Filmkritik: Source Code

source_code Was macht einen wirklich guten Film für mich aus? - Die hoffentlich guten Spezialeffekte existieren nicht nur um ihrer selbst willen. - Die Schauspieler wurden passend gecastet und sind keine albernen Pappmaché-Hampelmänner ohne Tiefgang. - Die Story ist fesselnd und die Musik unterstreicht die Atmosphäre. Wenn das alles stimmt, hat man einen soliden Film und ein rundes, unterhaltsames Kinoerlebnis. Wenn dann noch ein Aha-Erlebnis mit Gänsehaut, philosophische Tiefe und Diskussionspotenzial für hinterher dabei ist, bin ich von den Socken. Aber war Source Code so ein Film?

Im Grunde schon. Obwohl diese Mischung aus Matrix und „Groundhog Day“ (Und täglich grüßt das Murmeltier) keine neuen Maßstäbe im Genre setzt und ähnlich Metaphysisches auch schon in einer Reihe anderer Filme verarbeitet wurde, haben wir nach dem Kino noch lange über Paralleluniversen, Zeitreisen, Träume, Nahtodeserfahrungen, Quantenphysik, den Sinn des menschlichen Lebens und die moralischen Implikationen des Films im Allgemeinen diskutiert. Und hey! Wenn ein Film so viel Aufarbeitungsbedarf erzeugt, darf er sich zumindest schon mal als „überdurchschnittlich gut“ bezeichnen.

Ab hier leichte SPOILER:

Wie bereits im Trailer deutlich wird, handelt der Film von dem Soldaten Captain Colter Stevens, gespielt von Jake Gyllenhaal, der immer wieder in einem Zug im Körper eines anderen Mannes erwacht und zwar genau 8 Minuten bevor der Zug explodiert. Als unfreiwilliger Teilnehmer dieses revolutionären „Projekts“ soll er herausfinden, wer für die Explosion verantwortlich ist.

Natürlich scheitert er dabei zunächst und fliegt unzählige Male in die Luft, bevor er endlich dem Täter auf die Spur kommt und gleichzeitig mehr über die mysteriöse Firma herausfindet, für die er sich immer wieder in das Bewusstsein, bzw. Die Erinnerungen eines bereits Verstorbenen einklinken muss.

Große Teile der Spannung und des Humors im Film sind Gyllenhaals professioneller Schauspielkunst zu verdanken. Glücklicherweise spielt er den Soldaten auf unfreiwilliger Mission nicht im Korsett amerikanischer US-Army-Klischees, sondern verleiht seinem Charakter durchaus außerberufliche Gefühle und Tiefe. Frauen dürfen sich auf viele glänzenden Hundeaugen Gyllenhaals freuen. Für die männlichen Kinogänger bietet die süße Michelle Monaghan als Colter Stevens’ „Love Interest“ einen willkommenen Augenschmaus auf weiblicher Seite. Ebenfalls erwähnenswert ist die zweitstärkste Rolle des Films, die der Missions-Controllerin Carol Goodwin, gespielt von der herrlich besorgt dreinschauenden Vera Farmiga. Ihr beherztes Eingreifen, gibt dem Film später eine interessante Wendung.

Am Ende des Films gibt es einen „Kamera-Freeze“, der mir die Tränen in die Augen getrieben hat. Das war bei Source Code mein persönliches „Aha-Erlebnis“ und erhebt den Film in die Liga der „Matrix-like Top10“. Auch wenn während des Films relativ schnell klar ist, worum es geht und worin das Besondere von Colter Stevens’ „Ausflügen“ liegt, so ist das Diskussionspotenzial, insbesondere durch das teilweise unerwartete Ende des Films, groß. Regisseur Duncan Jones schafft es zudem durch eine gewisse Atemlosigkeit in den 8-Minuten-Ausflügen des Soldaten eine kontinuierliche Spannung aufrecht zu erhalten. Nach seinem ebenfalls erfolgreichen Film „Moon“ sollte der Sohn von David Bowie nun eine ausreichend geschmückte Empfehlungskarte von sich selbst in der Kinolandschaft ausgelegt haben. Man kann nur hoffen, dass er weiter auf dem Zug der Arthousefilme fährt (pun intended) und nicht mit albernen Blockbustern abdreht, wie Michael Bay, wenn man ihm einen Haufen Geld in die Hand drückt.

Fazit: 9 von 10 brennenden Zugwracks

Über Thilo (1804 Artikel)
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2 Kommentare zu Filmkritik: Source Code

  1. cool. gekauft…bzw. gesehen 🙂

  2. Danke für den Tipp, direkt Karten reserviert 🙂

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