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Wie ich beim Hobbit-Winston Draft gerockt habe

Manchmal frage ich mich, wie wir früher als Kinder unsere Zeit verbracht haben. Es gab doch noch keine Streaming-Dienste, kein YouTube und nur wenige, grafisch noch recht simple Computerspiele…

Und dann fällts mir wieder ein: Unser Leben fand größtenteils analog statt! Mit Pen & Paper-RPGs, im dunklen Wald einen großen Alten beschwören oder Karten spielen…

Karten spielen… hmmm… MAGIC!

MtG war so ein großes Thema in meiner Jugend. Nachmittage lang haben wir im Bonner Comicladen “gewohnt”, Karten getauscht und uns duelliert. Der Laden richtete damals auch hin und wieder kleine Turniere aus, meistens Booster-Draft.

Das war immer äußerst spannend und spaßig!

Also wollte ich das nochmal erleben. Dazu braucht es nur mindestens 4 Spieler, ein spaßiges neues MtG-Set und ein paar Stunden Zeit.

*Sad Trombone*

Yep, es scheitert schon an den vier Spielern. Oder an der Zeit.

Also habe ich mich gefragt, ob es auch eine Booster-Draft-Variante für 2 Spieler gibt, damit ich das neue Hobbit-Set von Magic ausprobieren und dabei meinen Sohn demütigen kann. Und siehe da: Das funktioniert sogar sehr gut im Rahmen eines Winston Draft.

Wie funktioniert ein Winston Draft?

Für jeden Spieler werden 3 MtG-Play-Booster benötigt. Für einen 2-Spieler-Winston Draft also 6 Päckchen. Zudem müssen noch genügend Standard-Länder zur Verfügung gestellt werden. (Dazu hatte ich mir auf Cardmarket einen ganzen Haufen geordert)

Das Spannende beim Winston Draft für Magic: The Gathering ist, dass keiner der beiden Spieler alle Karten des Kartenpools kennt und damit die Überraschung, was der Gegner spielt, ganz gut erhalten bleibt. Die Schritte:

  1. Alle 6 Booster werden blind ausgepackt. Dann werden die beiden obersten Karten, der Token und das Land, zur Seite gelegt, damit wirklich nur spielbare Karten im Stapel sind.
  2. Der Stapel wird gemischt und verdeckt zur Verfügung gestellt. Dann werden 3 Karten gezogen und ebenfalls verdeckt und nebeneinander hingelegt.
  3. Nun wird gewürfelt wer als erster wählen darf. Der Verlierer darf dafür später entscheiden, wer beim ersten Spiel anfängt.
  4. Der erste Spieler schaut sich die erste Karte an. Er kann nun entscheiden, ob er sie nimmt oder nicht. Wenn nicht, legt er sie zurück und geht zu Stapel 2. Will er diesen auch nicht, schaut er sich die Karte in Stapel 3 an. Will er keinen der drei Stapel, zieht er stattdessen blind eine einzelne Karte vom großen Nachziehstapel.
  5. Egal, ob ein Spieler eine Karte bzw. einen Stapel nimmt oder nicht, legt er dann eine weitere Karte auf den aktuellen Stapel, wodurch der Stapel immer dicker und attraktiver wird.
  6. Es wird so lange abwechselnd gezogen, bis alle Karten verteilt sind. So hat am Ende jeder Spieler einen Haufen Karten gedraftet und baut daraus sein Deck.

Entfernt man bei den Hobbit-Play-Boostern Token und Länder bleiben 72 Karten zum Zocken.

Die Strategie beim Deck-Bau ist dabei das Spannende. Da die Stapel – jedes Mal, wenn sie verschmäht werden – immer größer werden, kann es sich irgendwann lohnen einen Stapel zu nehmen, nur wegen der schieren Menge der Karten und der größeren Auswahl, die diese beim Deck-Bau ermöglicht.

Durchschnittlich 17 Länder und 23 Zaubersprüche werden empfohlen, um ein gutes, spielbares 40-Karten-Deck zu konstruieren.

