Durchgezockt: Witcher 2 – Den weißen Wolf muss man lieben

9 von 10 Silberschwertern

Natürlich muss ich vorweg schicken, dass ich alle Bücher, auf denen Witcher 2 basiert, gelesen habe und somit als Hardcore-Fanboy gelten darf. Doch Witcher 2 ist nicht nur für Kenner, sondern für alle Liebhaber von atmosphärisch dichten Fantasy-Rollenspielen uneingeschränkt empfehlenswert – vorausgesetzt sie sind volljährig und nehmen keinen Anstoß an Gossensprache, Bettszenen und realistisch in Szene gesetzter Gewalt.

Witcher 2 ist in der Tat nichts für zimperliche Gesellen und muss mit Recht dem Genre der „Dark Fantasy“ zugerechnet werden. Ich empfand die dreckige Mittelalterwelt und die „erwachsene“ Herangehensweise an das Thema Fantasy sehr erfrischend im Zeitalter von WoW und anderen quietschbunten Fantasy MMOs, die derzeitig wie Pilze aus dem Internetboden sprießen.

Was macht Witcher 2 zu einem der besten Rollenspiele, die ich auf dem PC bisher gezockt habe?

Grafik:

Wer einen entsprechenden Rechner besitzt und das Game so spielt wie es gedacht ist, nämlich mit maximaler Sichtweite, allen Details und einer hohen Auflösung, wird in einen wahren Grafikrausch verfallen. Die Witcher-Welt ist wunderschön und detailreich in Szene gesetzt und kann an allen Ecken und Enden mit Detailverliebtheit und Realismus glänzen. Nebel und andere Wettereffekte, sowie hyperrealistischer Lichteinfall haben die Atmosphäre für mich abgerundet. Gerade die bewaldeten Außenbereiche haben mich schwer beeindruckt. Der Wald mit seinen turmhohen Bäumen, seinem dichten Blätterdach und dem natürlichen Wildwuchs hat eine ständige Spannung und ein Gefühl des Beobachtet-Werdens erzeugt. Man kommt sich tatsächlich wie Jäger und Gejagter in einem vor. Besonders weil sich die verschiedenen Monster realistisch durch den Wald bewegen. Spinnenartige beispielsweise klettern teils unvermittelt die hohen Baumstämme hinab und greifen dadurch recht überraschend an.

Story:

Die Geschichte um den Königsmörder und Geralts Verwicklung in diese ist, in bester Tradition der Romane, fesselnd und episch. Alle Charaktere, insbesondere die Hauptakteure wie der kompromisslose Roche, sind ausgefeilte Persönlichkeiten mit einer stimmigen Rolle in der Welt. Dadurch bekommt die Welt einen sehr real wirkenden Anstrich.

Witcher-2-Kayran

Silberklinge raus, Tränke eingeworfen, Schutzzeichen aktiviert und Abfahrt: Einige Bosskämpfe haben es trotzdem WIRKLICH in sich!

Die Action:

Holy Crap! Es macht einfach nur Laune die überlegenen Schwertkünste des Hexers gegen die aus allen Richtungen angreifenden Widersacher einzusetzen. Anfänglich noch recht anspruchsvoll, bekommt man aber schnell ein Gefühl für die taktischen Hechtsprünge, Pirouetten und Manöver, mit denen man auch große Gegnerzahlen bezwingen kann. Man sollte nur niemals vergessen bei „normalen Gegnern“ und Monstern zwischen Stahl- und Silberschwert zu wechseln, damit die Kämpfe nicht plötzlich unnötig schwer werden.

Geralts magische Zeichen sind ebenfalls nett in Szene gesetzt und es macht einen Heidenspaß die Gegner wie ein Jedi mit einem Machtschub wegzustoßen und betäubte Feinde mit einem spektakulären Finish-Move in Stück zu hauen. Da ich mich in erster Linie auf den Pfad des Schwertes (mit ein paar Punkten in Magie) konzentriert habe, kann ich über die Wirkmächtigkeit der Alchimie nicht viel sagen. Mit den richtigen Tränken kann sich Geralt jedoch ebenfalls nett aufpowern, solange er es nicht übertreibt und sich selbst dabei vergiftet.

Schwächen des Spiels:

Ich kann nur 9 von 10 Punkten geben, weil ich mich an ein paar Kleinigkeiten (die aber ohne Probleme weg zu patchen wären) doch gestört habe. Beispielsweise lassen sich Plunder und Ziergegenstände, die keiner anderen Bestimmung dienen als beim Händler zu Gold gemacht zu werden, nicht in einer eigenen Kategorie anwählen, so dass man sie teilweise ewig im Inventar suchen muss. Außerdem ärgerlich: Weil man mal wieder sein Trage-Limit erreicht hat und nicht mehr schnell laufen kann, trennt man sich schweren Herzens von z.B. 2000 Harpyien-Klauen. Natürlich hat der Händler im nächsten Dorf ein super Rezept, für das er exakt 2000 Harpyien-Klauen benötigt. Doch leider kann man einmal verkloppte Sachen nicht mehr beim entsprechenden Merchant zurück kaufen, so dass man sich ggfs. ein paar gute Gegenstands-Rezepte blockiert. Schade!

Fazit:

Ich wage zu behaupten: Wer von Witcher 2 nicht begeistert ist, hat generell keinen Spaß an Fantasy-Rollenspielen. Witcher 2 bringt alles mit, um auch noch in einigen Jahren in den Top Listen der besten Fantasy-Rollenspiele aller Zeiten geführt zu werden. Ich kann hier nur meine allerwärmste Empfehlung geben: Holt euch das Teil!

Witcher 2 ist Dark Fantasy für Erwachsene. Unflätige Ausdrücke und explizite Gewalt gehören genauso zum Spiel wie die vielen Sexszenen.

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Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

3 Kommentare zu Durchgezockt: Witcher 2 – Den weißen Wolf muss man lieben

  1. Ich muss das auch endlcih mal holen! Bin neidisch auf alle, die es spielen können/konnten/bla 😉

    •  war ein wirklich ein episches Erlebnis. Habe das sehr genossen und mir ist mehr als einmal ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen. Und die Gags sind auch geil. Besonders die Quest bei der man nackt am Flussufer aufwacht und mit einem Mörder-Kater und krassem Filmriss rausfinden muss, was am Vorabend passiert ist 😉

  2. skaldenwinter // 16. August 2011 um 17:53 // Antworten

     Was mich an dem Spiel fasziniert hat war, dass man durch seine Entscheidungen deutlich unterschiedliche Wege geht und damit einige Quests einfach blockiert werden. Versteht mich nicht falsch, das ist sehr positiv und ich werds mindestens einmal nochmal durchspielen… Die Witze sind teilweise genial („Ahhh… my favorite kind of magic: lesbomancy“)… 😀

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