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Filmkritik: Conan (2011) – Auch besoffen gesehen leider kein Glanzstück

conan2011

4 von 10 abgeschlagenen Nasen

(5.8.13) Update nach 3 mal Bluray schauen ohne nerviges Schrott-3D: Für Sword & Sorcery-Fans mindestens

7 von 10 abgeschlagenen Nasen

für den grandiosen Fun Faktor

Nachdem es in den letzten Wochen nach US-Release vernichtende Kritiken nur so gehagelt hatte, ist mein Wunschtraum, dass das Conan- bzw. das ganze Sword & Sorcery-Genre für eine neue Generation von Fantasy Fans neu belebt wird, wie eine Seifenblase zerplatzt.

Bis kurz vor Beginn des Films hat sich in mir ein trotziger Funke Hoffnung gehalten, dass der Film vielleicht doch eine von Banausen verkannte und grandios gewalttätige Trash-Perle sein könnte. Doch schon bald musste meine aufgeschlossene und positive Grundhaltung trotz literweise getanktem Bier bitterer Enttäuschung Platz machen.

Was Marcus Nispel da abgeliefert hat, ist für Conan-Fans, die bereits seit über 20 Jahren der bloßen Möglichkeit eines weiteren Conan-Films entgegen gefiebert haben, einfach viel zu dürftig und damit schrecklich enttäuschend.

Auch wenn ich versucht habe, die ganze Sache auf die leichte Schulter zu nehmen, sitzt mir nun doch ein fetter Kloß der Enttäuschung im Hals. Dass es jemand gewagt hat, eine Heldenfigur aus meiner Kindheit so unwürdig auf die Leinwand zurück zu bringen, lässt mich eben doch nicht ganz kalt. Das Schlimmste daran ist aber, dass man dem Film an allen Ecken und Enden anmerkt, dass der gute Wille wirklich da war. Was schlicht und ergreifend gefehlt hat, war ein ausreichender Skill als Regisseur. Tut mir leid, dass ich das über Herrn Nispel in dieser Deutlichkeit sagen muss. Doch leider gibt es außer dem wirklich passenden neuen Darsteller, Jason Momoa, kaum etwas Bemerkenswertes an dieser Interpretation von Howards Geschichten.

Ich werde im Folgenden mal versuchen, die verschiedenen Aspekte des Films so wenig emotional und so objektiv wie möglich darzustellen:

(Spoiler!)

Leider, meiner Meinung nach, schon der beste Kampf im Film: Die Sand-Krieger aus dem Trailer

Die Optik:

Leider gab es in ganz Bonn und Umgebung keine 2D-Vorstellung von Conan, so dass ich mir mit Widerwillen die Plastikbrille auf die Nase pflanzte. Ohne den Zusatz „Real 3D“ hatte ich schon das Schlimmste befürchtet, doch es war tatsächlich vollkommen nerv tötend. Der Teilweise schlechte Übergang von CGI-Hintergründen und realer Action im Vordergrund wurde durch die zwei bis drei aufgesetzten 3D-Ebenen nur noch hervorgehoben.

Apropos schlechtes Zusammenspiel von Computereffekten und realen Drehorten: Kann sich noch jemand an die gemalten Hintergründe von Dungeons and Dragons erinnern? Und wie die LARPer-Ruinen, in denen die Handlung spielte, so überhaupt nicht zu den vorher gezeigten, epischen Panorama-Aufnahmen passten? In Conan ist das nicht ganz so schlimm, aber hat mich deutlich daran erinnert. Das könnte allerdings wirklich teilweise dem grottigen 3D zu verdanken gewesen sein. Ich muss den Film definitiv mal in 2D sehen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich dem Film dann sogar noch einen Punkt spendieren würde, zu einem 5 von 10-Ergebnis.

Die restlichen Effekte der Landschaften und Monster waren solide, wenn auch der Kraken am Ende nicht besser in Szene gesetzt war als in einer x-beliebigen Fantasy-Serie auf HBO.

