Filmkritik: Cowboys und Aliens – Amüsanter Trash

6 von 10 Goldklumpen

Cowboys und Aliens bekommt derzeitig allerorts unterdurchschnittliche Kritiken. Ich möchte gleich vorweg nehmen, dass der Film durchaus gute Unterhaltung ist, wenn man ihn als das nimmt was er ist: Ein Film über Cowboys und Aliens.

Es ist ja nicht so, dass man hier eine Metapher-schwangere Literaturverfilmung mit verschiedenen Bedeutungsebenen vor sich hätte. Man bekommt das, wofür man dem gelangweilten Mann an der Kasse knappe 10 Euro in die Hand gedrückt hat: Eine nette Idee mit Revolverhelden und Außerirdischen in einen Topf geworfen.

Mir liegt es daran, im Folgenden den Knackpunkt zu schildern, an dem sich die Geister scheiden und den Film entweder unter oder über die 5-Punkte-Marke befördern. (Spoiler!)

Dreck, mein Masturbator-Armband hat keinen Saft mehr...

Zunächst mal verdient der Film allein dafür Anerkennung, dass jemand die Eier hatte, das auf die Leinwand zu bringen, was passieren könnte, wenn eine hochentwickelte Alien-Rasse zu einem technologisch ungünstigen Zeitpunkt auf der Erde landen würde. Sicherlich hätte es auch noch andere interessante Zeitalter für eine Alien-Invasion gegeben. Die Ritter der Tafelrunde z.B. hätte ich mir ebenfalls gut vorstellen können, wie sie mit gezückten Schwertern den Korridor eines gestrandeten Raumschiffs entlang klimpern. Doch die Hauptsache ist, dass wir diesmal keine Kampfjets, Computer und Atomraketen haben, um die Eindringlinge wieder zu verscheuchen. Dies führt bei Cowboys und Aliens zu überaschenden Bündnissen und halsbrecherischen Manövern seitens der improvisierenden Cowboys.

Leider dauert es jedoch eine gewisse Zeit bis der Film so richtig Fahrt aufnimmt und die monströsen Außerirdischen auf den Plan treten. Nicht-Westernfans könnten sich in dieser Zeit gegebenenfalls ein wenig langweilen. Für mich wurde die etwas langatmige erste Hälfte es Films jedoch durch eine solide Starbesetzung kompensiert. Zu Harrison Ford, der einen reichen Viehzüchter spielt, will ich gar nicht erst Worte verlieren. Er hat bei mir den eingebauten Fanboy-Bonus und hebt durch seine bloße Anwesenheit die Qualität des Films.

Die Frau bereichert jeden Film, egal in welcher Zeit er spielt

Neben ein paar ebenfalls nicht gerade kostengünstig besetzten Nebenrollen, stiefelt auch Olivia Wilde sehr ansehnlich durch die Prärie. Auch die Hauptrolle hätte mit dem härtesten Bond aller Zeiten, Daniel Craig, ebenfalls nicht besser besetzt sein können. Sein unglaublich facettenreiches Mienenspiel (ZERO) und die damit einhergehende Emotionskälte machen ihn zu einem perfekten Gangster mit unverhoffter Strahlenkanone am Handgelenk. Ich habe Stimmen gehört, die ihn als zu kalt und humorlos beschrieben haben, doch ich denke, dass der Film nicht mit einem Augenzwinkern gemeint war. Um eher eine ulkige „Men in Black“-Atmosphäre zu erschaffen, hätte der gesamte Film anders konzipiert werden müssen.

Und genau hier befindet sich die Wegscheide, an der sich Trash-Fanboys und allzu kritische Filmkonsumenten Lebewohl sagen müssen. Der Film versucht das Beste aus einem sehr ungewöhnlichen Thema rauszuholen, ohne mit unnötigen Blödeleien von Beginn an den Weg der Ulknudel zu gehen. Um den Film wirklich als gelungenen Kinoabend betiteln zu können, muss man die vielen gewollten und ungewollten Trash-Faktoren mit einem Lächeln und Schulterzucken abtun können:

Wieso wollen die Aliens unsere Goldvorräte klauen? Egal, aber die Bastarde werden sie nicht bekommen!

Warum schicken die hochintelligenten Aliens Herrn Craig in dem engen Gang Welle um Welle ihren unbewaffneten Leute entgegen? Damit er sie mit der Armkanone einen nach dem anderen pittoresk zerfetzen kann!

Wie passen die massigen Alien-Viecher in die kleinen, wenigen Gleiter hinein? Ist doch egal, einfach abknallen die Dinger!

Am Ende hatte ich sogar noch soviel Spaß bei dem Film, dass ich ihm fast 7 Punkte geben möchte. Aber man muss ja versuchen objektiv zu bleiben und ihn auch in Vergleich zu anderen Filmen zu sehen. Wer sich nicht sicher ist, ob er Cowboys überhaupt etwas abgewinnen kann, bzw. er ein wenig „Cheesyness“ um der Effekte Willen ertragen kann, der sollte sich Cowboys und Aliens zumindest beizeiten auf DVD anschauen. Gute Unterhaltung ist er allemal.

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1 Kommentar zu Filmkritik: Cowboys und Aliens – Amüsanter Trash

  1. Auf jeden fall hat der Mega Spaß gemacht!
    Das Setting ist kreativ und verrückt.
    Sowohl Craig als auch Ford geben gute Cowboys ab.
    Und der Film ist richtig Westernmäßig schmutzig… also im ernst, ich hab mir im Kino n Keks gefreut, wie dreckig diese Banditen tatsächlich sind 😀

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