Filmkritik: Ironclad – Bis zum letzten Krieger

Fazit: 5 (oder 6) von 10 blutigen Rittern

Ich liebe das dreckige Mittelalter, welches in meiner Fantasie mit heldenhaften Rittern, garstigen Hexen, dunklen Burgen und verwunschenen Lichtungen vollgestopft ist. Ich weiß natürlich, dass mein Blick auf diese Zeit vollkommen romantisiert ist. Vermutlich hat es damals wenig Freude gemacht in einer Zeit von Pest und Teufel zu leben, auf die Straße zu scheissen und mit 30 schon keine Zähne mehr im Mund zu haben.

Dieser Kontrast zwischen träumerischen Vorstellungen von der Zeit und der harten Realität, wie wir sie aus Geschichtsbüchern kennen, ist vermutlich ein Grund dafür, warum es nur wenige „echte“ Mittelalterfilme gibt, sondern Regisseure lieber nur das romantische Setting benutzen und häufig noch ein bisschen Zauberei und Märchenhaftes einfließen lassen. Das ist einfach unterhaltsamer und bedient unsere kindlichen Vorstellungen von strahlenden Paladinen, Flüche murmelnden Hexen und Monstern in dunklen Verliesen.

Trotzdem bin ich immer wieder neugierig eine „reinrassige“ Mittelalterdarstellung ohne Hokus Pokus zu sehen, auch wenn es sich dabei, wie im Fall von „Ironclad“, um ein straight to DVD-Machwerk handelt. Bisher haben es nur Braveheart und Flesh and Blood geschafft, dauerhaft in meiner Erinnerung herumzugeistern. Kann Ironclad neben solchen Größen bestehen?

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Der Anführer der Dänen in netter Wikinger-Optik mit dem arroganten King John

Ja und nein.

Der Film mit James Purefoy, alias Mark Anton (Rom), alias Solomon Kane, als verbitterter und in sich gekehrter Tempelritter ist definitiv besser als erwartet und bewegt sich qualitativ im oberen Mittelfeld. Dies ist der halbwegs spannenden historischen Vorlage und den vielen namhaften Schauspielern zu verdanken. Aber kurz zum Inhalt:

Der tyrannische King John, grandios gespielt von Paul Giamatti, wird im England des 13. Jahrhunderts vom eigenen, revoltierenden Adel besiegt und zur Unterzeichnung der Magna Carta gezwungen, welche dem Adel grundlegende politische Freiheiten gegenüber dem König zusichert. Mit seinen loyalsten Untertanen und einem dänischen Söldnerheer, welches von einem pittoresken langhaarigen Wikinger und seiner Streitaxt angeführt wird, will King John sich seine Ländereien jedoch unter Missachtung der Carta mit Gewalt zurückholen. So handelt der Film im Hauptteil von einer brutalen Burgbelagerung, bei welcher eine Gruppe von Tempelrittern versucht das strategisch wichtige Rochester Castle gegen die Armee des Königs zu verteidigen bis Hilfe aus Frankreich kommt.

Der Film geht bei der Belagerung der Burg von der durchaus heldenhaft anzuschauenden Prämisse aus, dass 20 Mann eine Burg gegen ein paar Hundert verteidigen können. Das ist, wie gesagt, der Stoff aus dem Heldengeschichten bestehen, aber deshalb auch nicht immer ganz logisch. Trotzdem macht es Spaß die nicht immer ganz schlüssigen kriegerischen Bemühungen von King John zu verfolgen wie er mit Katapulten, einem Belagerungsturm und schließlich mit brennenden Schweinen das Schloss in die Knie zwingen will. Ich habe nur nicht verstanden, warum der Film „Ironclad“ heißt, denn außer dem Templer in seinem Kettenhemd, laufen eigentlich alle in Lederrüstungen durch die Prärie. Vielleicht sind damit metaphorisch der Trotz und die Widerstandsfähigkeit der wenigen Verteidiger gegenüber einer Übermacht gemeint. „Der Templer“ wäre ein passenderer Titel für den Film gewesen, denn letztendlich entscheidet immer wieder die Disziplin und die Kriegskunst dieses „heiligen Kriegers“ über Sieg und Niederlage der Verteidiger. James Purefoy-Fans werden auf ihre Kosten kommen, wenn er mit seinem riesigen Templerschwert in die Gegner hackt LIKE A BOSS.

Was den Film für uns wahre Männer und andere Gewaltfetischisten auf jeden Fall unterhaltsam macht, ist die ausufernde und plakativ dargestellte Gewalt, wie sie von einer Burgbelagerung ja auch irgendwie erwartet wird. Zartbesaitete Gesellen sollten wissen, dass Zungen herausgeschnitten, Köpfe aufgespießt und Körper entzwei gehackt werden. Gut dass die niedliche Kate Mara in den Kampfpausen als Burgfräulein Isabel hin und wieder für ein wenig romantischen Kontrast sorgt. Ohne ihr zartes Liebesverlangen in Richtung Templer, wäre der Film eine reine Schlachtplatte und vielleicht ein wenig zu einseitig. Witziger Weise gibt der Regisseur in den Extras der Bluray zu, dass er die Liebesgeschichte zwischen dem Templer und Isabel genau deswegen eingeflochten hat.

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Die Schlossherrin möchte doch einfach nur das mächtige Schwert des Templers streicheln...

Fazit: Der Film ist im Grunde was für Ritter und Burgen-Fans, die auch gerne mal ein paar Eimer Blut verschüttet sehen. Sehr gute Schauspieler und ein paar erinnerungswürdige Szenen, die ich jetzt nicht spoilern möchte, machen den Film trotz seiner wenigen Längen, durchaus sehenswert und heben ihn über den Durchschnitt. Mittelalter- und James Purefoy-Fans werden dem Film sicherlich sogar 6 von 10 Punkten geben und dürfen gerne zugreifen.

Ich muss übrigens immer noch „Black Death“ anschauen. Ist der empfehlenswert?

Über Thilo (1163 Artikel)
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