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Filmkritik: Ant-Man – Fröhlicher und furchterregender Mikrokosmos

Ant-Man

8 von 10 Winzlingen

Schon als Kind haben mich die Konzepte von Mikro- und Makrokosmos fasziniert. Der Gedanke, dass sich vielleicht unendlich in die Weiten des Weltalls oder – in die andere Richtung – die „Abgründe“ der Molekularebene vordringen lässt, sprengt das Vorstellungsvermögen und zaubert mir eine behagliche Gänsehaut auf den ganzen Körper. Getoppt wird dies nur durch die Vorstellung, dass wir selbst, also die Erde, die Menschen und das Universum, wiederum nur die Innenwelt von etwas anderem, viel größeren sein könnten. Ich finde nicht, dass die Men in Black-Perspektive da so weit her geholt ist.

Vielleicht habe ich als Kind zu viel Biene Maja oder Alice im Wunderland geguckt, doch ich kann von gigantischen Miniaturwelten nicht genug bekommen. Wenn Grashalme zu Bäumen oder Staubkörner zu unüberwindlichen Gebirgen werden, bekomme ich so einen Jules Verne-Abenteuer-Flash, der mich im Pen & Paper z.B. meine Heldentruppe mit Wonne in die Küche eines Riesen werfen lässt.

Eine der furchterregendsten aber auch spannendsten Visionen des Mikrokosmos ist für mich nach wie vor The Incredible Shrinking Man von 1957, in dem ein Mann durch eine radioaktive Wolke langsam auf Bakteriengröße geschrumpft wird. Unvergesslich sein Kampf gegen die Spinne, bei welchem er nur eine Nähnadel zur Verteidigung hatte.

Aber immerhin hatte er die! Als mal wieder eins meiner wahnsinnigen Experimente mit dem Toaster schief gelaufen war, hatte ich lediglich einen kleinen Holzsplitter als Waffe gegen eine Riesenfliege! Klickt das folgende Foto meiners Toaster-Wissenschafts-Praktikanten an, um ein vergrößertes Beweisfoto zu sehen:

Riesenfliege

Aber nach dieser etwas ausgearteten Vorrede, sollte ich vielleicht endlich mal ein paar Worte über den neuen Ant-Man verlieren, den ich nun wohl zu meiner Liste von Filmen über geschrumpfte Menschen hinzufügen kann.

Gleich vorweg: Ant-Man ist super und ich werde keine einzige Szene dieser Origin-Story spoilern. Marvel beweist einmal mehr seine Fähigkeit aus ungewöhnlichen Vorlagen grandioses Unterhaltungskino zu zaubern. Ähnlich wie bei Guardians of the Galaxy wurde dabei dem Humor-Gockel kräftig an den Eiern gezogen. (Moment, gibt’s den Ausspruch überhaupt?). Die vielen witzigen Szenen machen den Film zusammen mit seinem „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft-Vibe“ jedoch noch mehr zu einem Familienfilm als jeden anderen Marvel-Film. Passend zur Schrumpf-Thematik wird hier an eher ungewöhnliche Schauplätze herangezoomt und die Epik von fliegenden Städten und anderem Avenger-Business bleibt glücklicherweise mal außen vor. Was jedoch nicht heißen soll, dass sich die Action nicht gleichermaßen episch anfühlt und indirekt nicht ebenfalls den Untergang der Welt verhindern kann.

Wie im echten Leben: Wer den falschen Helm aufsetzt wird Banane!

Wie im echten Leben: Wer den falschen Helm aufsetzt wird Banane!

Die Story um den gealterten Dr. Hank Pym (Michael Douglas), der seine Erfindung Dinge wachsen und schrumpfen zu lassen an einen würdigen Nachfolger abtreten möchte und muss, ist liebevoll erzählt und genial in das restliche Marvel-Universum eingebettet. Besonders nach einer ganz bestimmten Szene wird dem Zuschauer deutlich vor Augen geführt, welche (winzige) Lücke Ant-Man in Zukunft im Team der Avengers ausfüllen könnte.

Es hat einfach irre Spaß gemacht den Ant-Man bei seinen ungewöhnlichen Abenteuern in Mitten einer ihm treu ergebenen Armee von Ameisen zu begleiten. Etwas enttäuscht war ich lediglich, dass Ant-Mans zweite Power, nämlich auf Godzilla-Größe zu wachsen, nicht ebenfalls CGI-lastig verwurstet wurde. Dies tut dem Film jedoch keinen Abbruch, denn es entstehen auch so genügend andere „Godzilla-Momente“. Ist eben alles eine Frage der Perspektive.

Ein zweiter winziger Minuspunkt ist für mich Paul Rudd als Hauptbesetzung. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreiben würde, doch Phoebes Freund Mike aus Friends hat für mich sein Gesicht mittlerweile in zu vielen Liebeskomödien verbrannt. Er war ein passabler Ant-Man, aber kein perfekter. Er war trotz allem eine Spur zu „lieb“ und hätte für mich gerne eher noch etwas Spitzbübisches wie Spiderman haben dürfen. Aber das ist sicher Geschmackssache.

Letztendlich hat Ant-Man für mich 3 Dinge geleistet: Er hat mich fabelhaft unterhalten; er hat sich äußerst intelligent mit den anderen Marvel-Filmen verbunden und er hat meine Ehrfurcht vor selbst kleinstem Leben noch einmal deutlich verschärft. Wer es nach Ant-Man noch jemals übers Herz bringt irgendein kleines Insekt zu zertreten, darf sich als wahrlich gefühlstotes Monster bezeichnen.

Bleibt nur zu sagen: Lasst euch von Ant-Man in die sagenhafte Welt des Mikrokosmos entführen und vergesst nicht für die BEIDEN After Credits-Szenen sitzen zu bleiben.

Über Thilo (1532 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

3 Kommentare zu Filmkritik: Ant-Man – Fröhlicher und furchterregender Mikrokosmos

  1. Das Foto ist der Kanller :´D

    Paul Rudd kenne ich tatsächlich nur aus Friends. Liebeskomödien gucke ich so gut wie nie, Glück für mich, so ist er in der Rolle des Ant-Man für mich noch unbedarft!

    • Gesehen habe ich die Liebeskomödien natürlich auch nicht, aber man kennt Pauls Gesicht aus zu vielen Trailern. Außerdem MIKE aus friends! Ok, maybe its just me… 😉

  2. Dieses Foto, hahahaha 😀
    Super!

    Ich kann nach diesem Film immer noch Mücken töten, Ameisen fand ich hingegen schon immer sehr genial 🙂 Nicht erst seit Ant-Man!

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