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Logan ist brutal gut

9 von 10 blutigen Klingen

Sorry Logan, Du bist zu spät! Der Titel „Brutalster und erwachsenster Marvel-Film“ ist schon an Deadpool vergeben.

Doch trotzdem schafft es Logan eine noch mal andere Nische im verblüffend flexiblen Genre-Katalog der Marvelfilme für sich zu beanspruchen. Lasst mal sehen, was wir hier haben… Ich würde Logan als blutiges Endzeit-Roadmovie bezeichnen, in dem trotz aller Blutfontänen noch erstaunlich viel Platz für Emotionen und nachdenkliche Momente bleibt.

Doch vor allem ist Logan eins: Ein würdiges Denkmal für den grimmigsten X-Man, dem Hugh Jackman für alle Zeiten seinen unverwechselbaren Adamantium-Stempel aufgedrückt hat. Denn leider ist der Film auch der finale Abschied Jackmans von Wolverine, dessen jugendliche Regenerationsfähigkeit er bald noch schlechter verkörpern können wird, als Harrison Ford die des Indiana Jones. Passender Weise habe ich das „golden girl“ Logan im „goldenen Saal“ des Woki geschaut. Wenigstens kam ich mir bei all dieser güldenen Greisenhaftigkeit selbst wieder blutjung vor und öffnete ohne schlechtes Gewissen mein Bier.

Doch worum geht’s überhaupt in diesem schaurig-schönen Konzert der Unterarm-Klingen?

Wir schreiben das abgefuckte Jahr 2029. Nahezu alle Mutanten sind auf mysteriöse Weise verschwunden und auch Logan scheint nicht mehr der regenerierende und unzerstörbare Superheld von einst zu sein. Als ergrauter und meist alkoholisierter Fahrer verdient er sich die Kohle für mehr flüssige Betäubung. Er lebt zusammen mit dem lichtempfindlichen Caliban und dem schwer erkrankten Professor X, dessen Hirn nun als außer Kontrolle geratene Massenvernichtungswaffe auf der Fahndungsliste steht, in einem Mad Max-Outpost in der Wüste an der mexikanischen Grenze. Er wird jedoch aus seinem Trott als Altenpfleger mit Gefahrenzulage gerissen, als ein kleines Mädchen in seinem Leben auftaucht, das zu einem letzten Zufluchtsort für eine spezielle Art von Mutanten gebracht werden möchte.

Da ich nicht zu viel spoilern möchte, sei nur verraten, dass damit ein Roadmovie beginnt, dass genauso kompromisslos gewalttätig ist, wie gefühlvoll unter die Haut gehend. Hugh Jackmans fortschreitendes Alter, welches ich in den letzten X-Men-Filmen schon langsam als Problem für die Rolle eines unsterblichen Mutanten wahrgenommen hatte, passt nun jedoch perfekt zur Endzeitkulisse und zu all dem Dreck, Blut und Tod. Denn Hugh Jackman darf nicht nur alt aussehen in Logan. Er darf auch aufs Wildeste schwitzen, bluten, sabbern, eitern und seine Hautfarbe in den erstaunlichsten Farben anschwellen lassen.

Ich frage mich ernstlich, wie ein Film, indem die beiden Hauptakteure zwei Mutanten sind, die mit ihren Adamantiumklingen Gegner verstümmeln, enthaupten und teilweise regelrecht zerfetzen eine FSK: 16-Eistufung bekommen konnte? Da ist doch garantiert wieder Geld geflossen, damit ein breiteres Publikum erreicht werden kann. In Trump-Fantasy-Land gabs dafür ein R für “strong brutal violence and language throughout, and for brief nudity”.

Ich ziehe dem Film lediglich einen Punkt für seine natürlich alberne Prämisse ab. Die haben einem Wolverine-Mädchen die Knochen mit Adamantium umhüllt? Really? Wachsen darf die Gute jetzt dann wohl nicht mehr, schade, und wenn doch, ist das bestimmt ein wenig schmerzhaft, oder? Doch trotz dieser etwas fragwürdigen Ausgangslage, die Hardcore-Comic-Fans mir vielleicht erklären können, und ein paar andere Logig-Schnitzer, ist Logan einfach eine sehr stimmige Komposition; aus einem blutigen Guss sozusagen. Außerdem kann ich Logan nicht mehr Punkte geben als Deadpool. Irgendwo muss auch Schluss sein.

Man muss es an der Stelle leider wieder sagen: Marvel schlägt DC. Denn während DC versucht Marvel nicht billig zu kopieren und eine etwas düsterere Comicwelt zu erschaffen, scheitern sie damit meist, während Marvel sich nun schob mehrmals erfolgreich von der eigenen Formel verabschiedet und es trotzdem grandios gemacht hat. Es wird Zeit lieber gut zu kopieren, als es schlecht neu zu machen, DC. Ich schaue vor allem Dich an, Justice League!

Über Thilo (1615 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

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