10 Dinge, die man nur in Computerspielen wagt

Neulich schlenderte ich so durch die Straßen, als mein Blick auf einen angebissenen Apfel fiel. “So eine Schande”, dachte ich, “und in der dritten Welt fressen sie den Kitt von den Wänden” (so beschrieb mein Vater gerne das Essverhalten während des Krieges, wenn ich als Kind meinen Teller nicht leer essen wollte). Irgendwie musste ich dann daran denken – weil Nerds eben Nerd-Gedanken haben – dass man in einem Computerrollenspiel den alten Apfel ohne zu zögern aufheben und essen würde, weil er vermutlich Lebenspunkte für den Charakter bedeutet. Online Spiele von Upjers, MMOs von Blizzard, sämtliche Bioware Rollenspiele, das ist überall so.

Welche Freiheit und wie viel Spaß doch ein gespeicherter Spielstand mit sich bringt! So sinnierte ich auf dem Weg nach Hause über selbstverständliche Handlungsweisen in digitalen Welten, die man in unserer Realität niemals oder nur unter ganz besonderen Bedingungen wagen würde. Das ist dabei rausgekommen, have fun:

1. Oh, ein altes Stück Käse…20 HPs!

Lebensmittel und sonderbare Tränke, die man auf dem Boden oder in vermodernden Truhen findet, werden bedenkenlos konsumiert, weil sie dem Charakter helfen könnten. Der digitale Avatar des Spielers ist niemals wählerisch und ekelt sich vor nichts. Ich erinnere mich noch gut an den “klebrigen Spinnenkuchen” aus meiner kurzen WoW-Zeit. Pfui Spinne! Würde ich im wahren Leben niemals anrühren. Damals habe ich gelernt was “Buff-Food” ist. Sage ich immer noch manchmal, wenn ich mir einen Schokoriegel reinpfeife.

2. Und…HOP! Grenzen austesten

Schön eine Flasche Rotwein in den Kopf geballert und dann bei Gothic 2 wie ein bekloppter nachts durchs Gelände rennen: Ein spitzer Schrei, ein Aufprall, mein Charakter hat den Sturz von der Klippe nicht überlebt. Ich habe ewig nicht gespeichert. Ein weiterer spitzer Schrei, diesmal länger und verzweifelter… Im Computerspiel springt man schon mal gerne von einem Häuserdach, um zu sehen, ob der Charakter das überleben würde. Oder man löst absichtlich Fallen aus, weil man weiß, dass man noch genug Lebenspunkte hat, um weiter zu kommen. Der Avatar im Spiel schreit vor Schmerz, dem Spieler ist es nicht mal ein Zucken des Mundwinkels wert. Würde man in echt nie machen. Der Gedanke an die Schmerzrezeptoren und der Selbsterhaltungstrieb sind einfach zu präsent. Gut so.

3. Jetzt klatscht es, aber keinen Beifall!

Wie häufig kürzt man genervt Dialog Optionen in einem Rollenspiel ab, weil man gerade Lust verspürt dem Gegenüber auf die Fresse zu hauen? Ich erinnere mich noch genau, dass man beim Klick-Adventure von Lucasarts “Indiana Jones und der letzte Kreuzzug” bei allen Dialogen auch stets die Option “Schlag zu” hatte. Passte einfach gut zu “Haudegen” Indy. Die Gewaltbereitschaft im Computerspiel ist enorm hoch, weil die Handlungen der imaginären Figur keine Konsequenzen für das Leben des Spielers haben. Man sollte im wirklichen Leben auf der Arbeitsstelle lieber nicht auf die Idee kommen die Dialog-Optionen mit dem Chef “abzukürzen”…

4. Ich verkaufe diese tollen Lederjacken…

Na, wem kommen die “tollen Lederjacken” noch bekannt vor? Gerade bei textlastigen Rollenspielen hat man häufig die Gelegenheit eine Torwache oder ein sonstiges Gegenüber anzuflunkern. Nirgendwo kommen einem leichter dämliche Ausreden und dreiste Lügen über die digitalen Lippen als im Computerspiel. Das Blaue vom Himmel lügen ist erlaubt, solange es Erfahrungspunkte, mehr Geld oder einen Lösungsweg dafür gibt. Moral? Was ist Moral?

5. Emote /DANCE

Gerade in MMORPGs scheint es für einige Spieler unwiderstehlich zu sein den eigenen Charakter nackt tanzen zu lassen. Der Nackttanz inmitten großer Menschenmengen hat im MMO eine lange Tradition. Eine schöne Sache, die man im wahren Leben jedoch tunlichst vermeiden sollte. Im Spiel kann man endlich mal dem Schalk im Nacken die Zügel überreichen und andere Spieler zur Weißglut treiben. Schabernack ist eben einfach das Größte. Um es mit den Worten von “Stretch Dude” (Bart in einem Simpsons Halloween Special) zu sagen: “I must use this power only to annoy!

