Zack Snyder’s Justice League ist ein Traum für Comic Nerds

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9 von 10 schmerzenden Arschbacken

Zack Snyder selbst sagte vor einiger Zeit, dass er den „Snyder Cut“ lieber als mystisches Einhorn in die Geschichte eingehen lassen würde.

Doch nun ist das fantastische Geschöpf ins volle Licht des Tages getreten und… wow! Es ist ein Anblick, auf den zu warten es sich gelohnt hat!

Zunächst wollte ich all die Lobeshymnen nicht glauben, die mich tagelang in meinem Newsfeed verfolgten. Vor allem nicht angesichts des bescheidenen Films von 2017, auf den der Snyder Cut ja unweigerlich aufbauen muss.

Doch dazu ist es wichtig, die Vorgeschichte zu kennen, die mir vorher nicht in vollem Umfang geläufig war:

Snyders Tochter Autumn brachte sich mit nur 20 Jahren wegen Depressionen um. Ein unglaubliche Tragödie. Als jemand, der selbst mit Depressionen zu tun hatte, weiß ich, dass jemand den Kampf gegen diese Krankheit durchaus verlieren kann. Umso unmenschlicher, dass Warner Bros. scheinbar kein Mitleid mit dem Regisseur zeigte. Sie verlangten von ihm seinen 4h-Film deutlich runter zu kürzen, um irgendwelchen Marketing-Erwartungen gerecht zu werden.

Natürlich merkte Snyder an, dass er in nur 2 Stunden keinen würdigen Bösewicht, der das ganze Multiversum bedroht, und den Rest der Justice League befriedigend einführen kann. Dem Studio war das egal. Scheiß doch auf die Kunst. Das Ding sollte zurecht gekloppt werden. Da Snyder, verständlicherweise zu diesem Zeitpunkt die Kraft für derlei sinnlose Kämpfe fehlte, gab er das Projekt ab.

Den Rest der Story kennen wir. Joss Whedon sprang ein, ging einmal mit der Motorsäge durch den Film und baute aus dem Rest… ja… Schrott. Man kann Whedon noch nicht mal große Vorwürfe machen. Wenn jemand einen Roman durchreist und mir die Hälfte hinwirft, mit der Auflage, daraus einen Hit zu machen, würde ich vermutlich auch scheitern.

Umso erfreulicher, dass wir durch die lauten Rufe seiner treuen Fans nun endlich die Vision serviert bekommen, die Snyder ursprünglich geplant hatte.

Und ich kann nur sagen: DAS IST JETZT EIN KOMPLETT ANDERER FILM!

© HBO Max

Nicht nur dass er andere Musik hat, bessere Gags und deutlich überarbeitete Spezialeffekte, plötzlich macht der Film in sich auch viel mehr Sinn.

Plötzlich ist klar, warum überhaupt die Mutterboxen auf der Erde sind. Eben nicht, weil ein paar Space Idiots dachten, dass sie in Erdlöchern auf der Erde voll gut versteckt wären.

Plötzlich ist ein vernünftiger Bösewicht am Start, in dessen Schatten Steppenwolf nur ein Handlanger ist.

Und plötzlich ist Cyborg nicht mehr dieser eindimensionale „Neuling“ der Truppe, der zuvor keinen alleinstehenden Film hatte… nein, plötzlich ist er der Iron Man von DC, in dessen Händen die Macht und Verantwortung ruht, die ganze Welt durch Technologie zu lenken. (wobei er im entscheidenden Moment seine eigene Hand nicht kontrollieren kann und auf Superman schießt, aber das ist eine andere Geschichte…)

Auch die anderen Helden wirken jetzt so viel runder, weil sie einfach mehr Screen Time, Backstory und ja, einfach mehr Liebe, bekommen.

Endlich ist die ganze Justice League ein Team, von welchem uns jedes Mitglied am Herzen liegt.

Joss Wheadon hatte Snyders Version faktisch verstümmelt.

Mein größter Kritikpunkt war damals, dass er die JL übers Knie bricht, weil nicht alle Charaktere ausreichend eingeführt wurden, wie in den Avengers Filmen. Das war Snyder bewusst, weswegen er dieses Monster von Film geschaffen hatte, um dem gerecht zu werden. Wie erwähnt, hatte eben nur seine Familientragödie und die Sturheit des Studios genau das verhindert.

Apropos ausreichend Screen Time:

Trotz der 4h, die mir meine Pobacken sicher noch lange vorhalten werden, habe ich mich nie gelangweilt. Ähnlich wie in Watchmen, besteht Justice League nun aus vielen eigenständigen Szenen voller Kunst und Liebe für Superhelden.

Die Spiellänge zudem in 6 Kapitel zu unterteilen war in diesem Kontext ein geschickter Zug von Snyder. So fühlt es sich weniger lang an und man würdigt jeden Teil für sich.

Natürlich gäbe es Punkte, über die ich meckern könnte.

Die Spieldauer ist natürlich so einer. Muss ich nach 3,5 Stunden Film noch über eine halbe Stunde Epilog haben? (Auch wenn die Szenen alle spaßig sind und für Comic-Fans interessante Ausblicke bieten)

Auch der Soundtrack ist zwar episch, aber auch generisch. Ich könnte die Melodie jetzt schon nicht mehr nachpfeifen. Die Mucke von Avengers hingegen sofort. Schade!

Und vergleiche ich die CGI mit der von Infinity War und Endgame, wirkt sie an einigen Stellen so, als hätte da eine Crew ihren Termin zur Nachbearbeitung versäumt…

Aber deswegen jetzt gleich ein paar Punkte abziehen?

Ich möchte das Gesamtwerk dieses visionären Regisseurs würdigen, dem das Leben echt harte Brocken zum Verdauen in den Weg wirft. Und deswegen bekommt Zack Snyder’s Justice League von mir fast die volle Punktzahl als DCs derzeit bester Film.

Ich könnte mir sogar vorstellen den Film demnächst nochmal zu schauen.

Und ich glaube, bei derart schmerzendem Sitzfleisch, sagt das alles.

Über Thilo (1107 Artikel)
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