Es Kapitel 2 – Horror und Humor im Schlagabtausch

Darf ich mal an deinem Eis lecken? NEIN. @ Warner Bros. Pictures

8 von 10 siegreichen Verlierern

Der Klub der Verlierer ist also endlich zurück. Zwei Jahre mussten wir auf den zweiten Teil des Remakes von Stephen Kings „Es“ warten, während für die Kinder 27 Jahre vergangen sind. Einmal mehr treibt der Gestaltwandler-Clown Pennywise sein Unwesen und zwingt damit die erwachsenen Verlierer in das verschlafene Nest Derry zurückzukehren; so, wie sie es einst geschworen hatten.

Das Trüppchen „erwachsene Verlierer“ zu nennen könnte treffender nicht sein, denn das Casting Department hat einen phänomenalen Job dabei gemacht Aussehen und Vibe der Kinder in den erwachsenen Rollen abzubilden. Zusammen mit den Flashbacks in Es Kapitel 2 trägt dies dafür Sorge, dass wir eng und empathisch mit dem Schicksal der Charaktere verbunden sind.

Hier entsteht eine der besten Szenen im Film… @ Warner Bros. Pictures

Die Flashbacks machen den Film leider etwas weniger flüssig und rund, wie den genialen ersten Teil, sind jedoch nötig, da sich die Verlierer noch einmal den Ängsten aus ihrer Vergangenheit stellen müssen. Damit ist der zweite Teil von Stephen Kings Geschichte nochmal 35 Minuten länger als sein Vorgänger und läutet beinahe die 3 Stunden-Glocke. Doch gelangweilt habe ich mich deshalb nie.

Wie auch im ersten Teil rate ich zu dröhnendem Dolby Atmos, damit die Verwandlungskünste des Killerclowns und alle damit verbundenen Jump Scares schön auf eure Zwölf hämmern.  Wobei ich sagen muss, dass „Es“ für mich wieder kaum schockierend, sondern eher eklig und unheimlich war. Das mag daran liegen, dass das „Jump Scare-Muster“ einfach zu leicht zu entschlüsseln und damit abzupassen ist:

Verlierer greift nach dem unheimlichen Vorhang, reist ihn zurück und dahinter ist nichts. Großaufnahme seines erleichterten Gesichts. Und BÄM!

Stets in den Moment der Entspannung hinein taucht die groteske Monsterfratze auf, die dann teilweise auch noch so übertrieben ist, dass ich oft nicht wusste, ob sie gruselig oder albern aussehen sollte. Trotzdem ist die Atmosphäre wieder Bombe und die Monster-Momente sorgen für ausreichend Anspannung beim Zuschauer.

Pennywise: Ernährt sich von Angst, mag aber auch Rippchen. @ Warner Bros. Pictures

Hinzu kommt, dass viele Jump Scares durch Humor „verwässert“ werden, was mir persönlich aber sehr gut gefallen hat.

Ab hier leichte SPOILER:

Fröhliche Musik einzuspielen, während der Krankheits-Phobiker in Zeitlupe von einem Leprakranken in den Mund gekotzt bekommt, ist schon verdammt ulkig. Es gab überhaupt viele Szenen, die mich laut haben lachen lassen. Sowas schaffen bei mir krankem und überdrüssigem Sack nicht mehr viele Filme.

Sehr gut haben mir auch die ganzen Anspielungen und Hommagen an Meilensteine des Horrorkinos gefallen.  Regisseur Andy Muschietti erinnert uns liebevoll an Aliens, Nightmare on Elmstreet, The Thing (Die Szene ist grandios!) und natürlich auch häufiger mal an Stephen King-Verfilmungen wie Shining (ebenfalls grandios!). Hinzu kommt das Stephen King persönlich eine kleine Gastrolle als schrulliger Besitzer eines Kramladens hat. Hat mich sehr amüsiert.

Als Hardcore-Nerd ist mir lediglich eine fahrlässige Szene in Es Kapitel 2 aufgefallen, die mich leicht aus der Illusion gerissen hat. In einer Rückblende sehen wir einen der Verlierer in einer glorreichen 80er-Arcade, wo ein Mädchen im Hintergrund Mortal Kombat 1 spielt. Natürlich habe ich dann kurz die Handlung im Vordergrund außen vor gelassen und auf den Bildschirm im Hintergrund gestarrt. Leider war es sehr offensichtlich, dass das Mädel einfach nur am Stick rumgerüttelt und nicht wirklich gespielt hat. Die Figuren bewegten sich nicht und peinlich wurde es, als sie selbst beim Game Over-Screen noch weiter gedaddelt hat. Fail. Aber außer extremen MK-Nerds wird das wohl niemandem aufgefallen sein.

Zusammenfassend kann ich berichten, dass Es Kapitel 2 die Geschichte um das Lovecraft-artige Monster aus einer anderen Welt zu einem befriedigenden Ende bringt und uns dabei bestens unterhält. Kinder- und erwachsene Schauspieler machen dabei erneut einen tollen Job und sind Herz und Seele des Films.

Als Botschaft habe ich für mich (einmal mehr) mitgenommen, dass Horror und Angst immer nur in unseren Köpfen entsteht und meistens verdammt albern ist.

Über Thilo (1786 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

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