Dabei sollte man natürlich möglichst…

Die B.R.E.A.D.-Regeln beachten

  • Bombs: Game-Breaker-Karten, die Spiele entscheiden können. Rares und Mythics sind da wohl ein guter Anhaltspunkt. Manchmal können aber auch Commons oder Uncommons echte Kracher sein, siehe Spinne und Gandalf…
  • Removal: Versteht sich von selbst. Zerstörer, um fiese Kreaturen oder Artefakte des Gegners loszuwerden.
  • Evasion: Karten, die Schaden durchbringen, wie Kreaturen mit Fliegen oder Bedrohlichkeit.
  • Aggression: Karten, die deine Gegner unter Druck setzen, also z.B. günstige Kreaturen, die früh gelegt werden und Schaden machen können.
  • Duds: das Gegenteil der Bombs, also Karten, die du vermeiden solltest. Schwache Karten oder solche, die nur in bestimmten Situationen nützlich sind.

Außerdem sollte man natürlich nicht zu viele Farben spielen, um nicht in Mana-Nöte zu geraten. 1 bis 2 Farben ist wohl Standard. 3 Farben sind schon gewagt. Mit Mana-Rocks, Such-Ländern und dergleichen aber durchaus machbar, siehe unten.

Das eigentliche Hobbit-Draft-Turnier

I HAD A BLAST!, wie man so schön auf Internet-Deutsch sagt.

Das Hobbit-Set ist thematisch einfach sehr nah am klassischen MtG-Flair dran – klar, weil Tolkien, der Urvater der Fantasy, wie wir sie heute kennen, den Hobbit geschrieben hat.

Die Atmosphäre ist mystisch und dicht, wenn ihr entweder Goblins, Orks und Warge ins Feld führt, oder Elfen und Tiere oder auch die Bewohner von Seestadt und Zwerge – hier und da gewürzt mit einem Smaug, Gollum, Radagast oder Gandalf.

Die Set-Mechaniken wie Aufmarsch oder Mythos sind ebenfalls spaßig und untermauern die typische Tolkien-Atmosphäre perfekt.

Mein Sohn hat sich ein wirklich gutes Rot-Blau-Deck mit vielen Zwergen und Waffen gebaut.

Doch leider musste er sich meinem Schwarz-Rot-Grün-Deck 1-4 geschlagen geben.

Mit 2 Hobbit-Holes, die mir beliebige Basic Lands rausuchen konnten, und ein paar anderen Mana-Fixern, hatte ich nie Probleme etwas zu spielen.

Außerdem hatte ich mehr Zerstörer und ein paar Match Winner wie den Warg mit Todesberührung, die fette Spinne, die seine Flieger blocken konnte, und eine grüne Verzauberung (Versöhnlicher Abschied), die für unfairen Kreaturen-Nachschub gesorgt hat.

Letztlich hatte ich wohl einfach etwas mehr Glück beim Draft und schlicht und ergreifend das stärkere Deck.

Das Ende vom Lied?

Der Winston Draft, oder generell ein Booster-Draft, macht verdammt viel Laune, weil er drei Dinge mit sich bringt, die MtG grundlegend ausmachen:

  • Neue Karten ausprobieren,
  • ein Deck bauen
  • und die Spannung gegen das unbekannte Deck eines Gegners anzutreten.

Das wollen wir demnächst öfter mal wiederholen.

Natürlich schlägt so ein Draft auch immer mit 12-15€ pro Person (je nach Booster-Preis) zu Buche, aber das finde ich völlig im Rahmen. Wenn ich in derselben Zeit ins Kino gehe, zahle ich dasselbe oder sogar noch mehr…

Und rein an Kartenwert hatte ich die Booster ohnehin wieder raus. 2 Mythics und 7 Rares sind für 6 Booster, glaube ich, ein ganz guter Schnitt. Die grüne Dragonscale-Mythic “Tanz durch die Nacht” ist allein schon 7-10€ wert.

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