Zeitmaschine (vor 500 Artikeln):

Drizzt, was treibst Du so, alter Krummsäbel-Tornado?

Hero, das dritte Buch aus der Homecoming-Trilogie ist scheinbar das jüngste Werk von R.A. Salvatore, dem Schriftsteller, der beinahe albern-detailverliebte Schwertkämpfe im Fantasy Roman salonfähig gemacht hat. Ich staune nicht schlecht, dass ein gewisser Säbelschwinger mit weißen Haaren scheinbar nicht tot zu kriegen ist. Denn eigentlich gibt es in fantastischen Welten wie D&D’s Faerun doch nur zwei mögliche Schicksale für Helden: Gott oder tot. Alles dazwischen ist für eine High Magic-Welt einfach unwürdig, weil jedes andere Schicksal nicht episch oder dramatisch genug wäre. Deshalb frage ich mich wirklich, wann diese Unterreich-Kuh endlich tot gemolken ist? Oder hat Salvatore versehentlich mal einen Vertrag unterzeichnet, der ihn zwingt über Drizzt zu schreiben, bis er wieder Heim zu Mama Lolth darf? Irgendwann muss doch auch mal Schicht im Schacht des Unterreichs sein, oder? Da lobe ich mir George R. R. Martins Charaktere, die stets „aufhören“, wenn es am schönsten ist. Eine Kurve, die Herr Salvatore mit Drizzt leider nicht gekriegt hat.

Aber wieso mache ich jetzt überhaupt dieses Fass mit Spinnen, Schreipilzen und Leuchtmoos auf?

Well, ich hatte schon länger vor mal über die intimen Momente mit Drizzt in meiner frühen D&D-Erziehung zu schreiben. Auch Marcus hat sich neulich, drüben im gegrillten Feuervogel, an seine Zeit mit dem Lavendel-Auge zurückerinnert. Das muss sowas wie Gedankenübertragung gewesen sein. Wahrscheinlich hat Marcus, genau wie ich, vor dem Spiegel gestanden und seine langen Elfenohren gestreichelt, als er auf die Idee kam. Oder wir haben fast zeitgleich zum Fantasy-Porno „Analwen und Mösiel im Land der Fleischraketen“ masturbiert. Ist aber letztendlich auch egal. Great minds think alike.

Ich muss ja gestehen, es gab mal eine Zeit, da waren mir die beiden sehr ans Fantasy-Herz gewachsen, Drizzt Do’Urden, dieser durchgebrannte Drow Ranger aus dem Unterreich, und sein magischer Panther mit schwer auszusprechendem Namen. Ich glaube, Gwenwiwuff oder so hieß der. Und auch wenn mit R.A. Salvatore in späteren Büchern doch sehr die Copycat durchgaloppiert ist (Keine Widerrede jetzt, oder ich ziehe Wulfgar mit Aegisfang aus der Schublade und stelle ihn mal kurz zum Vergleich neben Thor und seinen Mjölnir…), kann ich seine ersten Bücher, die komplett im Reich der Dunkelelfen spielen, nur wärmstens empfehlen. Bei der Beschreibung der dekadenten, wunderschönen und tödlichen Drow in ihrer glitzernden Welt aus Feenfeuer, Chaos und Wahnsinn läuft Salvatore wirklich zur Hochform auf. Drizzts Reise heraus aus dem Unterreich zur Oberfläche gehört zu den kurzweiligsten Geschichten, die ich bisher gelesen habe – Pure Dungeons & Dragons-Abenteuer-Liebe. Doch nicht nur die Exotik der Schauplätze und die haarsträubenden Kämpfe haben mich damals die Bücher verschlingen lassen. Da gab es zu Beginn eines jeden neuen Kapitels sogar eine Schippe Philosophie zu genießen, wenn Drizzt über Freund und Feind oder hell und dunkel fabulierte. Ich war jung genug, um ergriffen zu sein, wenn der Höhlenbewohner mir mitteilte, dass ein Sonnenaufgang zwar nur wenige Augenblicke andauert, sich dessen Schönheit jedoch für immer in unsere Herzen brennt. Hach.

