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Filmkritik: Snowwhite and the Huntsman – Hübsch aber lame

5 von 10 schimmeligen Äpfeln

Nachdem also Superheldenfilme über Gebühr abgefrühstückt wurden (ich kann aber trotzdem nie genug bekommen!) und auch viele der bekannteren Fantasy Epen wie HdR, Potter etc. schon visuell monetarisiert wurden, ist jetzt das Märchen Genre dran. Computereffekte sind top notch und können mittlerweile wirklich alles glaubhaft darstellen, also muss es auch gemacht werden. Schade nur, dass Snowwhite and the Huntsman zwar optisch top ist, aber in allen anderen Belangen weit hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt.

SWATH ist ein optisch wirklich schön gemachter und düsterer Fantasyfilm, der allein durch einige malerische Handlungsorte im Vereinigten Königreich bei mir als altem Anglisten Pluspunkte machen konnte. Auch die gutaussehenden Schauspieler wussten zu verzücken. Mein heimlicher Man-Crush, der Thor-Darsteller Chris Hemsworth, gab einen ansehnlichen Jägersmann ab, Charlize Theron war als dunkle Königin verboten verführerisch und sogar Twilight-Ische Kristen Stewart kam mir, wie drücke ich es möglichst gewählt aus, durchaus „bangable“ vor.

Warum der Film trotz allem nicht über das Mittelmaß hinaus kommen kann, erfahren Spoiler-resistente Menschen auf der nächsten Seite. Zu viele für einen wirklich guten Film wichtige Komponenten wurden einfach…verhunzt:

Durch Twilight perfektioniert: Gequält und melancholisch drein schauen ... non stop.

Musik: Wie bei jedem Sandalen-, Märchen-, oder Fantasy-Film ist ein bombastischer Soundtrack die beste Möglichkeiten in Verbindung mit tollen Bildern an die Emotionen der Zuschauer ran zu kommen. Wurde nicht gemacht. Punkt. Auf der offiziellen Seite kann man sich das nichtssagende Gedudel um die Ohren waschen lassen.

Handlung: Der Film hatte leider seine Längen, in denen ich mich schlicht gelangweilt habe. Und auch die schauspielerischen Leistungen haben wohl niemanden vom Hocker gehauen. Als gepeinigte Snowwhite war Kristen Stewart mit ihrem sorgenvollen Kulleraugenblick und dem ständig lasziv halb offen stehenden Mund sicherlich erste Wahl für den Film, doch sie besitzt ansonsten so viel Charisma und Wandlungsfähigkeit, wie der Apfel, der ihr zum Verhängnis wird. Und obwohl deutlich charismatischer und fähiger, besteht auch Mrs. Therons Leistung als dunkle Königin in erster Linie darin empört rumzuschreien. Das macht nicht ängstlich, sondern genervt. Alle anderen Darsteller haben ihr Sache ganz gut gemacht, denke ich, aber Ihre Rollen gaben auch einfach nicht viel her. Am besten hat mir noch der Bruder der Königin gefallen, der als treuer Handlanger seiner Schwester so richtig schön creepy war.

Außerdem hat der Regisseur IMHO etwas viel von seinem Herr der Ringe-Fetisch einfließen lassen: Die winzigen Feengeister sahen aus wie Gollums, die ansonsten schüchterne Schneewittchen musste plötzlich eine aufgesetzt wirkende und Pathos-geladene Aragorn-Rede halten, wonach alle in Ehrfurcht und Ergriffenheit auf die Knie sanken, und überhaupt ist mir die Gute ein wenig zu oft in der Totalen mit den 7 Zwergen, Fellowship of the Ring-mäßig, über pittoreske Hänge gelaufen.

Der für mich größte Faux pas war allerdings die künstlerische Freiheit des Regisseurs einfach mal die Romanze raus zu lassen. In einem Märchen. Einfach so. Warum nicht. Da gibt es 2 Männer und obwohl sie den Huntsman will, küsst sie den anderen. Später, als sie vergiftet ist, ist es jedoch die Liebe und der Kuss des Jägers, der sie aus der Todesstarre erlöst. Davon erfährt sie aber nie und der schwer verliebte Jäger belässt es auch einfach mal dabei. Am Ende des Films, als sie zur neuen Königin gekrönt wird, würdigt Snowwhite ihren Huntsman mit einem scheuen Blick, den dieser gleichermaßen verhalten erwidert. Rumknutschen am Ende ist wohl aus der Mode. Oder Chris Hemsworth hat sich in seinen Vertrag schreiben lassen, dass er am Ende des Films „nicht mit der Twilight-Tussi rumlecken muss“…

Ein sicherlich ungewollter, wie unnötiger Lacher, war auch die mangelhafte Übersetzung ins Deutsche. Wenn man Schneewittchen und den Jäger schon original belässt, dann ist das bei „Snowwhite“ ja noch kein großes Problem, doch bis ich rausbekommen habe, wer dieser mysteriöse HANS-Man ist, hat es schon ein Momentchen gedauert. Sicher einer der Superhelden des dunklen Waldes: Hans-Man, Uschi-Girl und die Power Rangers der verbotenen Hecke.

Fazit: Mal auf Bluray ausleihen, an einem verkaterten Regen-Sonntag mit Schokolade.

Auch sie hätte ne Ecke fieser drauf sein können. Und immer dieses Rumplärren...

Über Thilo (1507 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

10 Kommentare zu Filmkritik: Snowwhite and the Huntsman – Hübsch aber lame

  1. Nachtrag: Gerade bei der Zeitzeugin gesehen… wer den Film im Kino nicht mehr anschauen möchte, kann sich das folgende Musikvideo anschauen. Das fasst im Grunde alles Sehenswerte des Films zusammen 😉

    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=J2t-vquuT7k#!

  2. Aha! Ihr hattet auch Hansmann verstanden, jetzt ist alles klar *g*

    Was mir gerade noch eingefallen ist: diese „Scherbenkrieger“ fand ich sehr geil gemacht.

    Und du hast Recht mit HdR.,  musste auch ab und an an den denken 😉
     

  3. Du bist btw. in meinem Spamordner gelandet, mysteriös, was hast du getan?! ;D

  4. Es spannend zu sehen, dass viele dem Film gute ansätze zusprechen aber er unter dem Strich doch durchfällt…so auch bei mir…muss wohl oder übel an Bella liegen ^^

  5.  Stimmt leider alles, was du hier postest. Ich bin mit ziemlich großen Erwartungen in den Film gegangen und wurde dann arg enttäuscht. Wobei ich sagen muss, dass mich der Film eher an Chroniken von Narnia als Herr der Ringe erinnert hat: Die böse Königin, die das Land vergiftet, die kindhafte Bella als Hauptheldin, und spätestens im Feenhain habe ich dann auf Aslan gewartet.
    Insgesamt doch eher ein Film für Kinder als für Erwachsene, wie ich finde.

  6. Ganz meine Rede. Die einzige aber so RICHTIG WICHTIGE FRAGE, die sich mir nach dem Film gestellt hatte, war:
    In was für nem weißen Zeug hat Krakeelchen-Blondinchen da bitte gebadet? ô.o
    Irgendwelche Antworten außer
    -der Wi***e ihres Bruders *bäääh*
    Denn das ist so ziemlich alles was mir da einfällt….shame on me…

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