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Filmkritik: Gravity – Ein Film mit unwiderstehlicher Anziehungskraft

GRAVITY 9 von 10 Trümmerteile Im Weltraum schweben Menschen im luftleeren Raum zwischen den Welten. Astronauten sind hin und her gerissen zwischen dem Anblick der atemberaubenden Schönheit der Erde aus der Vogel-, besser noch, Engels-Perspektive und dem bedrückenden Gefühl in einem maximal lebensfeindlichen Raum zu schweben. Und vielleicht ist eine der vielen Botschaften von Gravity, dass so ein Ausblick auf die Welt auch den Engeln vorbehalten bleiben sollte... Was lässt sich über Gravity sagen? Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein atemberaubendender Film. Obwohl ich nach Kenntnisnahme des ersten Trailers eigentlich beschlossen hatte, dass der Film in die Sparte Drama/Katastrophenfilm fällt und damit für mich „off the table“ ist, bin ich froh, dass ich den durchweg guten Bewertungen geglaubt und ihn selbst angeschaut habe. Denn unabhängig vom Genre ist dieser Film eine Pionierleistung an Spezialeffekten und frei im Raum beweglicher Kamera und erzeugt damit ein unglaublich authentisches „Mittendrin statt nur dabei“-Erlebnis. Der Zuschauer hat wirklich das Gefühl mit den Darstellern im Weltall zu schweben und teilweise habe ich mir echt eingebildet, die wären mit einer Kamera-Crew live dabei gewesen. So etwas hat es so einfach noch nicht gegeben und dürfte Gravity den diesjährigen Oscar für die besten Spezialeffekte sicher stellen. Was Jurassic Park für glaubhafte Computer Effekte, Matrix für Bullettime und Avatar für gutes 3D war, ist Gravity für ein beinahe bedrückendes Egoperspektiven-Mittendrin-Gefühl.

Im Schlepptau des Space-Taxi ... GUT festhalten...

Im Schlepptau des Space-Taxi … GUT festhalten…

Der Film ist wirklich ein tolles optisches Erlebnis, welches enorm vom „Real 3D“ (nicht das crappige, hinterher drauf editierte) und einer großen Leinwand profitiert. So ein Gefühl hatte ich das letzte Mal, als ich bei Avatar den Navi durchs Unterholz von Pandora gefolgt bin. Ich kann euch nur raten, euch möglichst mittig und nah an die Leinwand zu setzen, so dass ihr die äußeren Ränder des Screens kaum noch sehen könnt. Noch besser wäre natürlich, den Film in einem Imax, oder in naher Zukunft, mit einem Occulus auf der Nase zu erleben. Ich mache keine Witze: Dieser Film ist ein reiner Kinofilm, der auf einem normalen TV (außer vielleicht einem wirklich großen 3D Heimkinosystem) seinen unverwechselbaren Effekt einbüßen würde. Der Effekt ist sogar so gut, dass ich eingedenk der Dramatik des Films meine Wünsche bezüglich eines möglichen Weltraumspaziergangs erst mal zu den Akten gelegt habe…

Sowohl Sandra Bullock als auch George Clooney machen ihre Sache gut, sind jedoch austauschbar. Meist durch ihre voluminösen Anzüge getarnt sind die Haupt-Show Stealer des Films die Schwerelosigkeit und die unerbittliche Anziehungskraft der Erde. Es macht auch überhaupt keinen Sinn hier zu spoilern und über die Handlung des Films zu sprechen, da diese wie bei jedem anderen Katastrophenfilm fast nebensächlich ist. Was zählt ist die Spannung, die den Zuschauer eigentlich ab den ersten Minuten des Films – gerade wegen des „ich bin mit denen da oben“-Gefühls – bis zum Ende nicht mehr los lässt. Und dabei gibt es viele ausdruckstarke und wunderbare Bilder zu bewundern, die ihrerseits wiederum einige schöne Botschaften zum menschlichen Leben transportieren, die man auch nach dem Kinobesuch noch eine Weile mit sich herum trägt.

Neben offensichtlicheren Botschaften (und Bildern), wie z.B. dass wir mal lieber die Schönheit unserer Erde schätzen und schützen sollten, anstatt im lebensfeindlichen All herum zu paddeln, hat mich sehr bewegt, wie die Macht positiven Denkens die Welt um uns herum formt. Gar nicht mal nur in Hinsicht auf das eigene Erleben, sondern auch durch die Inspiration, die man bei konsequenter Anwendung damit für andere liefert und damit die Welt insgesamt ein Stück besser macht.

Ich gebe dem Film nur deshalb nicht volle Punktzahl, weil er durch das Genre bedingt keinen großen Wiederanschau-Wert hat und wirklich nur im Kino funktioniert. Außerdem spielt er im Weltraum, ohne dass Aliens, Raumschiffe oder Laser vorkommen. LAME. Trotzdem ein grandioser Film. Muss man gesehen haben. Aber nur im Kino.

Über Thilo (1602 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

2 Kommentare zu Filmkritik: Gravity – Ein Film mit unwiderstehlicher Anziehungskraft

  1. Ich wollte danach viel dringender da rauf.

    Super Film. Zeigt mir nur das wir momentan noch mit dem Äquivalent von Bambus-Flößen da oben rumhantieren, die man statt zum „ein bisschen im Schilf rumpaddeln“ nutzt, um „mal eben“ auf hohe See rauszuflitzen. Wegwerfkapseln, Weltraummüll, keinerlei wirklich permanente und vor allem selbstversorgende Infrastruktur, aber wir tun trotzdem so, als wären wir eine weltraumfahrende Gesellschaft. Dabei paddeln wir eben nur Barfuß und mit Stöcken im Schilf … und im Schilf kann man sich leicht verheddern. Gerade wenn das größte Raubtier das Wasser, oder wie in diesem Fall, der Weltraum selbst ist.

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