Von Regina Regenbogen zu Xena: Red Sonja (2025)

© Samuel Goldwyn Films
5 von 10 Kettenhemdbikinis
Als Red Sonja letztes Jahr ins Kino ritt, beschloss ich, ihr nicht dorthin zu folgen. Zu deutlich hatte mir der Trailer empfohlen mich über diesen Film lieber irgendwann auf der heimischen Couch aufzuregen. Oder kichernd zu amüsieren…
Aus einer semi-masochistischen Laune heraus, habe ich dies nun getan.
Und ja, M. J. Bassetts Version des weiblichen Teufels mit einem Schwert bewegt sich auf dem Niveau von Xena Warrior Princess, aber mit dämlicheren Dialogen und noch albernerer Story. Ich fühlte mich unweigerlich an eins meiner frühen Conan-inspirierten D&D-Abenteuer erinnert, bei denen ich zu verkatert oder anderweitig kompromittiert war, um etwas Episches vorzubereiten und deswegen einfach irgendeinen Firlefanz improvisiert habe…
Als Fantasyfilm ist Red Sonja noch nicht mal wirklich scheiße, aber eben auch alles andere als gut. Und das ist vielleicht der größte Vorwurf, den ich diesem Machwerk machen muss: seine absolute, schmerzhafte Mittelmäßigkeit.
Wenn er wenigstens seine trashigere Seite ausleben und zu einem ausgewachsenen Guilty Pleasure mutieren würde…
Aber nein, Red Sonja nimmt sich ernst. Und da scheiden sich unsere Wege.
Na schön, schauen wir uns mal den Inhalt an.
SPOILER ALARM!
Die erste Fehlentscheidung war meiner exaltierten Meinung nach, eine Origin Story zu stricken. Für mich wird Sonja erst viel zu spät zu RED Sonja – ungefähr in der letzten halben Stunde.
Bis dahin lebt sie erst mal als Regina Regenbogen im Wald und kommt voll gut mit Tieren aus. Das betont sie auch immer, wenn sie einen Hasen tötet und sich für sein Opfer bei ihm bedankt und Bienen ihren Honig weglutscht.
Doch dann kommen ein paar Jäger in den Wald und töten ihre Disney-Familie einfach so. Scheinbar aus Spaß.
Das geht natürlich gar nicht. Also reitet sie in ihr Lager, um sich mit den unzähligen schwergerüsteten Kriegern anzulegen.
Wundersamer Weise verliert sie gegen die offensichtliche Übermacht und wird mit anderen “Damnati” in Gladiatoren-Gruben geworfen. Das ist so eine unterirdische Wohngemeinschaft, wo man gemeinsam isst, schläft, spielt und sich manchmal gegenseitig umbringt, wenn es der Imperator verlangt.
Ach ja, der Imperator. Ein ehemaliger Sklave, der zum Herrscher aufgestiegen ist.
Die Frage, die sich mir dabei nur aufdrängt:
WIE
HAT
ER
DAS
GEMACHT???
Mit Stärke und Charisma einer abgelaufenen, schleimigen Senfgurke gesegnet, wäre er sicher schon früh von einem der stämmigen Affenmenschen des Landes vom Thron gestoßen worden. (Ja, Affenmenschen… keine Ahnung, wird nie erklärt, was die sind oder wo sie herkommen)
Sein bahnbrechender Erfolg muss wohl an einem schlauen Buch liegen, das er auf dem Sperrmüll gefunden hat. Damit kann er Technologie aus dem Hut zaubern, mit der er angeblich schon die ganze Welt erobert hat. Nur, was genau ist dann sein Plan? Die Welt nochmal erobern, nur diesmal auf einem höheren Schwierigkeitsgrad?
Einer dieser technischen Gadgets ist ein Gedankenkontroll-Dingsbums, das er einem mittelprächtigen Special Effekt namens “Zyklop” anheftet, um Sonja zu töten. Doch Sonja (noch nicht Red Sonja!) erkennt das als einzige sofort, springt, ihre Messer als Kletterhilfen benutzend, an dem Koloss hoch und reist es ihm einfach ab. Dann befielt sie ihm den Imperator-Blödmann und seine weißhaarige Lieblings-Gladiöse anzugreifen.
Es wird krass gekämpft und Sonja und ihre neue Damnati-Familie kann sich in die Wälder zurückziehen.
Doch nicht mit dem technologisch-versierten Imperator-Schlaubi! SO NICHT! Um die miesen Rebellen fertig zu machen, schießt er mit Mörsern riesige Feuerbälle in den Wald, vor denen Sonja and Friends auch schreiend weglaufen. Vermutlich ist sein Plan alle Bäume der Welt abzubrennen, damit sich Sonja nirgends mehr verstecken kann…

© Samuel Goldwyn Films
Schließlich hat Sonja ein Schwert im Bauch. Die weißhaarige Gladiöse war besser.
Doch glücklicherweise schafft sie es, sich von ihrem geliebten Pferd zu einem Teich mit einer mystischen Statue schleppen zu lassen, wo sie von einer Göttin eine neue Haarfarbe bekommt.
Ab da hält sie wirklich nichts mehr.
Nicht, dass sie nicht auch schon vorher in der Arena halbnackt und ohne jegliche Kampferfahrung vier Krieger in Plattenpanzer mit ihrem Buttermesser einfach abstechen konnte.
Doch diesmal hat sie bei ihren krassen Kampfmanövern noch schwarze Kriegsbemalung im Gesicht und, ja, irgendwie rötere Haare. Ein Prinz, den sie bei der polyamoren Gladiatorenfamilie kennen gelernt hat, sagt ihr auch noch mal wie gut ihr das steht, falls es dem Zuschauer nicht aufgefallen sein sollte.
Als nun endlich waschechte und buchstäblich aus der Taufe gehobene ROTE Sonja tötet sie alle miesen Buben, auch den Imperator. Der hatte aber eh kein Bock mehr zu leben, weil die zweite Hälfte des mystischen Buches, die er endlich gefunden hat, nur langweilige Infos zu Heilung und Liebe enthält – nix über weitere Kriegsmaschinen, eine krasse Enttäuschung eben.
Dann reitet Sonja weg und sagt, dass sie mal einen kimmerischen Barbarenkönig besuchen will, von dem sie schon so viel gehört hat. Und ich denke bei mir “ja, und wenn du ihn gefunden hast, sag dem Kameramann, dass er ihm folgen und dich vergessen soll…”
Puh, ja, das war Red Sonja.
Der Film plätschert so dahin. Dabei hätte er mit etwas besserer Story, mehr Budget und vielleicht einer FSK von 18 echt Potenzial gehabt. Denn Matilda Lutz macht eine wirklich gute Figur als Red Sonja. Sie hat für die Rolle offensichtlich hart trainiert, ist heiß und darf sogar den legendären Kettenhemd-Bikini in der Sonne zum Glitzern bringen. Wirklich schade, dass diese männliche Fantasie keinen besseren Film spendiert bekam. Erinnert mich sehr an Conan von 2011, in dem Jason Momoa mit demselben Problem zu kämpfen hatte.
Schade. Missed opportunities…




