Indiana Jones ohne Nazis???

Das geht mal garnicht! Und wenn man schon auf die morallosen Möchtegern-Weltherrscher verzichtet, sollte man wenigstens einen durchgeknallten Vodoopriester einbauen, der Leuten bei lebendigem Leib das Herz raus reißt!

Ich bin ohne große Erwartungen in „Indiana Jones and the kingdom of the crystal skull“ gegangen, weil mir nur allzu klar war, dass der Film auf Grund verschiedener Faktoren unmöglich an den Kult und den Charm der vergangenen Filme heran reichen kann: Harrison Ford hat mittlerweile eine stolze 65 auf seinem Perso stehen, Lukas hat schon mit den neuen Star Wars – Teilen bewiesen, dass er ebenfalls kurz vor der Demenz steht und die Macher haben sich gegen Atlantis und andere coole Konzepte für Area51 als Storyline entschieden.

Als dann der Abspann über meine Netzhaut flimmerte, wurde ich von extrem gemischten Gefühlen gebeutelt. Ich werde jetzt einfach mal die positiven und „weniger Positiven“ Aspekte des Films auflisten. (spätestens hier: SPOILERALARM)

Da der Film insgesamt auf jeden Fall ein cooler Actionride und Popcornfilm war, egal welche Teilstücke man gelungen oder albern fand, werde ich erstmal ein paar gute Haare an ihm lassen.

Erstmal fand ich, anders als befürchtet, das Alter von Indy eher unproblematisch. Natürlich sieht man dem guten Harrison an, dass es ihm durch amerikanisches Fastfood und Zigaretten leider nicht gelungen ist, seine Zellalterung aufzuhalten. Doch durch den stylischen Hut, die markigen Sprüche und Aufwärtshaken, die immer noch die richtigen Kiefer knacken lassen, hat man schnell wieder das Gefühl den legendären Peitschenschwinger vor sich zu haben. Fords Charisma konnte nicht durch sein Alter ausgelöscht werden, höchstens vielleicht ein wenig gedämpft. Das Feuer der Jugend lodert eben nicht mehr ganz so aufrüherisch in seiner Brust und seinen Augen, was er im Film aber immerhin aufrichtig mit „wir sind zu alt für die Scheisse“ zu bedenken gibt.

Alle Actionsequenzen sind sehr unterhaltsam und mitunter haarsträubend komisch. Das Indy gleich zu Anfang des Streifens eine Atombombe überlebt, indem er sich in einem Kühlschrank versteckt und die fliehenden Kommunisten per Luftpost überholt, mag nicht sonderlich realistisch sein, dafür aber eben mehr als entertaining.

Und genau das ist es auch, was ich von einem Indy-Film erwarte! Ich glaube viele Kritiker des Films waren, wie ich, dramatisch jünger als sie die ersten drei Filme im Kino gesehen haben. Deshalb verstehe ich die forenweite Empörung über typische Indy-Elemente nicht so ganz. Einige beschweren sich darüber, dass die Fallen in den unterirdischen Tempeln und Gängen keinen Sinn geben. Nun, das taten sie auch in den vorherigen Filmen nicht. Gerne erinnere ich mich an die drei Gralsproben, welche selbst nach Befolgung des „Survival Guides“ eigentlich den sicheren Tod bedeuten würden. „Nur der bußfertige Mann wird bestehen“. Oh nein! Richtig hätte es lauten müssen „Der bußfertige Mann wird die horizontale Kreissäge überleben und dann von der vertikalen gespalten werden“…

Andere haben ein Problem damit, dass es um als Götter verehrte Außerirdische geht. So was ginge ja garnicht, weil es überhaupt nichts mit Archäologie zu tun hätte. Hier muss ich wiedersprechen, da man sich in der Wissenschaft schon lange streitet, ob die alten Ägypter, beispielsweise, Hilfe „von oben“ hatten, um ihre riesigen Pyramiden zu bauen. Insofern wurde hier nur ein weiterer Mythos bemüht, um einen lustigen Film zu machen. Ob der Mythos christlicher, indischer oder anderer Herkunft ist, kann einem doch fast egal sein. Sowas ist eben Geschmackssache…

Immerhin hat Lukas (vermutlich eher ein aufgeweckter Praktikant) das neue Weltbild des Multiversums mit in die Waagschale geworfen, weil die Eierköfpe im Film nicht unbedingt „von oben“ kommen.

Indys Sohn war als Sidekick und James-Dean-Haare-Zurückkämmer durchaus akzeptabel, ich könnte ihn mir jedoch nur schwer als neuen Indana Jones eines möglichen fünften Teils vorstellen. Passender Weise rollt diesem am Ende des Films der berühmte Schlapphut vor die Füße, doch als er ihn aufsetzen will, schnappt Indy ihn sich und stolziert grinsend davon. SO als ob er sagen wollte „Nä Jung, der passt dir noch nicht…“

Nicht so toll fand ich Indys Gegenspieler. Die herrlich gewissenlosen Nazis wurden durch Russen ausgetasucht mit der ostukrainischen Kate Blanchett als Oberbösewichtin. Und besonders diese hat mich nicht sonderlich vom Hocker gerissen. Die süße Galadriel-Blanchett war dafür einfach nicht furchteinflössend genug. Sie spielt nicht schlecht, sie ist nur falsch gecastet worden.

Auch das Ende des Films ist diesmal nicht ganz so unheilig und dramatisch wie sonst und als die fiese Blanchett „aus dem falschen Gral trinkt“ will sich keins meiner Nackenhaare aufstellen…

Achja, und dann waren da noch diese Szenen, für die die Amis ein eigenes Wort geschaffen haben: CHEESY. Ich kann in einem Indiana Jones Film, der ständig zwischen Action- und Fantasyfilm changiert, ja einiges ertragen. Aber als sich Indys Sidekick wie Tarzan, von einem Rudel Affen begleitet, durch den Dschungel schwingt und dann auch noch den Autos auf der Strasse den Weg abschneiden kann, während seine neuen und vor allem völlig unvermuteten Affenfreunde auf die Kommunisten einschlagen, ist mir die Sicherung weggefolgen.

Insgesamt war der 4.Teil der Trilogie (Hä?) einfach nicht so mystisch und spannend wie seine Vorgänger. Trotzdem ist er sicherlich einen Kinobesuch wert und schafft es durch seinen Pocorn-Faktor auf 7 von 10 Punkten.

Über Thilo (1800 Artikel)
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