Vampire 5th Edition ist doch nicht nur Klamottenberatung für Goths

© White Wolf Entertainment

Wir Bloodsucker-Fans erinnern uns noch mit wohligem Schauer an das gute alte Vampire: The Masquerade-Buch von 1991: Grüner Marmor mit einer roten Rose darauf. Es nur in den Händen zu halten, fühlte sich schon wie schwarzromantische Grabeslyrik an. Leider habe ich nie ein eigenes besessen, weil ich damals immer nur in anderen Runden mitgespielt, aber nie selbst gemeistert habe. Voll der Grund… Ich Depp.

Als ich schon lange nicht mehr spielte, erschien 2004 der Nachfolger und die World of Darkness war nicht mehr dieselbe. In Vampire: The Requiem waren Klans und Disziplinen seltsam neu zusammen gewürfelt und hatten für mich kaum noch Wiedererkennungswert. Ich hatte mich doch in das blutige Baby von Mark Rein-Hagen verliebt, an dem niemand etwas schrauben durfte! Bitte pflockt oder nagelt mich nicht darauf fest, aber ich meine mich noch an andere Änderungen zu erinnern, die ebenfalls nicht sonderlich gut ankamen. Keine Camarilla und keine Maskerade mehr. Vampire waren nicht mehr die eigentlichen Drahtzieher hinter der Welt der Menschen. Kein Erwachen der Alten und kein bevorstehendes Vampir-Armageddon mehr.

Das war alles nicht mehr die Bloody Mary, die mir zuvor die Sinne raubte.

Und alles, was alternativ aufgefahren wurde, hatte für mich die Atmosphäre aufgeweicht und beinahe uninteressant gemacht. Damalige Gespräche mit LARPern der Szene, ernteten mir ähnliche Ansichten.

Aus Nostalgiegründen habe ich mir dann um 2011 die damals noch zweibändige V20 gekauft, eine Special Edition von Vampire: The Masquerade, anlässlich des 20-jährigen Jubiläums. Diese steht jedoch mehr so zur Zierde und gelegentlichem Schmökern im Regal. Es hätte schon länger mal ein richtiges Update gebraucht.

Wie ein flauschiger Gangrel stellte ich deshalb meine Ohren auf, als ich das erste Mal von der V5 erfuhr. Endlich eine Verbesserung und Überarbeitung der Urversion des Spiels!

Doch die ersten Exzerpte der Vampire 5th Edition zeigten nur Fotos als Artwork und ich befürchtete schon eine hauptsächliche Ausrichtung auf die Vampire-Live-Szene (und alle interessierten Goth-Clubs und Saunavereine mit abseitigen Interessen).

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Doch wie ich gerade verzückt und mit blutigem Schaum vor dem Mund festgestellt habe, scheint die „V5“ echt gelungen zu sein. Sowohl das Artwork, das sich als Kombination von Fotos und Zeichnungen entpuppt, als auch Geschichten und Regeln.

Das kleine Preview-PDF könnt ihr euch auf https://www.worldofdarkness.com runterladen. Einfach einen Account machen und auf den Tab „Inventory“ wechseln. Et voila.

Darin findet ihr die folgenden Einblicke:

  • Dossier of the Damned: Als Ouvertüre seht ihr hier die Versuche der “Zweiten Inquisition” die Vampire zu klassifizieren. Finde diesen Laborbericht-Style mega gut und atmosphärisch.
  • Concepts: Düstere Themen und Töne, die die V5 und die World of Darkness ausmachen.
  • Fashion: Wie sich Vampire kleiden und warum. Hier kriegen dann wohl doch die LARPer ihre Anreize, wobei dabei durchaus die logischen Seiten bestimmter Kleidungsstile erklärt werden. In einem Spiel, das in erster Linie durch Atmosphäre und gute Beschreibungen des Visuellen an Reiz gewinnt, macht das durchaus Sinn.
  • Clans: Als Beispiele, Brujah und Toreador. Sehr cool alles! Gezeichnete Archetypen, damit man sich vorstellen kann, wie Mitglieder des Klans aussehen können (ich hoffe, das gibt’s zu allen Klans) und, zeitgemäß, eine Handy-Willkommensnachricht eines Klan-Mitglieds.

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  • Beliefs: Menschlichkeit in den Charakteren und jeder individuellen Geschichte.
  • Disziplinen: Am Beispiel von Celerity werden Verbesserungen an den Disziplinen gezeigt. Cool, dass jetzt jeder Disziplinspunkt eigene Kräfte mit sich bringt. Dass ich schon mit Celerity 3 Wände hochrennen kann, finde ich allerdings krass.
  • Loresheets: Wie das Vermächtnis von Vampire the Masquerade, also die schon bestehenden Stories in der Welt der Dunkelheit, Einfluss auf Charaktere und Fähigkeiten haben. Geile Idee daraus Fähigkeiten zu machen, auf die bei Charaktererschaffung Punkte verteilt werden können. Die kleinen Metaplots sind auch geil, um sofort verwendbare Storyhooks zu haben, mit denen sowohl Spieler, als auch Spielleiter, arbeiten können. Verlockend 5 Punkte auf „Blood of Zapathasura“ zu verteilen und das Blut des Ravnos-Antediluvians bei sich zu tragen. :-O Wenn das wie mit Billith bei True Blood läuft, sauf ich das Ding sofort aus.

Vampire: The Masquerade 5th Edition soll auf der GenCon im August komplett aus dem Sarg steigen. Wenn der Rest vom Buch auch so gelungen ist, kaufe ich eins und belebe meine toten Freunde wieder. Äh, also ich belebe die alte Vampire-Gruppe wieder, meine ich.

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2 Kommentare zu Vampire 5th Edition ist doch nicht nur Klamottenberatung für Goths

  1. Zu Vampire: Requiem:
    Das war KEIN Nachfolger, sondern ein komplett anderes Spiel. Das wurde aber – vor allem im deutschsprachigen Raum – durch bewusst falsches Marketing so kommuniziert und führte dazu, dass Requiem hierzulande ein gigantischer Flop wurde (während es in anderen Ländern bis heute sehr erfolgreiche Produkte hervorbringt und mittlerweile in der 2. Edition ist).

    Hierzulande wurde es tatsächlich als Nachfolger beworben, obwohl es ein völlig anderes Setting in einer völlig anderen Welt der Dunkelheit war.
    Requiem als Masqerade-Nachfolger zu bezeichnen ist in etwa so, als würde man Splittermond zum DSA-Nachfolger erklären, nur weil die selben Leute daran arbeiteten.

    Sorry, für das Hijacken dieses sehr lesenswerten Blogposts, aber diese „Nachfolgelegende“ hält sich härter als Unkraut und ich werde immer noch wahnsinnig, wenn ich lese, dass der Quatsch, den Feder&Schwert damals angerichtet haben, sogar noch im Jahr 2018 gespiegelt wird. 🙂

    • Ah, ok, danke für diese Richtigstellung. 🙂 Ich glaube, ich wußte damals gar nicht genau, ob es eine Fortsetzung oder ein komplett neues Spiel sein sollte. Ich wußte nur, dass einige der bekannten Klans darin vorkamen, aber irgendwie neu und für mich nicht stimmig zusammen geworfen wurden. Für Leute, die VtM nicht kannten war das vermutlich egal. Aber für mich war es ein Abturner 😉

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