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Er will es, Sie will es, Bruce Willis [slight spoiler]

Schon lange überfällig, habe ich am Samstag einen alten Kumpel besucht, um mal was Sinnvolles mit meiner Zeit am WE anzufangen. Nach einem kurzen und amüsanten Plausch schlug dieser vor, das schöne Wetter für eine kleine Spritztour in seinem neuen Beetle Cabrio zu nutzen.
Schon bald dröhnte mir funkige Musik aus dem Autoradio entgegen, während mir der warme Wind verspielt die imaginären Locken um den Kopf blies. Sofort ärgerte ich mich, daß ich meine krasse Outlaw-Sonnenbrille zu Hause vergessen hatte. Was für ein Fauxpas! Besonders, weil ausnahmsweise neben dem erstrangigen Coolness-Faktor auch die tiefstehende Sonne mit ihren stechenden Strahlen ein annehmbarer Grund gewesen wäre, das Ding auf der Nase zu plazieren. Lässiges Kaugummikauen mußte also reichen.

Irgendwann meinte dann Jörg mir die PS-Kraft seines Gefährts präsentieren zu müssen, indem er derart mit quietschenden Reifen durch eine Kurve fuhr, daß selbst ein blutiger Go-Kart Anfänger vor Neid erblaßt wäre. Neben dem unwillkürlichen Freudenschrei, den mir das Fahrmanöver als Geschwindigkeitsenthusiast entlockte, schlich sich auch eine lange verdrängte Erinnerung an eine gewisse Smart Roadstar-Probefahrt zurück in meine Gedanken, von der ich an anderer Stelle einmal berichten werde.
Irgendwo in der Nähe von Bad Godesberg kamen wir dann auf die brilliante Idee die Sonne gegen das künstliche Licht eines Kinoprojektors einzutauschen. Vielleicht hatten die quietschenden Reifen Lust auf einen knackigen Actionfilm gemacht? Wie auch immer, das neue Ziel stand fest. Auf dem Weg begegneten uns Heerscharen von mehr oder minder alkoholisierten Rheinkultur-Pilgern, die todesverachtend wie schottische Schafe immer wieder vor unser Auto latschten. Endlich, überraschender Weise mit einem body count von Null, beim Kinopolis in Bad Godesberg angekommen, beschlossen wir der gealterten Fleischmütze Bruce Willis in Stirb Langsam 4.0 eine Chance zu geben.

Wer sich den Streifen noch zu Gemüte führen möchte, sollte JETZT aufhören zu lesen!

Erstmal durften wir natürlich geduldig die visuellen Psychoattacken der Werbeindustrie mit all ihren durchtrainierten, Bier saufenden und Schokolade in sich hineinstopfenden Supermodels ertragen. Dann endlich der Trommelwirbel und die Fanfaren des 20th Century Fox Logos, welche den Zuschauer immer glauben lassen er wäre für einen neuen Star Wars Teil gekommen.

Wie der Titel des neuen Die Hard vermuten läßt, bekommt es Mclane diesmal mit Cyber-Terroristen zu tun. Diesen scheint Google Earth langweilig geworden zu sein, weswegen sie, durch den Wunsch nach mehr Interaktivität beflügelt, einfach mal das gesamte Sicherheitssystem der USA hacken. Schon bald haben sie so die Möglichkeit Sateliten zu lenken, Ampeln zu manipulieren oder im Fernsehen auf allen Kanälen gefälschte Nachrichten zu übertragen. Erwartungsgemäß bricht Panik in der Bevölkerung aus und Mclane ist mal wieder mittendrin statt nur dabei.
Die Ausgangssituation unserer sichtlich gealterten Lieblings-Bohlingkugel (seine Haut scheint nun die Konsistenz eines aufgeweichten Milchbrötchens zu haben) ist natürlich denkbar schlecht. Die bösen Buben – ein smarter Dauergrinser in Schwarz und seine Crew von Profihackern – haben alle anderen fähigen Internet-Akrobaten des Landes töten lassen. Nur der Hacker Matt Farrell, welchen Mclane bei einem Routineeinsatz zufällig vor einem Killerkommando retten kann, ist noch am Leben. Mit diesem unfreiwilligen Helfer macht sich Herr Willis, welcher mal wieder zur falschen Zeit am falschen Ort war, auf den Weg den Drahtziehern in die Suppe zu spucken.
Die Reise ist natürlich mit exquisiten Gefahren von James Bond – Niveau gepflastert. So wird Mclane z.B. von den Terroristen in einen Tunnel mit Gegenverkehr umgeleitet. Dann machen die Witzbolde das Licht aus… Als sich unser dynamisches Duo aus den Explosionen und herumfliegenden Autowracks ins Tageslicht flüchten möchte, versperrt ihnen ein Hubschrauber mit MG-Feuer den Weg. Mclane schießt diesen kurzerhand mit einem Auto ab, aus welchem er im letzten Moment bei voller Fahrt hinaushechtet. Zu diesem Zeitpunkt hat unser Supercop schon passabel viel Blut verloren.
Auf dem Weg zum großen Finale blutet Mclane jedoch häufiger und schöner, als in jedem anderen Stirb Langsam Teil. Streckenweise haben wir uns gefragt, ob seine Haut aus Teflon besteht und deswegen trotz Kratzern stets funktionstüchtig bleibt.
Irgendwann, nachdem Mclane nacheinander alle Mitglieder eines französischen Killertrupps zu Knochenmehl verarbeitet und sogar der asiatischen Ninja-Freundin des Oberbösewichts übelst die Grütze aus dem Anzug geprügelt hat, wird dem frischen Wittwer ein wenig flau im Magen. Zur Sicherheit schickt er Mclane noch einen gehackten Kampfjet entgegen und nimmt sich seine Tochter als Geisel.
Doch wie gewohnt, kann Terminator-Mclane von nichts und niemandem aufgehalten werden, so daß er schließlich, aus dem letzten Loch pfeifend, vor dem verblüfften Anführer der Terroristen steht. „Yippee-ya-yay Schweinebacke“! und auch dieser gleitet so sanft zu Boden wie ein nasser Sack.

Bis auf eine vollkommen überspannte und recht künstlich wirkende CGI-Szene mit einem Senkrechtstarter, hat uns beiden der Film eigentlich sehr gut gefallen. Die zynischen Sprüche von Willis, gepaart mit den unfreiwillig komischen Auftritten seines Hacker-Kumpels lassen den Mund in einer Art krampfhaften Dauerschmunzeln erstarren. Der Kontrast zwischen dem bodenständigen Mclane, der vom Internet soviel Ahnung hat wie ein Maulwurf von 3D-Animationen und dem smarten Hacker, welcher durch den Polizeiveteranen auf die unsanfte Weise lernt, daß außerhalb des Cyberspace eine Welt mit echten Mädels aus Fleisch und Blut existiert, ist gekonnt in Szene gesetzt. Als kleines optisches Schmankerl dient Mclanes bildhübsche Tochter, welche das lose Mundwerk vom Papi erben durfte.
Es gibt mindestens so viele Schießereien wie in Bad Boys 2, was allein ein Garant für großes Popcornkino ist. Wer über kleine Logikschlitzer und wenig tiefgründige Charaktere hinwegsehen kann, wird sich prächtig amüsieren. Es würde auch keinen Sinn machen Bösewichter von Shakespeare-Tiefe zu kreieren, wenn diese eine durchschnittliche Überlebensdauer von 8 Sekunden haben…

Über Thilo (1631 Artikel)
<p>Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.</p>

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