James Gunns Suicide Squad rockt erwartungsgemäß härter

© Warner Bros.

9 von 10 blutigen Haipranken

Erinnert ihr euch noch an den Kunstunterricht in der Schule?

Als ihr voller Stolz dem Lehrer euer Werk aufs Pult geklatscht habt, weil es echt verdammt gut geworden ist? Und dann kam da dieses ätzende Naturtalent von Mitschüler von hinten und schob mitleidig lächelnd sein göttliches Werk darüber, gegen welches eures verblasst ist, wie ein Kindergraffiti in der Sonne?

So verhält es sich mit David Ayers 2016er-Variante von Suicide Squad und dem aktuellen Blockbuster von James Gunn.

Falls es nicht klar war: James Gunn ist in unserer Analogie der mitleidig lächelnde Mitschüler, der seinen Film über den alten schiebt…

Aber hey! No hard feelings! So ist das nun mal. Manche sind eben talentierter als andere. Oder sagen wir lieber: treffsicherer, was den Publikumsgeschmack angeht. Denn ich fand, trotz aller Kritik, Ayers Suicide Squad damals auch durchaus gelungen. Nur leider kann er mit dem blutig-unterhaltsamen Reißer, den Gunn nun von der Leine gelassen hat, nicht mehr mithalten.

Einer der Kritikpunkt am ersten Suicide Squad war, dass die übernatürlichen Knastis zu weichgespült gewesen wären. Konnte ich damals nur in Teilen nachvollziehen. Nun, im Kontrast zu den Schergen aus Gunns Film, sind sie es definitiv.

James Gunn hält wirklich nichts zurück. Mir gefiel allein die Art, wie der Film gleich von Anfang an klarstellt, dass die Suicide Squad komplett entbehrlich ist. Hier kämpft eben böse gegen böse, wobei alle Samthandschuhe am Eingang abgegeben werden müssen.

Lächerlich in diesem Zusammenhang übrigens, dass der Film ein FSK-Rating von 16 erhalten hat. Früher haben schon wenig Blut und Gewalt in einem Film ausgereicht, um ihn aus den Händen von Halbstarken gnadenlos in die AB-18-Abteilung der örtlichen Videothek zu verbannen. Bei übertriebenen Blutorgien konnte sogar schon mal der Index winken.

Als FSK hätte ich den Film von Gunn mit 21 eingestuft. Gefühlt. Aber, wie immer, gibt es ein wenig Spielraum, der mit dem nötigen Kleingeld eine größere Zielgruppe erschließen kann. Anders ist sowas nicht zu erklären.

Es gab eine Szene, die ich nicht spoilern werde, die Gewalt und Gedärme derart zelebriert, dass ich wahnsinnig lachend zu meiner besseren Hälfte – die sich da gerade die Augen zuhielt –  meinte: Siehst du, hätten wir unseren Sohn doch einfach mitbringen können. (Er ist 6 und hatte gebettelt die „Susi Quott“ auch sehen zu dürfen…)

The Suicide Squad von Gunn ist also durchaus ein Film für Erwachsene, der auch eine Gunn-Tarantino-Koop hätte sein können. Einige sprechen im Netz sogar von Troma-Einflüssen, wo Gunn ja bekanntlich seine Wurzeln hat.

Nur passend daher, dass es über Idris Elbas genialen Charakter Bloodsport sogar eine geile Anspielung auf den gleichnamigen, Gewalt-zelebrierenden Karatefilm mit Spagat-Van Damme gibt. Köstlich.

Warner Bros.

Überhaupt ist die Auswahl der Bösewichter für die Suicide Squad brillant. So unterhaltsame Villains habe ich lange nicht erlebt. Das hat einfach durch die Bank einen verbotenen Spaß gemacht. Der Hai-Hulk ist mein persönlicher Favorit und hat dem grünen Marvel-Meat erfolgreich den Rang abgeprügelt. Und mittendrin wirbelt, fliegt und lacht die wunderbare Margot Robbie wieder als Harley Quinn, dass es einfach nur ein absurdes Fest ist.

Und endlich haben wir mit dieser Suicide Squad mal wieder einen Film, der um seiner selbst willen gedreht wurde. Spaß, Charaktere und ihre Entwicklung werden in den Vordergrund gestellt und nicht durch irgendwelche mit dem Woke-Hammer reingezimmerten politischen Botschaften verwässert. Gunn hat geschnallt, dass ein Film unterhalten soll und nicht belehren.

Leichte Abzüge gibt es höchstens in der B-Note.

Manchmal fand ich gewisse Szenen doch zu vorhersehbar. Ein langer Pathos-geladener Monolog, gefolgt vom gewaltsamen Ableben des Sprechenden, war fast schon so etwas wie ein Running Gag.

Und zumindest etwas unglücklich finde ich immer die Versuche das Shared Universe hervorzuheben.

Leichter Spoiler jetzt!

Ich kann nicht sagen, dass Bloodsport mal Superman mit einer Kryptonit-Kugel auf die Intensivstation gebracht hat, dann aber eine Stadt von einer kosmischen Bedrohung verwüsten lassen, ohne dass der Mann aus Stahl auch nur einen Finger krümmt… Aber das selbe Problem hat Marvel ja auch.

Also, eine MUST SEE IN CINEMA-Empfehlung.

Dieser blutige, witzige und durch die Handschrift von Gunn auch sehr eigenwillige, in Teilen schon fast Indie-wirkende Film, ist Kino-Spaß pur. Nur lasst eure Minderjährigen zu Hause.

Ach und btw.: Es gibt eine Abspannszene!

Tja, Pech gehabt, liebe „Ist ja nur DC, da kommt nix“-Deppen, die ihr gestern hinter mir sofort aus dem Saal gestürmt seid. Hehe.

Über Thilo (1107 Artikel)
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