Gastartikel: Die Zeitzeugin auf Irland-Quest mit Impericus

Irland Quest

Update: Das Gegenstück zu diesem Artikel, Impericus‘ Reisebericht, findet ihr HIER.

Falls ihr eine Wohnung in Köln/Bonn sucht und Thilo um einen Tipp bittet: Obacht! Ihr könntet am Ende ganz woanders landen – wie ich zum Beispiel in Irland. Kurzerhand vermittelte er mich an euren getreuen Impericus weiter, dessen meist eher minder als mehr weises Getippe eure Augen schon häufiger penetriert hat. Um es vorweg zu nehmen: Er kann wirklich penetrant sein. Denn ja, ich bin kurzerhand hingeflogen. Wer kann sich solch einer wunderbaren Message schon entziehen?

Grüße, hier ist die Irische Zentrale für gestrandete Blogger und Abenteuerlustige. Wir haben vernommen, dass Sie Interesse an einem überraschenden Irlandaufenthalt haben. Ich wurde lediglich entsendet um Ihnen, werte Frau Hoffmann-Schoenborn, eben jenes Angebot detailiert zu schildern. :p

Das Abenteuer konnte beginnen!

Level 1: Die Charaktervorstellung

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Wie jedes handelsübliche Abenteuer begann auch dieses unbedarft und voll des jugendlichen Leichtsinns. Schließlich kannte ich nichts von Impericus – bis auf die wenigen Schipsel seines Lebens, die sich auf Facebook erstalken ließen. Auf dem Nerd-Wiki guckte ich bislang nur wegen meinem Pornohäschen Thilo vorbei! Ob Impericus ein Massenmörder ist? Ein geifernder Klischeenerd, der noch im Bette seiner Mutter haust? Oder noch schlimmer: Jar Jar Binks?

Nein, im Flughafen Corks grinste mich bis über beide Ohren ein sympathisches Kerlchen an, dessen Gesicht zwar unter einem irre vor sich hin wucherndem Bart verborgen blieb, dafür jedoch sofort mit mir auf einer Wellenlänge lag. Kunststück. Wir trugen beide den gleichen Bart. Da hat man sich einmal kurz nicht rasiert, und zack, Wildwuchs! Ihr kennt das.

Boss Level 1: Orklord Seilenz

Wenn zwei fremde Internetmenschen sich zum ersten Mal in freier Wildbahn begegnen, stellt sich ihnen oft ein beharrlich greinender Orklord in den Weg: Seilenz. Seine gar schröckliche Fähigkeit, peinliche Stille zwischen den beiden schüchtern auf ihre Fußspitzen starrenden Leute entstehen zu lassen, ist legendär. Sein Zauber entfaltet sich schleichend: „Äh, und, wie geht’s dir so?“ – „Äh ja, gut…. „ „…“ „Hm, und wie ist das Wetter so?“ – „Keine Ahnung, bin doch gerade erst gelandet….“ – „Achso. Stimmt ja. Hihi..hi….hm.“ – „…“

Doch nicht mit uns! Heroisch klatschten wir Orklord Seilenz im Vorbeigehen gegen die Wand. Unsere Waffen: Gegenseitige Sympathie und erschreckend ähnlich gearteter Wahnsinn. Irgendwie auch logisch. Wenn Thilo uns schon als seine beiden verrücktesten Freunde bezeichnet, muss da ja was dran sein. Thilo spricht nämlich immer die Wahrheit. Oder so. Ach, dieser Husten, Verzeiht bitte …

Impericus‘ Wohnung indes war mir sogar fast sympathischer als er selbst! Geziert mit schier unendlich vielen Comic- und Videospielstatuen und DVDs, die einen Hauch klugen Nerdwissens verbreiteten, sowie gespickt mit Anspielungen und einem mit besten irischen Wässerchen gefüllten Kühlschrank, ließ es sich dort leben. Zumindest die nächsten beiden Wochen.

Doch wie lange würden wir uns noch in Harmonien ergötzen? Würde sich irgendwann, zwischen dreckigem Geschirr und der Friends-Theorie*, das Schwert des Damokles in unsere Häupter bohren?

Level 2: Das Questen

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Xps lassen sich nicht damit verdienen, dass man gähnend im Bette liegt und wenig erfolgreiche Herr der Ringe-Abende verbringt, nein, die Map will erkundet werden! Voll Tatendrang gingen wir also auf Entdeckungstour. Wir erklommen die steinigsten Gipfel, die hinterletzten Klosterruinen und die windigsten Klippen, tranken das blauste, das stärkste und flüssigste irische Bier und schafften es zwischendurch auch, uns Eingeborenen zu nähren, die uns ihre Initiations- und Hochzeitsriten präsentierten. Diese sind nicht allzu anders wie hier. Komisch. Dabei dachte ich, dass ganz Irland von Feen und Kobolden besetzt wäre. Wieder was gelernt.

