Meine Eindrücke von der Gamescom 2012

Im flimmernden Zwielicht unzähliger Leinwände und Monitore und bei ohrenbetäubender Geräuschkulisse aus dumpfen Technobeats und den Freudenschreien des Mobs bewegt sich der Besucher durch den schweren Duft von Fastfood und T-Shirt-Schweiß. Willkommen auf der Gamescom!

Wenigstens habe ich es wieder geschafft, mir einen Fachbesucherausweis zu erschummeln und konnte so schon gestern, ohne das nervige Drängeln des gewöhnlichen Pöbels, durch die bunten Stände der Aussteller flanieren und neue Games probezocken.

Für mich waren dabei jedoch, wie immer, die vielen Cosplayer, sparsam bekleideten Messe-Babes und sonstigen Gaming Nerds die Hauptattraktionen: Diverse LARPer zielten mit ihren Gummi-Pistölchen auf mich, während es diverse Zombies auf mein Hirn und eine Rotte bärtiger Rokoko-Transen auf meine Wäsche abgesehen hatten. Alles so, wie es sich für eine Gaming-Messe gehört.

Welche Games ich getestet und welche Aussteller mich beeindruckt oder bitter enttäuscht haben, erfahrt ihr auf der nächsten Seite.

Erwähnenswert ist zunächst, dass trotz des „Fachbesucher only-Labels“ des gestrigen Tages erschreckend viele Kinder und Halbstarke durch die Hallen geiferten und dem wahren Fachpublikum die die eine oder andere Warteschlange madig machten. Dass meine eigene Fachbesucher-Karte ergaunert war, zählt jetzt einfach mal nicht, weil ich zumindest hier im Blog meinen „professionellen“ Gamer-Senf zur Gamescom abgebe. Die vielen wirklich „schwarzen Schafe“ haben hingegen dafür gesorgt, dass mir z.B. die Warteschlangen vor Rambo und Resident Evil 6 einfach zu lang waren. Besonders, nachdem ich mir für das absolut enttäuschende Boarderlands 2 eine halbe Ewigkeit die Beine in den Bauch gestanden hatte. Der negative Eindruck rührte allerdings in erster Linie daher, dass nur die Konsolenversion spielbar war, welche für mich als PC-Junkie grafisch unzumutbar und über das Gamepad kaum steuerbar war.

Ebenfalls herbe enttäuscht war ich von Netherrealms neuem Prügler Injustice: Gods Among Us. Die wenigen Superhelden, die man wählen und in ganzen 2 Arenen aufeinander hetzen konnte, spielten sich so dynamisch und aufregend wie halbseitig Gelähmte aus dem Altersheim. Ohne schnelle Schlagkombinationen und bessere Special Moves sehe ich für diesen Titel schwarz.

Grafisch unspektakulär und hölzern in seinen Animationen präsentierte sich mir ein neues Browsergame für DSA Nerds. Den Titel habe ich schon wieder verdrängt, aber es war definitiv nicht Drakensang Online. Warum ich es überhaupt erwähne? Weil die Witzbolde von Ausstellern der spielbaren Magierin so eine nette Hintergrundgeschichte verpasst haben:

Das „stinkige GC-Fan-Publikum“? ROFL! Und ein bisschen gewagt, nachdem vor nicht allzu langer Zeit ein paar dieser „stinkigen Gamer“ bewiesen haben, dass sie, wenn verärgert, eine ernstzunehmende Bedrohung für die Server öffentlicher Sender sein können. Noch mal in Nahaufnahme:

Nun aber zu den durchweg positiven Erfahrungen in den Hallen der Zocker.

Dishonored! Super! Das spielbare Level des neuen Steampunk Adventures von Bethesda hat mich mit seiner viktorianischen Teslaspulen-Optik sofort in seinen Bann gezogen. In Skyrim-Egoperspektive durfte ich mit Armbrust und Säbel bewaffnet Polizisten aus den Steampunk-Socken hauen und hier und da mit ein wenig quasi-magischen Fertigkeiten rumspielen. Auf diesen Titel freue ich mich am meisten.

Ebenfalls grandios spielte sich der asiatische GTA-Klon Sleeping Dogs, in welchem man als Mitglied der Triaden Leute im Bruce Lee-Stil verprügelt und Knochen bricht. In der spielbaren Mission musste ich einen Gangster durch einen überfüllten Markt in Hongkong verfolgen und dabei per Seitwärtshocksprüngen geschickt über Hindernisse wie Tische und Marktstände springen. Die eigentlichen Kämpfe, mit ihren Schlagfolgen und Konterattacken, haben mich sehr an Batman – Arkham City erinnert, waren jedoch durch ihr pure Härte, die eine Hommage an alle harten Kung Fu-Filme ist, und die Interaktion mit der Umgebung ein noch aufregenderes Erlebnis. Ein Mädel neben mir wandte sich mit einem angeekelten Gesichtsausdruck ab, als ich einen Gegner mit dem Gesicht in einen Ventilator drückte und das Blut nur so spritzte. Wird ebenfalls gespielt.

Zu guter Letzt möchte ich als alter D&D Nerd noch das neue MMO Neverwinter erwähnt haben. Obwohl ich MMORPGS eigentlich für immer den Rücken zukehren wollte, habe ich mich ohne Umschweife in die Liste möglicher Kandidaten für einen Betatest eingetragen. Die Grafik hatte Singleplayer-Niveau und die Kämpfe schienen abwechslungsreich und dynamisch zu sein. Und hey, es ist D&D…

Abschließend bleibt zu berichten, dass die Hallen dieses Jahr deutlich weniger überfrachtet waren, was sicherlich durch das Fehlen größerer Anbieter wie Microsoft oder Sega zu erklären ist. Sonic gab sich jedoch trotzdem die Ehre und stellte mir seine neue Freundin vor. Kein Wunder, dass der nicht mehr dazu kommt durch halsbrecherische Kurven und Loopings zu rasen.

Über Thilo (1143 Artikel)
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