Resident Evil Requiem ist genialer Survival Horror

Mein Herz hämmert wie damals im Kino, als Liv Tyler das erste Mal Elfisch gesprochen hat. Nur, dass mir beim Spielen von Resident Evil Requiem das Blut nicht vor Erregung in den Ohren rauscht, sondern aus purer Angst.
Ja, so gut ist das Spielerlebnis, das ich als gelungenen Balanceakt zwischen Alien Isolation und Doom bezeichnen würde.
Aber vielleicht bin ich auch nur so von den Socken, weil ich seit Ewigkeiten nicht mehr auf Zombie-Jagd gegangen bin…
Seit 1996 auf der Playstation 1 grobschlächtige Polygone mein Hirn futtern wollten, habe ich nur einen einzigen weiteren Ausflug ins Land der stöhnenden Schlurfer gewagt. Das muss, wenn ich mich recht entsinne, die Platinum-Edition von Resident Evil 4 für die Playstation 2 gewesen sein – damals, 2005, als meine Sehkraft noch 100% betrug und ich so viel Druck auf dem Füller hatte, dass ich aus dem Stand… aber das interessiert hier niemanden.
Der Punkt ist: Mir sind gefühlt Hundertmillionen Resident Evil-Spiele durch die Lappen gegangen – die Haupteinträge, inklusive sämtlicher Spin-Offs, Remakes und Hast-du-nicht-gesehen-Digga.
Dementsprechend verpassen mir Grafik und Atmosphäre von Resident Evil 9 fast sowas wie einen kleinen Kulturschock.
Hinzu kommen all die kleinen Effekte, gut platzierte Jump Scares, wie sich plötzlich aufbauschende Vorhänge oder herabfallender Schrott, die mich gekonnt in die Horroratmosphäre ziehen.
Hommage an Resident Evil 1 und noch so viel mehr

Bin mir nicht sicher, ob die meisten Resident Evil-Teile immer wieder sehr ähnlich aufgebaut sind – habe, wie gesagt, nur zwei gezockt –, oder ob nur der 9. Teil diesen Weg geht.
Denn wenn ich in einem düsteren Haus an Schreibmaschinen speichere, grüne Heilpflanzen aufsammle oder bestimmte Gegnertypen bekämpfe, wallen sehr nostalgische Gefühle in mir auf und ich fühle mich Jahrzehnte in die Vergangenheit versetzt.
Trotzdem hat sich das Spiel natürlich extrem weiterentwickelt und ist nicht mehr mir dem vergleichbar, was Resident Evil einst in Gang setzte.
Ich bin beim Spielen wirklich immer wieder überrascht, was mittlerweile alles möglich ist. Was mir hier in düsteren Krankenhausgängen, in postapokalyptisch-anmutenden Straßenschluchten oder in unterirdischen Forschungslaboren begegnet ist wirklich filmreif. Riesige Gegner quetschen sich durch enge Korridore, brechen durch Wände oder bringen den Boden zum Beben. Die vielen verschiedenen Mutationen, die mir ans Leder wollen, gehen weit über “normale Zombies” hinaus.
Doch der wahre Horror von Resident Evil Requiem liegt in seiner genialen Inszenierung begründet. Und die basiert vor allem auf einem gekonnten…
Perspektivwechsel zwischen Grace and Leon

