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Paul Pixel – The Awakening

Wenn ich an Weihnachten vollgefressen auf der Couch liege, ist die Gestaltung meiner Freizeit auf eine horizontale Körperlage beschränkt. Neben NOCH mehr essen, saufen oder Filme gucken, geht höchstens noch Lesen, Schlafen oder was man sonst noch in Embryonalstellung machen kann.

Daher passte es ganz gut, dass mir die Xoron GmbH, eine kleine Indy-Spieleschmiede aus dem sagenhaften Bielefeld, unerwartet einen Gutschein-Code zum Testen ihres Retro Point-and-Click Adventures „Paul Pixel – The Awakening“ zukommen ließ. Da ich ohnehin keinen MAC besitze, habe ich mir die liebenswerten Pixel mit nostalgisch piepsenden C64-Sounds per APP Store Code aufs Handy geladen.

Während die Dialoge auf meinem iPhone gerade noch zu erkennen waren, stellte sich die Steuerung über den Touchscreen glücklicherweise als problemlos heraus. Und schon bald fand ich mich als 0815-Normalo Paul Pixel inmitten einer Zombie Apokalypse wieder. Denn das ist die Story des Click-Adventures: Außerirdische Zombies sind auf der Erde gelandet und drohen die gesamte Weltbevölkerung zu infizieren. Moment, Zombies aus dem Weltall? Wie haben die Hirnsauger denn bitte Raumschiffe gebaut und zur Erde geflogen? Das ist für ein Retro Game, welches sich selbst nicht so ernst nimmt, weil es Oldschool-Titel wie Maniac Mansion und Zac MacKraken zum Vorbild hat, eine irrelevante Frage. Es müssen sich also nach wie vor nur die Reaver aus Serenity zum Schämen in die Ecke stellen.

Wenn ihr in Pauls Apartment steht, die ersten Gegenstände aufsammelt und der bärtige Protagonist das erste Mal die legendären Worte „Das funktioniert so nicht“ absondert, kommt sofort dieses anheimelnde Gefühl von damals auf. Dass ich ohne nennenswerte Vorgeschichte oder Einführung des Hauptcharakters in medias res geschmissen werde, stört mich wenig, als ich Paul umhertippeln lasse. Irgendwie passt das zum Szenario der Zombieapokalypse, die urplötzlich ausgebrochen ist und mich, den guten Paul Pixel, nun dazu nötigt die Stadt zu verlassen.

Im Folgenden schaffe ich es mit meinem Hippie-Bus aus der Stadt zu entkommen und an verschiedenen Orten des Landes, episodenartig, kleine Rätsel zu lösen. Dabei stößt mir der erste Nachteil des Spiels auf: Es ist für meinen Geschmack etwas zu linear. Auch die Lösungen zu den Rätseln sind meist offensichtlich und die Anzahl der Gegenstände in eurem Inventar ist immer so übersichtlich, dass nie wirklich lange unklar ist wie es weiter gehen soll. Das hat auf der anderen Seite natürlich den Vorteil, dass kaum Frust aufkommt und das obligatorische Googeln kurz vor dem Nervenzusammenbruch nach einer Komplettlösung entfällt.

Mein zweiter Kritikpunkt ist der für Point-and-Click Adventures so unverzichtbare, typische Humor. Die Gags und Anspielungen kommen für meinen Geschmack viel zu selten und sind gerade in der ersten Hälfte des Spiels auch noch viel zu brav. Gegen Ende nimmt Paul Pixel dann deutlich an Fahrt auf und kann sogar mit politischer Kritik und anderen Seitenhieben aufwarten. Doch insgesamt wurde hier viel Potenzial verschenkt leider. Hier hätte es einer größeren Menge an NSCs und Gegenständen bedurft, mit denen man hätte interagieren können. Wenn ich an die alten Lucas Arts-Titel denke, dann bestand ein großer Teil des Spaßes doch gerade darin den Protagonisten zu jedem Mist seinen meist witzigen Senf abgeben zu lassen.

Einer der lustigsten Momente im Spiel mit den „NERDS“.

Als Fazit kann ich sagen, dass ich mit dem verhältnismäßig kurzen Spiel – ich glaube ich hatte es in maximal 2 Stunden durch – doch auf jeden Fall meinen (Retro-)Spaß hatte. Die „handgemalten“ Pixel-Hintergründe sind gelungen und die Musikuntermalung durch Pixel Lover Orchestra, Retro Arcade Boys und 8-bit Factory war sehr passend und schön retro. Die allgemeine Komplexität des Spiels hätte in Bezug auf Länge und Rätsel anspruchsvoller ausfallen können, denn ich hätte gerne noch länger gespielt; eine Tatsache, die natürlich in sich schon ein Lob darstellt.

„Paul Pixel – The Awakening“ kommt am 10.01.2017 für den Mac raus. Ihr könnt es dann im APP Store oder bei Steam saugen. Ich denke, für 1,99€ könnt ihr nichts verkehrt machen. Das ist der kurze Nostalgie-Trip auf jeden Fall wert.

Hier geht’s zur offiziellen Seite und das ist der Trailer für euch notgeilen Pixel-Lover:

Über Thilo (1615 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

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