Was sind eure albernsten Running Gags im Rollenspiel?

Langjährig mit derselben Truppe von Leuten Pen & Paper zu spielen ist grandios. Die Spieler kennen sich gegenseitig in und auswendig und es herrscht eine vertraute und familiäre Atmosphäre. Durch das damit verbundene Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit, nimmt niemand ein Blatt vor den Mund und die größten Albernheiten werden gnadenlos ausgesprochen. Auf diese Weise entstehen wunderbare, wenn auch teilweise etwas obskure oder schlichtweg MEGA flache Running Gags.

seabiscuitEine besonders infantile Variante kommt mir da in den Sinn, die ich euch auf keinen Fall vorenthalten möchte. Unser damaliger Spielleiter schaffte es, einen einfachen Händler in der Stadt so schleimig und unheimlich zu spielen, dass die Fantasie von einem von uns durchging. Eigentlich wollte unsere Gruppe vor dem nächsten Abenteuer nur schnell noch einen überflüssigen Gaul zu Gold machen. Doch das muss diese übermotivierte und idealistische (lies: unerfahrene) Zeit gewesen sein, in der jede noch so unwichtige Handlung detailverliebt ausgespielt werden musste.

So kam es, dass der krankhaft grinsende Händler nicht müde wurde unseren Klepper zu loben und über das Fell zu streicheln. „Ein schönes Pferd habt ihr da… wirklich, ein sehr schönes Tier…!“ wiederholte unser Spielleiter, während er immer wieder eine anerkennenden Streichel-Bewegung in der Luft vollführte. Irgendwann platzte es dann aus einem Spieler heraus: „Sag mal, ist das der stadtbekannte Pferdeficker, oder was? Ich glaube ich möchte dem das Pferd gar nicht mehr verkaufen.“

Vielleicht an dieser Stelle überflüssig zu erwähnen, dass wir uns schlapp gelacht und fortan in jedem übermäßig freundlichen Händler den „stadtbekannten Pferdeficker“ wieder entdeckt haben.

Viele ähnlich niveauvolle Running Gags gehen auf das Schaffen unseren damaligen Meisters zurück, dessen Vorbereitungen für Abenteuer, sowie damit verbundener Einfallsreichtum, manchmal etwas zu wünschen übrig ließen. So kam es auch, dass er uns bei Schätzen häufiger mal mit einem Schockgriffring beglückte, weil das bei AD&D der einzige magische Gegenstand in seinem Kopf war, den er mal schnell bei „Random Loot, wo auch was kleines Magisches dabei sein soll“ improvisieren konnte. MAL WIEDER einen zu finden war fast so nervig, wie bei Diablo 2 einen Nagelring zu finden, obwohl man sich den Stone of Jordan erhofft hatte. Deshalb wurde es natürlich schnell zum Running Gag dem Meister beim Beschreiben von Schätzen ins Wort zu fallen und gelangweilt zu fragen: „Jaja, wir finden einen seltsamen Ring … *seufz* … und sonst noch was?“

Nagelring

Voller Verzückung denke ich auch an Running Gags zurück, die durch die Eigenheiten von Spielern entstanden sind. Jeder hatte ja so seine Art bestimmt Klassen oder Rassen durch Worte oder passende Gesten ins Leben zu rufen. Besonders der Barbar, der bei uns Powerplay- und Regel-bedingt bei D&D 3rd Edition eine vollkommen überzogene Tötungsmaschine war, wurde schnell durch den Standarspruch beim Angriff „Power attack +10“ bekannt. Oft wurde vom entsprechenden Spieler auch ganz Barbaren-typisch der überflüssige Dialog „Ich möchte angreifen und zwar mit einer Power Attack +10“ einfach weggelassen und in einer zackigen Handbewegung zusammengefasst. Jeder wusste nach einer Weile, das die Karatehand über dem Kopf, die plötzlich herab schnellte, die Axt sein sollte, die den Gegner spaltet, oft begleitet von einem gütigen Lächeln der Marke „Du hast es überstanden, Junge.“

Und natürlich etablierten sich im Keller, in dem wir sonnenscheue Fantasy-Nerds zockten, auch jede Menge „Outtime Running Gags.“ So kam es, dass die treusorgende Mutter des Spielleiters ihren hungrigen Helden stets einen Nudelauflauf zur Stärkung brachte; immer, aber auch wirklich IMMER gefolgt von der schnell zuzubereitenden Paradiescreme von Dr. Oetker. Der Running Gag bestand darin, dass wir sie nach einer Weile Stopfcrème genannt haben, weil man die auch bei noch so schmerzhaftem Überfressen prima noch in die Lücken schmieren konnte. Das war quasi Fugenmasse für unsere Mägen, die das Nudelkoma komplett gemacht hat.

Ebenso obligatorisch waren die kleinen Waffelröllchen mit Schokolade, die als Snack auf dem Tisch standen. Ich weiß nicht, ob die Familie des Spielleiters davon mal 40.000 Packungen bei einem Preisausschreiben gewonnen hatte, aber die gab es wirklich JEDES MAL, weshalb wir sie irgendwann liebevoll „die Obligatories“ nannten.

Hach! Gute, alte, verrückte Zeit!

So, und jetzt bin ich natürlich verdammt neugierig auf eure Running Gags beim Rollenspiel!

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Über Thilo (1163 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.