Nach der Dunkelelfen-Trilogie folgte ich Drizzt noch an die Oberfläche und erlebte mit ihm dort viele Trefferpunkte-lastige Abenteuer, die mein noch junges Powerplay-Herz höher schlagen ließen. Besonders hatte es mir auch die ausgekoppelte Trilogie der Sellswords angetan, in der wir Drizzts Archnemesis, Artemis Entreri, und den unantastbaren Drow Söldner Jarlaxle als köstliches Duo Infernale erleben dürfen. Auch sehr empfehlenswert. Nur mit unserem allseits beliebten Einhorn-Streichler Drizzt ging es irgendwann doch bergab.

Wie zuvor bereits erwähnt, finde ich, dass jeder legendäre Charakter, der einen gewissen Machtgrad erreicht hat, irgendwann ein würdiges „Ende“ finden sollte. Doch leider hat R.A. Salvatore diesbezüglich die letzte Tankstelle vor der Autobahn verpasst. Drizzt war bereits ein epischer und nahezu unbesiegbarer Schwertkämpfer, der mit seinen magischen Krummsäbeln Drachen, Dämonen und alles darunter mühelos in Streifen schneiden konnte. Doch dann passierte es: Irgendwo in der Hunter’s Blades Trilogy – ich weiß nicht mehr genau in welchem der 4 Bücher – verwandelt sich unser Ausnahme-Held plötzlich wieder in einen frisch gewürfelten Erste-Stufe-Charakter. Ich weiß es noch, als hätte ich es erst gestern unter Tränen gelesen: Drizzt schleicht sich an einen 0815-Ork heran und wird… bemerkt! Nicht mehr leise wie der Tod, sondern Scheise wie Kot kam er mir plötzlich vor. Und dann kann sich der Ork auch noch gegen ihn behaupten und sogar fliehen, wenn ich mich recht entsinne!

Da war es für mich einfach vorbei. Die Chemie zwischen Drizzt und mir stimmte einfach nicht mehr. Ich weiß noch, dass ich das Buch mit einem Laut in die Ecke geworfen habe, der sich wie eine Mischung aus Schluchzen und Kichern angehört haben muss. Viel zu lange war ich dem unbesiegbaren Super-Drow gefolgt. Er hätte sich schon lange zur Ruhe setzen sollen oder von einem extra-planaren Riesen-Mimic gefressen worden sein. Aber diese seltsamen „Macht-Schwankungen“, die nun schon häufiger vorgekommen waren, konnte Herr Salvatore mit mir einfach nicht machen. Selbst schuld, wenn ihm die Machtspirale seines Lieblings-Charakters außer Kontrolle geraten war und er nun Quatsch schreiben musste, um noch halbwegs spannende Begegnungen aus dem Hut zaubern zu können. Das erinnerte mich einfach zu schmerzhaft an Icewind Dale II, in dem meine Gruppe von Superhelden bis zum bitteren Ende des Spiels gegen Wölfe und anderes Kanonenfutter kämpfen musste, weil den Designern die Monster ausgegangen waren. Aber man konnte ja normale Wölfe über Terror-Wölfe und Mega-Wölfe zu unsagbaren Teufelswölfen der Prollhügel aufsteigen lassen. Einfach mehr Trefferwürfel und andere Fellfarbe: Et voila! Langweilig.

Nun sehe ich jedoch auf der offiziellen Seite seines Schöpfers, dass Drizzts Abenteuer nach der „Ork-Schmach“ noch mindestens 10 Bücher oder mehr fortgeführt wurden. Ich habe da schon seit gefühlten Jahrzehnten den Überblick verloren. Deshalb meine Frage an anwesende Drizzt-Jünger:

Lohnt es sich die Bücher mal an ein paar verregneten Wochenenden nachzuholen? Oder erwarten mich da nur mehr desselben?

Denn eigentlich mochte ich die Ebenholz-Backe ja immer. Mit seinen fluffigen, weißen Haaren und diesem Disko-Funkeln in den Augen. Wenn mir also einer von euch sagt, dass Drizzt es nochmal wert wäre, dann… dann rufe ich ihn vielleicht mal wieder an.

