Indiana Jones 5: Mit Kinnhaken ins Altersheim

© Disney

5 von 10 Zeitparadoxa

Eigentlich wollte ich ja keine Verrisse mehr schreiben, nur mit positiven Empfehlungen gute Laune verbreiten.

Denn was sollte der Sinn einer schlechten Kritik sein?

Sie pisst Leute an, die das Werk gut fanden und warnen kann es auch niemanden so wirklich, weil die Geschmäcker verschieden sind und sich am Ende des Tages jeder selbst eine Meinung bilden muss.

Ein Filmriss kann also fast nur destruktiv sein.

Auch, wenn 5 von 10 noch nicht unterster, von plattgetretenem Popcorn zusammengehaltener Bodensatz ist, muss man bei einem Indy-Film wohl schon von einem Flop sprechen.

Und ich muss einfach davon berichten.

Weil ich mit Harrison Ford, Star Wars und Indiana Jones aufgewachsen bin.

Seufz. Dann bringe ich es mal hinter mich.

Schon als Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels angekündigt wurde, haben alle die faltigen Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. „Harrison Ford ist doch mit Mitte 60 viel zu alt für die Rolle!“

Doch Ford bekam es überraschend gut hin noch ein letztes Mal den Action-Helden zu spielen. Er machte sogar aus der Not eine Tugend und bat darum den Film mit Anspielungen auf sein Alter lustiger zu machen. Das hat definitiv funktioniert.

Doch wenn eins klar war, dann, dass er niemals noch einen Teil machen würde.

Besonders nicht, wenn er da schon 80 Jahre alt sein sollte.

ACHTZIG! HAHAHAHAHAHAHA….

Hahahaha…

Hehe…

He…

Oh Mann.

Tatsächlich ist für mich…

„Opa Indy“ das größte Problem des Films.

Das fängt schon mit dem verjüngten Indy zu Filmbeginn an. Heilige Bundeslade, war das CRINGE und Uncanny Valley. Mein Fazit: KI ist einfach noch nicht so weit. Das De-aging war für mich überhaupt nicht überzeugend und hat mich aus der Illusion gerissen. Wegschauen konnte ich aber auch nicht – wie bei einem Autounfall, furchtbar. Die Mimik dieser Knetgummifresse stimmte auch selten mit dem überein, was Indy sagte. Das alles machte Gänsehaut, aber nicht die gute Sorte.

Leider macht auch der „echte“ Indy keine Figur mehr, die eines Peitsche-schwingenden Action-Helden würdig wäre. Weswegen ihm natürlich eine jüngere, weibliche Variante, im wahrsten Sinne des Wortes, unter die Arme greifen muss.

Phoebe Waller-Bridge macht als Patentochter Helena auch gar keinen schlechten Job. Anfänglich gefiel sie mir, doch dieser Eindruck konnte sich im Verlauf des Films leider nicht halten.

Erst äußerte meine Frau ihr Missfallen, was mich genauer hinsehen ließ.

Und ja, die Geld-und-Selbstbeweihräucherung-liebende Dame kommt eher unsympathisch rüber.

Spätestens als Indy seine lachende Patentochter darauf aufmerksam machen muss, dass gerade ein guter Freund von ihm erschossen wurde, war der Zug für mich abgefahren.

Dass sie Indy am Ende des Films in die Fresse haut und ihm damit einen Lebenstraum vermasselt (weil sie ja alles besser weiß und für den senilen Knacker entscheiden muss) ist dann der Zuckerguss auf der Torte der Arroganz.

Wieso kann Disney keine sympathischen Frauenfiguren schreiben? Der Schatten von Captain Marvel fällt unverkennbar auch auf Helena…

Wenn zumindest der Rest des Films seinen „Mann“ stehen würde… aber Pustekuchen.

Story, Bösewichter und Action waren nichts, was wir nicht schon gesehen hätten.

Ich wurde überdies das Gefühl nicht los, dass Regisseur James Mangold krampfhaft versucht hat die typischen Indiana-Jones-Puzzleteile in die Story zu kloppen. Kindlicher Sidekick als Shorty-Ersatz: Check; Szene mit ekligen Insekten: Check; etc.

Doch bei diesem „Malen nach Zahlen“ wollte weder richtige Spannung, noch dieses typische Indy-Feeling aufkommen. Alles plätscherte so nichtssagend vor sich hin. Daran konnte noch nicht mal der Soundtrack mit der heißgeliebten Indiana-Jones-Fanfare etwas ändern.

Viele der Actionszenen waren auch, für meine Begriffe – selbst für einen Indy-Film! – zu unlogisch oder unglücklich choreographiert. Wenn ich allein an die Verfolgungsjagd mit diesen Tuk-Tuk-ähnlichen Miniautos denke… wie schnell können die bitte im Vergleich zu normalen Autos fahren?

Tja, und dann wäre da noch das Debakel mit dem mächtigen Artefakt.

Waren die Dimensions-reisenden Aliens des vierten Teils schon ein gewagter Schritt, schießt Mangold mit dem Zeitreisen-Gadget den Vogel endgültig ab.

Das Paradoxon am Ende hinterlässt einfach einen faden Nachgeschmack.

Deswegen lassen schlaue Drehbuchautoren ja auch die Finger von Zeitreisen. Oder machen sich zumindest, wie kürzlich bei The Flash, das Multiversum zu Nutze.

Tja… was bleibt am Ende übrig?

Ein sehr mittelprächtiger Abenteuerfilm, mit schlechter CGI und einem eher unsympathischen Sidekick. Da komme ich über 5 von 10 Punkten nur schwer hinaus. Vielleicht 6 von 10.

Was den Film jedoch, zumindest in meiner Rangliste, ans Schlusslicht befördert:

  • Platz 1: Indiana Jones und der letzte Kreuzzug
  • Platz 2: Indiana Jones und der Tempel des Todes
  • Platz 3: Jäger des verlorenen Schatzes
  • Platz 4: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
  • Platz 5: Indiana Jones und das Rad des Schicksals
Über Thilo (1195 Artikel)
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