Die beiden Spielerfahrungen könnten unterschiedlicher nicht sein.
Während man als ständig wimmernde und fluchende Grace um sein Leben rennt, schleicht oder sich versteckt, teilt man als Leon ungestüm und lockere Sprüche reißend mit der groben Kelle aus.
Munitionsknappheit, Improvisation und Jump Scares dominieren den Survival Horror mit Grace, während Action, Ballern und Blutfontänen beim abgehärteten Leon im Vordergrund stehen.
Dieses Alternieren zwischen den beiden Spielstilen funktioniert prächtig, weil es für jede Menge Abwechslung sorgt.
Ich kann jedoch nur raten, sowohl Grace als auch Leon in der First Person-Perspektive zu spielen (letzterer beginnt von Haus aus in der Third Person-Perspektive), um die Immersion für beide Rollen zu maximieren.
Doch egal, in welcher Haut ihr gerade steckt, Resident Evil Requiem wird sie in Gänsehaut verwandeln. Das Spiel hat einfach so viele geile Ideen, die ich nicht guten Gewissens spoilern kann. Es wirft euch als Spieler immer wieder in diese Situationen, in denen euch sowas entfleucht wie: “Das kann jetzt nicht wahr sein…”
Dabei hilft, dass die Story und Personen mich als Spieler sehr emotionalisieren und mit allen Beteiligten mitfiebern lassen.
Da geht wirklich die Pumpe.
Ich habe das Spiel nun zu ca. 90% durchgespielt und freue mich auf einen epischen Bosskampf. Aber egal, was jetzt noch kommt, Resident Evil ist für mich jetzt schon ein absolutes Must Play für Fans der Serie oder jeden Horror-Fan allgemein.
Ich zocke es auf der Playstation 5. Ab18 auf Amazon. (Partnerlink)
Ach so, zum Schluss habe ich noch etwas für euch:
Top 10 Resident Evil Requiem Tipps, die ich gerne früher gewusst hätte
- Benutzt “Requiem”, Leons ultimativen Killer-Colt, nur für ausgewählte Gegner! Das Ding ist so stark, dass es beliebig viele in Reihe stehende Zombies mit einem einzigen Schuss zerfetzt. Außerdem ist es neben den Hämolyse-Spritzen, das Einzige, das die größeren Mini-Boss-Zombies vernünftig verletzen und töten kann. Die nur spärlich vorhandene Munition ist für normale Hirnfresser viel zu kostbar.
- Ja, mit Glasflaschen kann man super Zombies ablenken oder auf ihre eigenen Artgenossen hetzen, aber wenn ihr sie spart, könnt ihr später im Spiel Molotowcocktails daraus machen.
- Die Karte ist euer bester Freund, weil sie nicht nur wichtige Türen und Hebel anzeigt, sondern auch Gegenstände, die ihr übersehen habt.
- Kauft euch mit den antiken Münzen erst mehr Inventarplätze und dann mehr Blutspritzenkapazität. Zu wenig Stauraum war für mich das größte Ärgernis im Spiel.
- Für den vollen Horror-Survival-Genuss würde ich den normalen Schwierigkeitsgrad wählen – allerdings die Version, in der man ohne Tintenbänder an Schreibmaschinen speichern kann. Glaubt mir, das Game ist auch so hart genug und nur an Schreibmaschinen überhaupt speichern zu können, suckt ausreichend.
- Vergesst nicht nach jedem Einsatz Leons Axt zu schärfen. Ich weiß nicht wie oft ich vergeblich mit einer stumpfen Axt auf einen Zombie eingeschlagen habe… Das muss eine Gewohnheit wie Zähneputzen werden.
- Wenn ihr nah an einem Türrahmen steht und dann mit eurer Waffe zielt, lehnt ihr euch automatisch vor und spät um die Ecke. Das ist echt praktisch, wenn ihr schießen und dann sofort Fersengeld geben wollt.
- Gerade mit Grace ist wichtig zu wissen: Keine Angst davor die Taschenlampe zu verwenden! Zombies werden nicht durch Licht angelockt, sondern nur durch Geräusche.
- Spart Munition! Es gibt in einigen Levelabschnitten – ganz im Sinne des Survival HORRORS – verdammt wenig Munition. Wenn euch das Game die Möglichkeit gibt, Zombies zu umgehen, sie umzustoßen oder sonst wie unschädlich zu machen, dann solltet ihr das dankbar annehmen, egal wie schießwütig ihr seid.
- Gerade auf der Playstation mit Controllersteuerung wichtig zu wissen: Lernt den 180-Grad-Dreh-Knopf zu benutzen. Sehr häufig macht schnelles Umdrehen den Unterschied zwischen “Puh, das war knapp!” und “ARGL” aus.