Über Thilo (1571 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

8 Kommentare zu Drizzt, was treibst Du so, alter Krummsäbel-Tornado?

  1. Ich bin erst vor relativ kurzer Zeit auf die Bücher gestoßen , nachdem ich mit „Kingdoms of Amalur“ durch war und dann einfach in dem Stil auch was lesen wollte. Irgendwo im „schlanken“ „Handbuch“ zum Spiel war vermerkt, dass es lose auf Figuren von R.A. Salvatore basieren sollte – naja… Dann hab ich zuerst das Hörspiel im Stream angehört und mir doch die Bücher besorgt. Ich bin gerade im dritten Band, in dem er mit diesem Mooshie abhängt. 😉 Die ersten beiden Bände waren echt ein Traum! Ich werde die beiden Bücher mit Sicherheit in einigen Jahren gerne wieder zur Hand nehmen und an jeder Stelle mitfiebern und drin versinken!

  2. Guter Artikel, ich verstehe dich, geht es mir doch nicht anders. Nach den ersten 3 Büchern, die Dank des Detailgrades mit zu den besten Fantasy Geschichten gehört, die ich gelesen habe, wollte ich mehr. Ich habe bis jetzt fast alle Bücher des Drows und seiner Freunde gelesen, aber ernsthaft…manchmal war es eine Qual. Die Qualität der Geschichten nimmt immer mehr ab, es wird zu „schwafelig“ oder zu uninteressant. Und trotzdem, der Drizzt bleibt einem im Hirn. Dieses Gefühl, diese Gedanken, wie geil das alles war mit ihm, da hat man doch Hoffnung, dass es wieder so wird. Aber leider leider leider.
    Ich sage nicht, das man es nicht lesen kann, aber im Vergleich zu den ersten Büchern stinken die späteren Geschichten ab. Und nochmal …. LEIDER

  3. Naja ich wollte eher vierna sein

  4. Zala'ess Vel'Sharen // 19. Februar 2017 um 11:15 // Antworten

    Drizzt, Drizzt, Drizzt…..
    Ich kann es nicht mehr hören!

    Zu Anfang hab ich die Bücher ja gemocht (hassen tu ich sie jauch nicht), ABER gewisse „Diskussionen“ über Drizzt und „Kuscheldrow“ (Schimpfword für „verweichlichte“ Dunkelelfen GEHEN MIR GEHÖRIG AUF DIE NERVEN.

    Wenn wir mal wieder LARPen oder irgend ein Rollenspiel am PC spielen, frage ich gerne mal „Wer bei Sharess ist Drizzt??! Hm, kenn ich nicht…“

    Die Sache ist nämlich der Dunkelelf ist groß, blond…..
    Falscher Text, tschuldigung.

    Der Dunkelelf hat keine Freunde, kennt keine Loyalität, ersticht seine Freunde, klaut dem alten Mann die Krücke, schubst Kühe (Rothé/Haledri/diese Unterreichkühe) um, verprügelt Eichhörnchen…. Ist immer ausnahmslos böse. Und zwar soooo böse, daß er alles und jeden sofort attackiert. Keine Diplomatie, kein Nachdenken. Alles plattmachen… (Und das obwohl die doch achso intrigant sind….)
    Und gute Drow (außer Drizzt) gibt’s wohl nicht und kann’s nicht geben. hüst Eilistraee-Anhänger…
    Alle Anderen sind ja Weicheier…

    Die Drow aus Forgotten Realms sind, Idioten. Die könnten nicht mal ein Dorf erobern und es länger als 2 Tage halten (dann erstechen sie sich gegenseitig)

    Ihr solltet mal den Webcomics Drowtales lesen.
    Die Geschichte ist besser als „Lolth hat Corellon verraten und will die Oberfläche erobern. Zu diesem Zwecke lässt sie ihre Anhänger sich gegenseitig umbringen bis nur die Stärkste übrig ist. Oder das stärkste Haus…) Und dieses eine übriggebliebene Haus soll dann was erobern, wären es sich selbst decimiert??! “
    Mal ehrlich, Lolth muss eine Idiotin sein….

    Drowtales finde ich einfach besser (ist halt meine Meinung). Und es kommen mehrere Geschichten vor, es gibt nicht wirklich eine Hauptperson. Obwohl man zuerst denken könnte es geht un Ariel Val’Sarghress…
    Der Hintergrund gefällt mir soviel besser (die Geschichte) daß ich das bei unseren Rollenspielen oft als Vorbild nehme.
    Ich sag schon manchmal „Ihr seid also Triel VAL’Baenre?…“

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.