JEDER sollte Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben im Kino sehen

© Paramount Pictures

9 von 10 Eulenbären

Ich zuckte und spuckte, wälzte mich in einer sämigen Lache meines eigenen Erbrochenen, vermischt mit etwas Urin und Popcorn. Die Credits flimmerten über die Leinwand, während links und rechts von mir Sodom und Gomorra ausgebrochen war. In seltsamen Übersprungshandlungen ohrfeigten sich Leute selbst, rissen sich schreiend die Klamotten vom Leib oder machten sich daran die Kinosessel zu essen. Diejenigen, die das Glück gehabt hatten, weniger schlimme Hirnschäden davonzutragen, begannen durch die Sturzbäche von Kotze zum Ausgang zu schwimmen. Ich folgte ihnen, lauthals weinend – vor Enttäuschung, Fremdscham und zerstörtem Lebensmut.

Viele von euch werden damals ähnliches erlebt haben, als 2000 Dungeons & Dragons im Kino lief.

Traumatisch, ich weiß. Sorry, falls ich hier irgendwen nochmal getriggered habe. Bitte wendet euch an eure jeweiligen Therapeuten.

Leider konnten in den Folgejahren auch Dungeons & Dragons: Wrath of the Dragon God und Dungeons & Dragons 3: The Book of Vile Darkness die Ehre der D&D-Community nicht wiederherstellen. Auch wenn die beiden Nachfolger deutlich besser waren – aber die Messlatte war ja auch im Keller…

Doch endlich ist der Fluch gebrochen!

Mit Freudentränen in den Augen kann ich verkünden, dass es ENDLICH einen guten D&D-Film gibt.

Hat ja auch nur 23 Jahre gedauert. Naja, besser spät als nie.

Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben ist wirklich ein FUN RIDE erster Klasse geworden. Gerade für jemanden, wie mich, der schon sein ganzes Leben D&D spielt und die Vergessenen Reiche sein zweites Zuhause nennt, war der Film eine herzerwärmende Offenbarung.

All die erwähnten Orte, Personen, Monster, Gegenstände, Zaubersprüche…! Man merkt, dass John Francis Daley und Jonathan Goldstein selbst D&D-Spieler waren oder sind und eine epische Spielrunde zum Leben erwecken wollten.

Und das gelingt ihnen in erster Linie durch den perfekten Cast.

Chris Pine hält als Barde Edgin die Gruppe wie Kleister zusammen. Sein Humor und sein Charisma sind in jeder Sekunde “durchs Dach”. Justice Smith als Simon der Magier mit Ladehemmungen, Michelle Rodríguez als Barbarin Holga und Chloe Coleman als niedliche Tiefling-Druidin Kira machen die Gruppe perfekt. Die Chemie zwischen diesen Charakteren ist einfach grandios und lässt so viele lustige Spielrunden aus meiner Vergangenheit wieder aufflackern.

Es war so wichtig für einen D&D-Film, dass die Heldentruppe selbst sympathisch, witzig und schlagkräftig ist. Und was soll man sagen? They NAILED it.

Neben Hugh Grant hat mich vor allem der Bridgerton-Star Regé-Jean Page als Klischee-Paladin Xenk begeistert. Zum Totlachen, wie er allen mit seinen überzogenen Moralvorstellungen auf die Nerven gegangen ist. An Figuren wie ihm war zu merken, wie sehr die Macher D&D und seine Running Gags verstanden haben.

Die Special Effects waren eine gelungene Mischung aus tollen Landschaftsaufnahmen und CGI. Genau wie die Kreaturen, die durch eine wohltuende Mischung aus Handwerk und Computergrafik zum Leben erweckt wurden.

Nicht alle Effekte waren immer makellos. Doch wäre das Meckern auf wirklich hohem Niveau.

Das Beste ist, dass Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben auch abseits vom ältesten Pen & Paper-Game der Welt einfach ein grandioser, actiongeladener und humorvoller Fantasiefilm geworden ist. “Normalos” werden aus dem Kino kommen und sagen “Wow! Das hat sich wirklich gelohnt und extrem viel Spaß gemacht”, während sie vorsichtig über die am Boden sitzenden und wild masturbierenden D&D-Veteranen steigen.

Deshalb kann ich auch Nicht-D&D-Spielern nur raten, sich diesen perfekten Popcorn-Film auf der großen Leinwand anzusehen.

Ach, was sage ich, raten? Ich FLEHE euch an! Die Vorstellungen hier in Bonn waren sträflich leer und ich habe keinen Schimmer warum. Ist D&D für die meisten Leute dann doch zu nischig? Bitte vertraut mir, wenn ich sage: dieser Film muss sich hinter keinem Marvel-Blockbuster verstecken und steckt, seit Herr der Ringe rausgekommen ist, die meisten anderen Fantasiefilme locker in die Tasche.

Ich selbst werde in den kommenden Tagen erneut ins Kino gehen, um den Film nochmal im Originalton zu genießen. Und hier solltet ihn mindestens einmal im Kino sehen. Denn dieses Herzblut-triefende Machwerk muss die Kasse zum Klingen bringen, damit wir demnächst noch mehr D&D-Filme dieser Großartigkeit im Kino genießen dürfen!

Gerne nochmal mit derselben Truppe. Ich bin neugierig sie bei weiteren Abenteuern zu begleiten.

Ansonsten gibt es noch so viel, was findige Regisseure aus dem großen D&D-Fundus holen könnten.

Ravenloft, Planescape, Drizzt, Drachenlanze… gebt sie uns alle!

Über Thilo (1193 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.