Invincible – Blutiger Zeichentrick der Marke „The Boys“

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Als ich noch ein kleiner Stöpsel war, habe ich Zeichentrick geliebt. Klar – wie jedes Kind.

Saber Riders, Masters of the Universe, Galaxy Rangers, BraveStarr, Captain Future und wie sie alle hießen!

Und in noch jüngeren Jahren schon Der rosarote Panther, Dr. Snuggels und Tom und Jerry.

Wobei letzteres bei sehr zart besaiteten Erziehungsberechtigten schon als ultra-brutal galt. Ich weiß noch, dass Freunde von mir das nicht gucken durften, weil der Mutter die Prügeleien zwischen Katz und Maus für die Entwicklung ihrer Kinder zu heikel waren. (Diese durften aber mit den echten Wurfsternen spielen, die ihnen ihr Vater mitgebracht hatte… aber das ist eine andere Geschichte.)

Besagter Mutter wäre bei Invincible, einer US-amerikanischen Zeichentrickserie, die auf den gleichnamigen Comics von Robert Kirkman basiert, vermutlich der Prozessorkern geschmolzen.

Allerdings ist Invincible auch nicht wirklich für Kinderaugen gedacht, sondern reinrassiges Erwachsenenmaterial. Es spritzt.

Wem The Boys mit ihrer düsteren Sicht auf die Welt der Superhelden gefallen hat, der wird seine Gewalt- und Action-drüse auch von Invincible angenehm stimuliert finden.

Schon allein, weil die Ähnlichkeit frappierend ist:

Wie auch bei The Boys, welche ja ebenfalls auf einem Comic (von Garth Ennis) basieren, gibt es eine Art Justice League-Parodie, namentlich die „Guardians of the Globe“, mit all den Lookalikes, die dafür nötig sind, wie Blitzmann, Fischmann, Fledermausmann, Supermann etc.

Nur steht bei Invincible kein sympathischer Normalo, sondern ein eher unsympathischer Superheld im Mittelpunkt des blutigen Geschehens: Der namensgebende Held Invincible.

Kurz nach seinem 17. Geburtstag entwickelt Mark Grayson (Invincible) Superkräfte, die er von seinem Vater Nolan, alias Omni-Man, dem mächtigsten Superheld der Welt, geerbt hat.

Omni-Man ist es auch, der als der Quasi-Superman von Invincible, die Serie trägt.

Denn genau wie The Boys ohne Homelander geradezu LAME wäre, so kann ich mir auch Invincible ohne den durchgeknallten Viltrumiten Omni-Man kaum vorstellen.

Was dieser, gerade in den letzten beiden Folgen der 1. Staffel, veranstaltet, ist so drastisch, dass man kaum noch aufhören kann „Boah“, „Uiiii“ und „WHAT“ vor sich hinzuraunen…

Neben dem fliegenden Planetenzerstörer hat mir auf der Seite der „Guten“ noch besonders der weißhaarige, vernarbte und wunderbar abgebrühte Cecil Stedman von der Global Defense Agency gefallen. Es ist sowas wie der Nick Fury von Invincible, nur in cool, bzw. dem, was nach cool kommt.

Alles in allem, gehört Invincible derzeit zum Besten, was sich volljährige Superhelden-Fans derzeit ins Langzeitgedächtnis streamen können. Doch trotzdem gab es…

2 Dinge, die mich an Invincible gestört haben

Gegen Omni-Man ist kein Gras gewachsen… © Amazon

Ab hier krasse SPOILER!

  1. Ich kann eigentlich allen Charakteren von Invincible etwas abgewinnen, außer Invincible selbst.

Mark Grayson ist teilweise ein derart egoistischer, naiver und trotteliger Superheld, dass ich mich irgendwann fast gefreut habe, wenn er auf die Schnauze bekommen hat.

Natürlich muss berücksichtigt werden, dass er einen jungen Schüler spielt, der von seiner neuen Lebensrealität als Superheld natürlich erstmal ziemlich überfordert ist. Trotzdem vermisse ich bis zum Ende der ersten Staffel (8 Folgen) irgendwie seine Lernkurve.

Was jedoch auch daran liegen könnte, dass die erste Staffel gerade mal 12 Bände von 144 des zugrunde liegenden Invincible-Comics* ausmacht. Da gibt es also für Mark noch genug Raum, um zu einem der mächtigsten Superhelden des Universums zu werden. Ein Kumpel hatte es mal in einem Comic-Tipp erwähnt:

INVINCIBLE | Comic-Tipp!

2. Das Konzept der Viltrumiten ist irgendwie krasser Schwachsinn.

Die Viltrumiten sind also sowas wie die Kryptonier, nur in gestört? Die haben sich auf ihrem Heimatplaneten so lange alle gegenseitig abgemurkst, bis nur die Stärksten ihrer Rasse übrig waren. Um, sehr Nazi-like, die Schwächsten auszumerzen.

Da habe ich Fragen.

Gab es da eine Schwelle, eine Zahl oder sonst irgendeine Hilfe, die den Viltrumiten gesagt hat, wann die Grenze von „zu schwach“ zu „gerade stark genug“ überschritten war? Denn sonst hätten sich die verbliebenen „Stärksten“ ja auch weiter bekämpfen müssen, weil immer jemand eine Ecke stärker ist als jemand anderes. Die müssten so Highlander-mäßig bis zum letzten Mann kämpfen. Denn nur der wäre ja dann wirklich der Stärkste. Oder haben die so Thanos-mäßig nach der Hälfte aufgehört und gesagt: Jau, reicht jetzt mal mit der Töterei…

Dann haben die Viltrumiten Kämpfer zu fremden Welten ausgesandt, um diese zu unterwandern und letztlich zu unterjochen.

Da habe ich Fragen.

Jeder Planet mit schwächeren Lebensformen, wie die Erde mit ihren Menschen, wird annektiert, aber ihr eigenes Volk wird größtenteils ausgelöscht? What?

Und was denn jetzt? Schwächere Individuen auslöschen oder beherrschen? Die Viltrumiten müssten sich mal entscheiden…

Marks Vater, Nolan, alias Omni-Man, hat dann erstmal jahrelang auf der Erde als Superheld Menschenleben gerettet, ein Kind gezeugt und mit seiner Frau gemütlich Rotwein getrunken, nur um dann am Ende alle als minderwertig zu befinden und zu töten?

Da habe ich Fragen.

Ne, eigentlich habe ich da gar keine Fragen mehr. Das ist als Story-Grundlage so bescheuert, dass ich keine Worte habe.

Für mich wäre als Auflösung, warum Omni-Man alle Guardians of the Globe getötet hat, JEDE ANDERE Erklärung besser gewesen, als seine Abstammung von geistig umnachteten Kryptoniern. Hirn-Parasit, Klon, Virtual Reality, Morde waren nur gestellt, U NAME IT. Alles wäre besser gewesen.

Aber gut, vielleicht muss man die Comics zu Ende gelesen haben, um sich auf die lustigen Viltrumiten einen befriedigenden Reim machen zu können.

Trotzdem hat Invincible mega Spaß gemacht und ich werde auch die nächsten beiden Staffeln gucken, die im April bereits von Amazon bestellt wurden.

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Über Thilo (1107 Artikel)
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