Die Musik:

Hatte der Film auch Musik? Ich kann mich nicht erinnern. Ich denke, das ist kein gutes Zeichen. Der orchestralen Untermalung hat definitiv ein widererkennbares Thema gefehlt. Ein Großteil der epischen Atmosphäre der Arnie-Filme wurde durch die bombastische Musik erzielt. Dass Herr Nispel sein Endprodukt ohne einen grandiosen Soundtrack vom Stapel gelassen hat, ist dermaßen laienhaft und dumm, dass ich ihn am liebsten verprügeln möchte.

Die weiblichen Hauptrollen waren leider komplett austauschbar...

Die Darsteller:

Der sicherlich positivste Punkt des Films: Jason Momoa als Conan. Auch wenn er lange nicht die Muskelmasse von Mr. Universum mitbringt, ist er doch optisch und darstellerisch die bessere Wahl für den Conan aus Howards Cimmeria. Der gutaussehende und braungebrannte Surfer mit den langen, schwarzen Locken weiß charmant zu lächeln und hasserfüllt zu blicken gleichermaßen. Wenn man mal ehrlich ist, bestand die Charisma-Leistung von Arnie demgegenüber in nicht viel mehr als seinen überzüchteten Muskelpaketen. Momoa wirkt als Conan viel agiler und geschickter. Wenn er eine Hechtrolle über ein Hindernis macht, wirkt er raubtierhaft wie ein schwarzer Panther. Es erscheint realistischer, dass dieser Conan unzählige Angriffe von Feinden überlebt, weil er nicht nur stark, sondern auch schnell und verschlagen ist. Ich möchte damit nicht sagen, dass „Meat-Shield Arnold“ nicht auch eine interessante Version von Conan ist, doch Momoa ist für mich näher an der Buchvorlage und damit zu präferieren.

Wofür Momoa nichts kann ist das Drehbuch. Marcus Nispel hat scheinbar völlig zugekokst mit den Hells Angels zusammen das Drehbuch in einem Stripclub geschrieben. Anders kann ich mir nicht erklären, dass Conan andauernd grunzen muss wie ein Schwein, um als knallharter Barbar durchgehen zu können.

MUAH! Conan steht aus der Hocke auf…. MUAH! Conan erblickt einen Feind… MUAH! Conan spornt sein Pferd an… usw. Was sollte das?

Auch das ständige „Mach dies, Weib!“ „Mach das, Weib!“, begleitet von besagtem Schweinegrunzen ist anfänglich noch lustig, doch stempelt ihn nach dem zehnten Mal als einen Badezimmerproleten ab, den sich ein zehnjähriger als Barbaren vorstellen würde, der gerade die ersten Schamhaare an sich entdeckt hat.

Neben Momoa wissen viele der anderen Darsteller jedoch kaum zu beeindrucken. Conans Sidekick Tamara (Rachel Nichols) ist niedlich aber vollkommen Charisma-frei. Rose McGowan hat als böse Hexe Marique geringfügig mehr Leinwandpräsenz, lässt sich jedoch zu leicht auf ihre Freddy Krüger-Klaue reduzieren. Der Oberfiesling Khalar Zym (Stephen Lang) war solide, wenngleich er für mich auch noch eine Spur böser hätte sein können. Grandios war wie immer Ron Perlman als Conans Vater und auch Leo Howard als der junge Conan konnte mich mit seinen hasserfüllten Blicken überzeugen.

Conans Kindheit: Da hat der Film noch richtig Spaß gemacht!

Die Handlung:

Der größte Kritikpunkt anderer Reviews ging für mich völlig in Ordnung. Die einfach gestrickte Story war eine reine Rachestory von Anfang bis Ende, ohne jeglichen Tiefgang. Für mich braucht ein Film, der von seiner Optik und seiner Atmosphäre leben sollte – und einen mordenden Barbaren in der Hauptrolle hat (!) – keine deutlich ausgefeiltere Story. Hatte der Schwarzenegger-Streifen ja auch nicht.

