Wenn die Muskeltiere den Tee-Ninja im Strebergarten verprügeln

Nun, da mein kleiner Sohn versucht beim Schreien und Rumnörgeln erste erkennbare Laute zu formen, fällt mir auf, wie lange ein kleiner Mensch doch braucht, um sich in irgendeiner Weise vernünftig mitteilen zu können. Ich bin sehr gespannt, ob er als erstes sowas wie „Gleba“ sagen und sich damit offensichtlich als angehender Wissenschaftler ausweisen wird.

Übrigens soll mein erstes Wort gewesen sein: „Rück‘ das Bier raus oder meine Füße feiern mit Deinem Arsch ´ne Party und Du bist nicht eingeladen.“

Tja, Not macht eben erfinderisch. Doch leider macht jung sein auch dämlich. Wir alle haben doch bestimmt Worte, die wir irgendwann mal als Kind gehört, leider jedoch falsch verstanden und dann erst mal so abgespeichert haben. Einige von diesen „infantilen Verpeilern“ scheinen sogar recht weit verbreitet zu sein und wieder andere werden von erwachsenen Menschen, die ich kenne, immer noch voller Überzeugung falsch ausgesprochen. Ihr kennt sicherlich einige dieser seltsamen Kreationen. Kommen euch z.B. diese Jungs hier bekannt vor?

Die drei Muskeltiere

die drei muskeltiere

Als Kind war ich fest davon überzeugt, dass die drei Vorzeigefechter Athos, Porthos und Aramis aus Alexandre Dumas‘ Roman Die drei Musketiere in Wahrheit MUSKEL-Tiere waren. Der Zusammenhang, dass eine bestimmte Truppengattung der Infanterie, die ursprünglich mit Musketen bewaffnet war, d’Artagnan und seinen Haudegen ihren Namen gab, was für meine kindlichen Hirnwindungen natürlich viel zu kompliziert. Für mich waren das scheinbar überzüchtete Tiere aus dem Fitnessstudio, die jeden Konflikt fachmännisch mit Gewalt lösten. Herrlich die Vorstellung wie die eingeölten Vollpfosten gegnerische Degen lachend an sich abprallen ließen (die legendäre Damage Reduction der Barbaren, liebe Pen & Paper Nerds!) und selbst im Falle ihre Festnahme noch nicht mal exekutiert werden konnten, weil sie die Stricke um ihren Hals einfach zum Platzen brachten.

Strebergärten

Strebergarten

Dass gewisse Kleingärten auch Schrebergärten genannt werden, ging als Kind ebenfalls an mir vorbei. Viel sinniger war es anzunehmen, dass die teilweise sehr liebevoll gepflegten und gehegten Grünflächen von regelrechten Strebern angelegt wurden und deshalb Strebergärten heißen. Ich möchte nicht ausschließen, dass die französischen Barockgärten mit ihren beinahe mathematisch angelegten Beeten und Hecken ihren Teil zu dieser Verwirrung in meinem Kopf beigetragen haben. Heutzutage muss ich bei dem Gedanken schmunzeln, dass es sich bei Strebergärten um geheime Rückzugsorte unverbesserlicher Streber handelt; eine Art Oase, in der sie endlich ungeniert ihrem Wissenshunger und ihrer Lerngeilheit frönen können, ohne von den Muskeltieren dieser Welt verprügelt zu werden.

Kämpfer mit Achillesverse: Der Tee-Ninja

Tee Ninja

Zum Kringeln finde ich auch die Versuche von Kindern Fremdsprachen auszusprechen ohne die erforderlichen Vorkenntnisse zu besitzen. Auch, wenn das Internetzeitalter in meiner Kindheit noch Zukunftsmusik war, waren die Kontaktpunkte zur englischen Sprache schon mannigfaltig. So wurden die Namen neuer Actionfiguren oder die Titel von Videospielen gnadenlos deutsch ausgesprochen. Besonders gut erinnere ich mich noch an einige Titel, die Marcus und ich für das Sega Master System hatten. Da wurde z.B. aus dem Karate-Hüpf-Spiel My Hero das für uns mystisch klingende „Mü Härro“ und sicherlich ahnt ihr schon, was wir aus dem Spiel The Ninja gemacht haben…

the ninjaEr kann einfach einer guten Tasse Tee nicht wiederstehen: Der Tee-Ninja. Der Tee-Ninja galt im alten Japan als der am wenigsten gefährliche Ninja, da er durch den Duft von frisch aufgebrühtem Tee jederzeit von seinem tödlichen Auftrag abgelenkt werden konnte. Üblicher Weise schlug sich ein Tee-Ninja nach einer Weile des gemütlichen Schlürfens irgendwann mit der flachen Hand gegen die Stirn und rief „Beim Kimono Deiner schlecht rasierten Mutter, ich muss doch töten!“ Meist wurde er jedoch kurze Zeit später selber aufgeschlitzt. Vermutlich sind die Tee-Ninja deshalb, genau wie die Fanta Fighter später, ausgestorben und tauchen kaum noch in den Geschichtsbüchern auf.

Über Thilo (1798 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

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