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True Blood Special: Sex & Drugs & Vampires

In nur wenigen Tagen habe ich zusammen mit Miss Wiki die bisher erschienenen 3 Staffeln von True Blood durchgefiebert. Das liegt einerseits an der genialen Atmosphäre der Serie und andererseits an den krassesten Cliffhangern, die ich jemals in einer TV Serie gesehen habe. Eine Person betritt ein Zimmer und schreit wie am Spieß, weil sie etwas für den Zuschauer noch Unsichtbares sieht. Dann wird der Bildschirm schwarz und die Endcredits laufen. Und etwas Derartiges passiert am Ende JEDER Folge. Wenn man nicht durch erbärmliche körperliche Restriktionen der Menschheit wie Hunger, Schlaf oder Pipi beschränkt wäre, würde man alle knapp einstündigen Folgen am Stück schauen (36 mal 55 Minuten = 33 Stunden…AUTSCH).

Doch was macht True Blood zur besten TV Serie (Vampir Fan oder nicht), die man sich derzeitig anschauen kann?

Der für mich wichtigste Aspekt ist die Ausrichtung auf eine erwachsene Zielgruppe. Es geht eben um Sex, Drogen und Gewalt (Vampire), alles plakativ und ohne Zensur dargestellt. Damit einher geht ein „realistischeres“ Vampirbild. Hier kann kein Blutsauger am Tag rumspazieren oder was anderes als Blut zu sich nehmen. Hier wird tagsüber schön im Sarg geschmachtet und nachts die verlorene Menschlichkeit beweint – mit Tränen aus Blut. Endlich existiert so mit True Blood eine „reife“ Vampir-Serie, die die ganze Schönheit und den Pathos der Unsterblichkeit mit sehr atmosphärischen Bildern und Gesprächen einfängt und dabei gleichzeitig niemals aus den Augen verliert, was Vampire eigentlich sind: Verfluchte.

Damit steht True Blood eher in der Tradition von atmosphärisch dichten und philosophisch etwas tiefgründigeren Vampirfilmen wie Interview mit einem Vampir. Gibt es überhaupt noch einen anderen „nicht albernen“ Vampirfilm? Bram Stokers Dracula kam mir noch ganz erträglich vor und auch „Die Nacht hat ihren Preis“ gehört für mich in diese Kategorie von „besseren“ Vampirfilmen. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich finde z.B. auch die Blade-Reihe mit Wesley Snipes sehr unterhaltsam, nur werden hier Vampire eher als vorgeschobener Grund für haarsträubende Actionszenen und blutige Gewalt verwurstet. Das ist auch ok, nur eben ein anderer Ansatz…

Ein weiterer Grund für die hohe Qualität der Serie ist in den Rahmenbedingungen der Produktion zu finden. Das fängt beim begabten Drehbuchautor von American Beauty und Six Feet Under Alan Ball an, welcher seine gute Beobachtungsgabe und sein Fingerspitzengefühl im Bereich der menschlichen Gedanken und Emotionen in die Serie eingebracht hat. Außerdem basiert True Blood auf einer Literaturvorlage, der Sookie-Stackhouse-Buchreihe von Charlaine Harris, was für eine solide Story und vernünftig ausgearbeitete Charaktere Sorge trägt.

Ansonsten weiß auch das Setting in den Südstaaten der USA zu gefallen. Das ländliche, im tiefsten Süden gelegene Louisiana, bildet mit seinen verträumten Dörfchen, der üppigen Natur voller Trauerweiden und den überwucherten Friedhöfen eine perfekte Kulisse für Sünden jeglicher Art. Der Titelsong im Country-Style, I Wanna Do Bad Things With You, von Jace Everett passt perfekt zur Serie und unterstreicht die leicht schmuddelige und verruchte Atmosphäre.

Die Story kam mir zunächst eigenartig vor, bietet jedoch einen interessanten Nährboden für Die Serie: Zu medizinischen Zwecken entwickelten japanische Wissenschaftler synthetisches Blut, das sogenannte „True Blood„, welches von normalem Blut nicht zu unterscheiden ist. Davon können Vampire nun leben, ohne weiterhin als Bedrohung für Menschen zu gelten. Daher outete sich die Gesellschaft der Vampire 2 Jahre nach Erscheinen des Ersatzstoffes, um nicht länger im Geheimen leben zu müssen. Natürlich spaltet diese Offenbarung sowohl Vampire, als auch Menschen in Befürworter und Hasser. Die Existenz der Vampire ruft nun für die Menschen verschiedene neue Möglichkeiten, als auch Gefahren auf den Plan. Sex mit Vampiren gilt beispielsweise als die höchste Form der Ekstase und Partner von Vampiren werden von den Vampir-Gegnern abfällig „Fang-Bangers“ genannt. Das Blut der unsterblichen Vampire hat enorme Heilungskräfte für Menschen und verleiht diesen kurzeitig enorme Kräfte. Andererseits kann es sie auch in einen starken Rauschzustand versetzen, der extrem abhängig macht.

Über die Handlung und die Charaktere möchte ich an dieser Stelle eigentlich gar nicht so viel verraten, außer vielleicht, dass die telepathisch begabte Kellnerin Sookie Stackhouse die Hauptrolle auf Seiten der Menschen spielt. Ich mache keine Hehl daraus, dass die Rogue-Darstellerin aus Xmen, Anna Paquin, mit ihrer niedlichen Zahnlücke, eine der Hauptantriebfedern für mich war die Serie weiterzuschauen. Bleibt nur die Frage, ob sie Sookie für die Serie tatsächlich hätten blondieren müssen:

Ist vielleicht Geschmackssache, ob man eher auf blond oder brünette steht. Als Kompromiss kann die Serie immerhin noch den rothaarigen Augenschmaus Jessica anbieten:

Damit diese Review jedoch nicht eine einzige Lobhudelei meinerseits wird, möchte ich 3 negative Aspekte der Serie (die mich zumindest gestört haben), nicht verheimlichen. Diese ziehen der Serie aber gerade mal ein Pünktchen in der Wertung ab, wenn überhaupt.

Slight spoilers ahead!

  • Das ist für mich ein rein ästhetischer Makel: Ich finde, Vampire sollten lange Eckzähne haben. Bei True Blood haben die Blutsauger jedoch lange Schneidezähne, was – abhängig von der Größe der übrigen Zähne – zu einem weniger bedrohlichen Aussehen führen kann. Wer hat schon Angst vor Vampir-Hasen?
  • In der zweiten Staffel kommt ein übernatürliches Wesen vor, welches als „Hauptgegner“ am Ende der Staffel bezwungen werden muss. Dieses Wesen aus der griechischen Mythologie mit seinen Tanz-Zuckungen und seiner aufdringlichen Art ist mir nach einiger Zeit gehörig auf die Nerven gegangen.
  • In der 3. Staffel kommen Werwölfe vor. Werwölfe sind für mich ebenfalls Verfluchte, die körperlich ähnlich stark sind (wenn nicht stärker) wie Vampire und nur durch eine Silberkugel ins Herz getötet bzw. erlöst werden können. Bei True Blood sind die Werwölfe den Vampiren jedoch deutlich unterlegen und können mit gewöhnlicher Munition einfach so erschossen werden. Das macht sie deutlich weniger ehrfurchtseinflößend, was ich irgendwie schade finde.

Fazit: 9 von 10 Blutkonserven

Über Thilo (1602 Artikel)
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2 Kommentare zu True Blood Special: Sex & Drugs & Vampires

  1. Also ich persönlich finde das die Zähne einen gewissen Charme haben 🙂

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