6. Magischer Propellerhelm der Unterwerfung

Modebewusstsein ist für Spieler von Computer-Rollenspielen ein Fremdwort. Dem geliebten Powerplay-Avatar wird gnadenlos alles angezogen, sei es auch noch so lächerlich, solange es die Stats nur ein winziges Bisschen verbessert. Spieler, die als Kind nicht mit Barbie oder Masters of the Universe spielen durften, haben manchmal die Angewohnheit sogenannte “Vanity Items” zu horten, um dem digitalen Selbst z.B. ein Kleid oder eine Anglerausrüstung anziehen zu können. Geht es jedoch wieder gegen Feind und Monster, wird sofort die Superausrüstung angezogen, ganz egal wie die aussieht. Ganz so albern würde man im wahren Leben wohl freiwillig nicht so ohne Weiteres rumlaufen, wobei die Grundhaltung nachvollziehbar ist: Würde ich es ablehnen einen rosa Penis-Zylinder zu tragen, wenn ich ihn in dieser Welt von einer guten Fee überreicht bekäme und ich damit fliegen könnte?

7. Klar, hole ich dir!

Wahnsinn wie fit und motiviert man in Computerspielen sein kann. Man rennt teilweise unglaubliche Strecken und Umwege, nur um eine Quest zu erledigen, wenn nötig auch unzählige Male. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Kilometer ich in diversen Rollenspielen wie Gothic oder anderen Titeln schon gejoggt bin. In dieser Welt hätte ich bei ähnlicher Laufleistung mittlerweile wohl schon mehrere Goldmedaillen gewonnen und wäre durchtrainiert wie Bruce Lee. Aber wehe jemand stört einen Spieler beim Zocken – Dann ist jeder Weg zur Mülltonne oder zum Briefkasten um die Ecke deutlich zu weit.

8. Die dunkle Seite der Macht

Nur im Videospiel kommt man einfach mal so auf die Idee Amok zu laufen oder sich selbst zum dunklen Herrscher zu krönen. Endlich kann man mal aufgestauten Frust raus lassen und so richtig fies sein. Grrrrr. In vielen Spielen gibt es die Möglichkeit einen “bösen” Lösungsweg einzuschlagen. Häufig ist das Ende des Spiels dann sogar lustiger, zumindest aber nicht weniger belohnend. Im wahren Leben unterliegen solche “Allüren” glücklicherweise gesetzlichen Restriktionen, damit die Welt nicht in Chaos versinkt. Denkt dran, liebe Gamer, NUR im Spiel hat die dunkle Seite Kekse!

9. Ein fauler Esel trägt sich gern zu Tode

Jedes rostige Schwert mitnehmen, solange es noch ein paar Kröten bringt, DAS ist die Devise. Solange der Rucksack, sprich das Inventar des Spielers, noch nicht aus allen Nähten platzt, wird jeder Mist, der Wert hat oder im weiteren Spielverlauf nochmal wichtig werden könnte, eingesteckt. So ein Verhalten legen auch einige Menschen in der richtigen Welt an den Tag. Die nennt man dann “Messies”, wenn ich richtig informiert bin. Aber auch die haben keine magische Marry Poppins-Tasche ohne Boden, die beliebig viele und beliebig schwere Gegenstände in sich aufnehmen kann. Doch mit dem Alter kommt auch hier Gelassenheit: Mittlerweile habe ich es gelernt auch im Computerspiel mal was liegen zu lassen. Meistens schafft man den Endgegner auch, wenn man wegen dem verbeulten Blechhelm nicht nochmal aus dem Dungeon raus und zum Händler gerannt ist.

10. Grinden und arbeiten bis der Arzt kommt

Faulheit und Bequemlichkeit scheinen vergessen zu sein, wenn es darum geht im Lieblings-Computerspiel neue Erfolge zu verbuchen. Wie viele Stunden habe ich mir bei Diablo 2 damals fast eine Sehnenscheidenentzündung zusammen geklickt, nur um endlich ein begehrtes unique item zu finden? Würde man diese Inbrunst und Hingabe mal dafür nutzen, um im wahren Leben zu “leveln” – Man währe vermutlich schon Präsident, Pianist und Karate-Weltmeister. So mancher wäre reich, wenn er für jeden weggehackten Block in Minecraft nur einen Cent kriegen würde…

3 Kommentare zu 10 Dinge, die man nur in Computerspielen wagt

  1. Das kommt mir alles sooooo bekannt vor! :)

  2. Benjamin Sadowski // 25. August 2011 um 11:48 // Antworten

    Haha wenn ich nur halb soviel Zeit in das Erlernen von diversen Kampfsportarten gesteckt hätte wie ich Zeit verballert habe die Spezialmoves und kombos für diverse Beatemups zu lernen, könnte ich vermutlich jetzt mit jedem Karatemeister der Welt den Boden wischen ;-)

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