerdorfes „Narga-Fjoll“ mit einer Art Laserstrahl aus der Hand geschossen hat. Auch meine Spieler blicken mich ungläubig an. Aber das passiert eben, wenn man spontan Außerirdische und Wikinger mischt und letztere das Equipment ersterer finden.

Wieviel Spaß es macht, seiner verrückten Fantasie auf diese Weise Ausdruck zu verleihen, durfte ich vergangenen Freitag Abend mal wieder als Spielleiter bei einer Runde Pathfinder feststellen. Und eigentlich müssten alle leidenschaftlichen Pen&Paper-Rollenspieler dieser Welt zu Ehren ihres Hobbys dieses Wochenende mit guten Freunden zusammensitzen und so tun als wären sie Zauberer, Halbdrachen, Cyborgs oder andere imaginäre Gestalten.

Denn heute ist der 40. Jahrestag von Dungeons & Dragons, der Mutter aller Pen&Paper-Rollenspiele!

Experten streiten sich immer noch um ein genaues Datum, doch laut dem „Erforscher“ dieser Materie, Jon Peterson, soll heute vor 40 Jahren Gary Gygax um 1:30 pm das erste Mal die Öffentlichkeit zu sich eingeladen haben, um mit ihm Dungeons & Dragons zu spielen. Hier ein Foto der 1st Edition von D&D, ohne die es vermutlich kein anderes Rollenspiel in seiner heutigen Form gäbe – ich bin Gänsehaut:

 Könnte ich diese in meine Nerd-Hände bekommen! Ich verwarte sie hinter Panzerglas!


Könnte ich diese in meine Nerd-Hände bekommen! Ich verwahrte sie hinter Panzerglas!

Ich verbinde so viele angenehme Erinnerungen mit Rollenspiel, dass ich mit Fug und Recht behaupten kann, dass meine Kindheit und Jugend ohne dieses Hobby deutlich langweiliger und weniger fantasievoll gewesen wäre. Und sogar heute noch macht es mir im Erwachsenenalter einen Riesenspaß, weil es reifer, weniger verkrampft und damit noch lustiger geworden ist. Aber D&D (oder jedes andere Rollenspiel) ist so viel mehr als Goblins und Orks am Fließband zu töten oder komplizierte „grapple rules“ nachzuschlagen, die sich nie jemand merken kann.

Pen & Paper ist eine soziale Erfahrung unter Menschen, die, wie ein interaktiver Film, ein Buch oder Videospiel, auf die Bedürfnisse aller Anwesenden angepasst werden kann. Mit Familie, Freunden, Bekannten und selbst Wildfremden (welche dadurch nicht selten zu Freunden werden) können alle Spieler in der Sicherheit und Behaglichkeit der eigenen vier Wände triefenden Helden-Pathos, Abgründe des Horrors oder Lachanfälle der absoluten Albernheit erleben. Kaum ein anderes Hobby ist so kreativ und abwechslungsreich.

Für mich persönlich lebt das ursprüngliche Dungeons & Dragons, welches ich zur Zeit der 2nd Edition kennen lernte, nach dem übel in die Hose gegangenen und für eine Generation von WoW-Nerds angepassten 4th Edition-Debakel in Pathfinder weiter. Es bleibt abzuwarten, ob WotC dieses Jahr mit D&D Next den ursprünglichen Gedanken des Pen&Paper erneut aufgreifen und wieder mehr Spieler für dieses geniale Hobby gewinnen können.

Mir bleibt an dieser Stelle nur eine Träne der Ergriffenheit von meiner Wange zu wischen und zu sagen: DANKE Gary & Friends für eure grandiose Idee und den Mut mit dieser an die Öffentlichkeit zu gehen. Danke für die vielen fantastischen Stunden und die Abenteuer in anderen Welten, die ich durch euch erleben durfte! Denn Fantasie und Gedankenreisen sind für mich nach wie vor das Wichtigste und Faszinierenste am Menschsein überhaupt.

Über Thilo (1624 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

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