Doom 4 durchgeballert: Nicht alles Gold was auf den Glory Kill wartet

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7 von 10 Glory Kills

1993 erschien mit Doom so etwas wie die Mutter aller Ego Shooter. Seitdem ist auch in vielen anderen Vertretern des Genres viel Blut die Gassen hinunter geflossen. Doch nur id Software konnte mich mit ihren Ballerorgien immer wieder verlässlich hinter dem Ofen vorlocken, während mich Call of Duty und andere „realistische“ Shooter nie so wirklich reizen konnten.

Das liegt daran, dass ich bei Spielen von id so schön gewissen- und bedenkenlos töten darf. Egal ob ich Dämonen zerfetze bei Doom, Aliens abknalle bei Quake oder böse Nazis umniete bei Wolfenstein – wenn ich meine MP wild ballernd umher schwenke, treffe ich immer den richtigen. Gerade bei Doom macht das Metzeln des personifizierten Bösen in Form von Dämonen besonders viel Laune und fühlt sich beinahe wie eine eigene Kunstform an.

Und genau auf dieser Ebene weiß das neue Doom – ich nenne es immer noch Doom 4 – vollends zu überzeugen. Wenn ihr in diesem blutverschmierten Raum aufwacht, euch den Doom Trooper Helm aufsetzt und dann zu einsetzender Heavy Metal-Mucke eure erste Waffe durchladet, schießt euch sofort der Gedanke in den Kopf: „Ich bin zu Hause, Baby.“

Dann stürmen die ersten Höllenwesen auf euch ein und das Gameplay entfaltet sofort seine äußerst dynamische und fesselnde Wirkung. Das Kreischen der Dämonen, das Stöhnen der Zombies, das Abfeuern eurer verschiedenen Schießeisen und das befriedigende Umkippen oder Zerplatzen der Gegner fühlen sich „richtig“ an und man spürt instinktiv, dass das wirklich das neue DOOM ist. Dem rasanten Gameplay kommt außerdem zu Gute, dass Waffen nicht nachgeladen werden müssen, solange ihr genug Ammo habt und dass euer Cyber-Soldier unglaublich schnell und beweglich ist. Die „Sprungstiefel“ erhaltet ihr zwar erst im Verlauf der Story, doch dann können scheinbar unerreichbare Orte plötzlich per Doppelsprung und Hochziehen an der Kante als neue Gefechtsposition bezogen werden.

Kurzum: Waffen, Monster Und Action machen das neue Doom definitiv zu einem höllisch guten Erlebnis. Doch während ich um mich herum in der Gamer Szene ausschließlich beinahe unbefleckte Lobeshymnen höre, konnte ich doch einige Dämpfer der Spielfreude für mich verzeichnen. Da wären zum einen die Glory Kills zu nennen, die scheinbar noch niemandem übel aufgestoßen, doch für mich definitiv Segen und Fluch gleichermaßen sind.

doom4 glory kills

Kurz zur Erklärung, was die Glory Kills genau sind: Wenn ihr einen Gegner an den Rand des Ablebens geballert habt, beginnt er gold und blau im Wechsel zu blinken. Wenn ihr dann schnell hin rennt und „f“ drückt (auf dem PC natürlich) reißt euer Doom Trooper dem Monster den Kopf ab und steckt ihn dem Ungeheuer in den Arsch. Solche und ähnliche Gore-Effekts passen natürlich super zu einer „Höllenatmosphäre“ und machen anfänglich auch eine Menge Spaß. Doch der Effekt nutzt sich im Verlauf der Single Player Kampagne doch recht schnell ab und ich möchte die Monster wieder auf herkömmliche Weise umnieten oder zum Platzen bringen. Doch leider sind die Glory Kills in der Spielmechanik als strategischer Move fest vorgesehen. Da die so getöteten Monster mehr Lebensenergie verlieren und ihr danach ganz kurz unverwundbar seid, ist die Anwendung fast ein Muss. Leider jedoch habt ihr nicht immer die Zeit zu jedem blinkenden Monster hinzurennen und den Finish Move auszuführen, was leider dazu führt, dass sich manche Gegner erholen und danach plötzlich wieder einiges einstecken können. Häufig stehen auch einfach eine Reihe blinkender Idioten im Weg und versperren die Zielschneise zum viel gefährlicheren Monster dahinter. Also, um es mal zusammen zu fassen, in einem Shooter, möchte ich nicht gezwungen sein ständig in den Nahkampf zu gehen. Für die Extraportion Splatter hätte das Durchsägen der Gegner mit der Kettensäge oder deren brutales Malträtieren mit bloßen Händen nach Aufsammeln des Berserker Powerups völlig gereicht.

Und apropos „ich möchte einfach ballern“: Was sollten bitte all die RPG-Elemente in dem Game? Waffen aufrüsten und vielleicht auch noch den eigenen Anzug verbessern zu können ist ja ok. Aber ich brauche weder Achievments, noch irgendwelche Runen- oder Skillpunkt-Systeme, und schon gar nicht lustige kleine Püppchen zum Sammeln? Hallo? Gerade letzteres war der düsteren Atmosphäre eher abträglich. Wie darf ich mir das vorstellen? Sind die Forscher auf dem Mars, als das Tor zur Hölle aufgegangen und der Dämonen-Wahnsinn ausgebrochen ist, noch schnell durch die Gänge gerannt und haben lustige Doom Trooper-Püppchen versteckt, damit die später mal jemand findet und einen kleinen „Aaaaaw-Moment“ inmitten von all dem Tod und Terror hat?

doom4 Cacodemons

Etwas nervig, fand ich auch das Rumeiern in den Levels. Natürlich ist die Grafik von Doom sehr stimmungsvoll und gelungen und der Doppelsprung lässt natürlich ganz neue Designmöglichkeiten zu. Doch mir gehen Secrets und dergleichen hart am Hintern vorbei, wenn ich einfach nur weiter kommen und Monster zerfetzen will. Wie gesagt, für mich ist Doom ein Shooter und kein RPG, in dem ich jeden Winkeln erkunden möchte. Ich möchte nicht ständig die Automap öffnen und in den komplexen Leveln verzweifelt den Ausgang suchen müssen.

Also, mein Fazit der Single Player Kampagne (über Multiplayer kann ich noch nichts sagen, doch für mich war und ist der Single Player gegen die Dämonen bei Doom am wichtigsten) ist, dass hier eine Menge purer Doom-Spaß durch unnötig viel Firlefanz drum herum verschenkt wurde. Trotzdem ist Doom im Kern immer noch Doom geblieben und hat schon eine Menge Spaß gemacht. Es kann, wenn ich es mal mit einem 2 Jahre älteren Game vergleiche, trotzdem nicht ganz mit einem Shooter wie Wolfenstein – The New Order (Hier meine Review) mithalten.

Zum Einmal Durchspielen taugt es allemal, wer jedoch großen Wiederspielwert erwartet – der bei mir durch die nervigen Glory Kills leider nicht gegeben ist -, sollte vielleicht vor dem Kauf checken, ob der Multiplayer Mode etwas taugt. Unterhaltsam sieht das Geballer um die Dämonenrune allemal aus.

Über Thilo (1679 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

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