Die Handlung des Films wird von Anfang bis Ende, in einem stetigen Gefälle, immer schlechter. Der Film beginnt, der Story in den Büchern entsprechend, grandios und zeigt Conans Geburt auf dem Schlachtfeld. Auch seine Kindheit und sein Training zu einem unerschütterlichen cimmerischen Barbaren sind spannend und unterhaltsam in Szene gesetzt. Doch leider geht es von Conans erstem Auftreten als Erwachsener bin zum großen Showdown mit dem fiesen Unterdrücker des Landes qualitativ ständig bergab. Einer der erinnerungswürdigsten Szenen ist sicherlich der Kampf gegen die beschworenen Sandkrieger, den man ja schon zu Genüge im Trailer um die Ohren geschlagen bekam.

Gerade das Ende, als Bösewicht Khalar Zym endlich das vermeintlich mächtige Artefakt in Gebrauch hat, ist kaum episch und endet wenig befriedigend. Wenn ich mich daran erinnere, wie Arnie-Conan Thulsa Doom wie ein Holzfäller mit zwei Schlägen den Kopf abtrennt und diesen dann die Tempeltreppe hinab zu dessen Jünger wirft, dann wirkt das Ende des neuen Conan so zahm wie das Finale eines Glücksbärchi-Films.

Sex und Gewalt:

Es hieß Conan wäre eine blutige Gewaltorgie, die von einem Kampf zum nächsten taumelt. Die Kritiker, die das gesagt haben, kennen entweder „Machete“ als Referenzprodukt nicht oder haben einen anderen Conan gesehen. Bis auf eine Ekelszene mit einer abgeschlagenen Nase und anschließendem Pulen in selbiger, habe ich kaum wirklich überraschend ausufernde Gewalt gesehen. Die abgeschlagenen Köpfe, die der junge Conan seinem Vater vor die Füße wirft, kannte man ja schon aus Trailern. Doch ansonsten spritzt hier und da höchstens mal eine Blutfontaine empor, die sich jedoch in den meist viel zu hektisch und verschwommen gedrehten Kampfszenen kaum deutlich erkennen lassen. Vielleicht war ich auch einfach schon zu besoffen, um die Gewalt wirklich voll „genießen“ zu können.

Fazit:

Diese Conan-Verfilmung mit ihrem Herkules- und Xena-Flair kommt leider in keiner Weise an das kultige Original mit Arnie heran. Auch wenn Momoa ein deutlich besserer Conan ist, gibt es kaum erinnerungswürdige Szenen. Als Ergänzung eines Bier- und Barbaren-Trash-Abends kann der Film auf Bluray sicherlich nochmal Spaß bringen. Aber man muss ihn definitiv nicht im Kino gesehen haben. Außerdem sollten Hardcore Conan-Fans wie ich den Film nicht mit der Hoffnung anschauen, endlich noch einmal die epische Atmosphäre der Arnie-Streifen in neuem Gewand erleben zu dürfen. Hohe Erwartungen, nein, irgendwelche Erwartungen werden definitiv enttäuscht werden.

Über Thilo (1630 Artikel)
<p>Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.</p>

8 Kommentare zu Filmkritik: Conan (2011) – Auch besoffen gesehen leider kein Glanzstück

  1. ach wie Schade…

  2. LOL. Naja, dafür dass du dem Film gefühlte zwei Jahre entgegengefiebert hast und jeden Mini-Spoiler aufgesogen (und hier präsentiert) hast… Aber dein Urteil deutet darauf hin, dass du mental flexibel geblieben bist. Sehr gut 🙂

    • hahaha! Ja, bin eben hardcore fan. Ändert aber nichts daran, dass mein Geschmack und meine Qualitätsanforderungen an Filme, selbst an Trash, mit dem Alter gestiegen sind… 😉

  3. Coole Kritik 🙂 Danke für die Warnung, ich spar mir den Film wohl. Aber wenn das mit dem Nispel verprügeln konkret wird sag trotzdem mal bescheid..

1 Trackbacks & Pingbacks

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