Allein durch das Erkunden fremder Landstriche stieg ich unendliche Stufen auf (schon die Stufen zum Stein von Blarney, der einem durch einen Kuss unaussprechlichen Redefluss erlaubt, waren unzählbar!) und auch das Erlegen einheimischer Tiere und Gewächse ließ meinen Gaumen zarte Freudenfeuer erleben. (Was auch am Chili des Schokoladengedöns gelegen haben könnte, den ich in einem mexikanischen Restaurant genießen durfte. Aber das ist nur eine Theorie.) Endlich ein Land mit Pfefferminz im Essen! Ich ziehe dorthin! Naja. Oder koche es in Deutschland einfach nach.

Boss Level 2: Hochklappende Bürgersteige

Als stolze Rheinländerin ist mir nach wie vor klar: Gefeiert, getrunken und getanzt wird bis in die Morgenstunden! Doch so ausgelassen und singfreudig der Ire an sich auch sein mag – die garstigen Bürgersteine machen ihm das auswärtige Feiern zu einem kurzen Vergnügen. Ahnungslos hüpften wir des Nächtens durch die cidergeschwängerten Gassen, hievten unsere strahlenden Präsenzen auf diverse und immer andere Barhocker und konnten doch nicht ahnen, was uns stets um die Mittnachtsstunde erwarten würde. Unter meinen Füßen bröckelte das Pflaster, Iren schrien in Pein und ich wurde von einem Schlag zu meinen Sohlen getroffen, der mich umwarf. Jap. Die Bürgersteige wurden hochgeklappt. Einfach. So.Hilflos hämmerten wir gegen verschlossene Bar- und Clubtüren, doch das Level verlangte andere Orte. Glorreich verendeten wir somit regelmäßig im Wohnzimmer, um den reichlichen Bier- und Cidervorrat zu leeren.

Irland. Ich bin enttäuscht. Schwer. Enttäuscht.

Das Endlevel: Sieg oder Niederlage

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XP wurden verteilt. Questen geschafft (die strapaziöse Reise gen Klosterruine) oder abgebrochen (Tanzen gehen. Screw you, Bürgersteige!). Bosse besiegt und Trashmobs wie etwa wild pfeifende Bademeister das Fürchten gelehrt. Und, nicht zuletzt, wunderbare Allianzen geschmiedet.Irland ist ein im Sonnenschein bildschönes, inspirierendes Land, das mit seinen malerischen Landstrichen das Herz berührt und dessen Bier fast an das gute Kölsch herankommt. An sich war es ein verdammt langweiliges Abenteuer, wenn man daraus ein Videospiel machen wüde – es gab einfach zu wenig Strapazen und Mobs! Vielleicht hätte ich es mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad spielen sollen: Statt Impericus hätte mich schließlich auch Scarecrow erwarten können!

Endboss: Der Abschied

Die schlimmsten Szenen spielten sich entsprechend auch in den letzten Stunden ab. Trist hingen die Wolken über dem hellen Blau, die Gesichter eines jeden Iren waren lang und grau. Es schien, als würde das ganze Land mit uns trauern, als würde es spüren, das hier etwas ganz Besonderes getrennt werden würde. Ich bin mir auch ganz sicher, dass die Luft von einer Melodie in tiefstem Moll erfüllt war.

Doch es ist nur ein Abschied auf Zeit. Nicht für immer.

The End?

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Es war ein Abenteuer, dessen Verlauf vorab nicht zu errechnen gewesen war und das schon allein aufgrund dessen spannender war als das windigste Videospiel. Ein Abenteuer, das von der ersten Sekunde an, in der ich in Impericus‘ Augen blickte, nicht nur zu einem, sondern zu meinem, zu unserem Abenteuer wurde, das die zwei Wochen noch lange überleben und noch einige, viele, unendliche Fortsetzungen erfahren wird. Es war das Verrückteste, was ich je getan habe – und das Beste, was mir passieren konnte.

Wir sind beide nicht ganz richtig und dicht im Kopf – und das ist verdammt gut so!

*Wisset, Volk, es ist dem nämlich so: Als großartigste Serie diesseits der Atmosphäre ist es von unabdingbarer Wichtigkeit, dass zwei Menschen des Aufeinandertreffens beide diese jene Leidenschaft verfolgen. Oder anders: Wenn mein Nächster Friends nicht mag, hat er verschissen. Und Impericus? Nun, ob er daneben scheißt, habe ich zwar nicht so ganz beobachtet, doch er mag Friends. Bis zu meinem Abflug sind wir bis über die „They know we know they know!“-Episode gekommen. Friends-Theorie bestätigt: Wir haben ein Match und ich kann euch reinen Gewissens sagen: Ja, Impericus ist schon ganz ok.

Impressionen aus Örland

Update: Das Gegenstück zu diesem Artikel, Impericus‘ Reisebericht, findet ihr HIER.

Über Thilo (1764 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

5 Kommentare zu Gastartikel: Die Zeitzeugin auf Irland-Quest mit Impericus

  1. Bei Männern mit Bärten macht man im Prinzip nichts falsch.

  2. Ach komm! So kitschig war der doch gar nicht! ;D

  3. Poah, watn Kitsch, eh. Bitte keine Gastartikel mehr! Lieber mehr Bier- und Barbarenpostings!

    (Alles Gute euch beiden! <3)

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