
Dienstag, 19. April, 2011
Gewicht: 107,4 Kilo
Hunger: Schon
Adonis-Faktor: 1 von 10 (Wurst)
21.00 Uhr. Ich habe mein heutiges Joggen maximal heraus gezögert. Mittlerweile ist es draußen dunkel. Entnervt schlüpfe ich in meine eng gewordene Jogging-Montur und laufe nörgelnd die Treppe hinab. “Immerhin verbirgt die Dunkelheit die schwitzende Kartoffel, die ich Körper nenne”, denke ich bei mir, als ich wie ein angeschossenes Pferd los trabe. Außerdem sieht man abends interessante Dinge und Menschen, die sich ebenfalls im Schutz der Dunkelheit wähnen.
Im Vorbeiprusten sehe ich in einem Erdgeschossfenster wie ein Opi erleichtert von seinem Laptop aufsteht und die Hose hochzieht. Das kalte Licht des Bildschirms lässt seinen faltigen und Altersflecken-übersäten Körper außerweltlich abstoßend aussehen. Kurz grinse ich kopfschüttelnd, doch dann erstirbt das Lächeln auf meinen Lippen. “Wenn ich mich nicht regelmäßig weiter quäle, werde ich es einst sein, der einsam in der Dunkelheit onaniert“, denke ich bei mir, und meine Schritte beschleunigen sich unwillkürlich.
Andere Menschen sitzen bei Kerzenschein oder dem Glühen von Grillkohle auf den Wiesen und feiern. Sie saufen, kiffen und lachen was das Zeug hält. Das konnte ich mir auch mal leisten. Damals. Jetzt bin ich zurück und froh, dass ich mich zum Sport gezwungen habe. Hinterher ist es immer ein gutes Gefühl. Aber eben erst hinterher. Scheisse. Neben mir wartet eine kleingeschnittene Kohlrabi darauf, dass ich mich über sie totlache.
Keine Sorge, das hier wir jetzt kein Diät-Tagebuch. Trotzdem habe ich beschlossen, jede Fitness-Einheit, egal ob Joggen, Schwimmen oder Muckibude, im Nerd Wiki zu posten. Auf diese Weise kann ich in ferner Zukunft, wenn ich wieder dünn bin und die Menschheit mit Raumschiffen die Sterne erkundet, genau abzählen wie oft ich mich quälen musste, um von knapp 110 Kilo auf X Kilo abzuspecken. Wahrscheinlich lache ich mich dann über mein erbärmliches Gewinsel in diesem Blog tot. Oder versinke vor Scham im Boden.
Ab morgen gibt’s dann für alle, die hier ab und an vorbei schauen, auch wieder News aus der wunderbaren Welt der Verdrängung. Denn geistig fühle ich mich schlank und fidel.































