Valheim ist das perfekte Survival Game

Valheim, du hast deinen Meister gefunden:

Boden ist eingeebnet, Laminat verlegt und ein paar Wände gibt es auch. Ha, war doch gar nicht so schwer! Odin ist sicher jetzt schon verdammt stolz auf mich. Und bald schon werden mich die Walküren unter Lobesgesängen nach Walhalla tragen…

Bevor ich jedoch das Dach baue, muss ich mal was essen. Shit, meine Beeren sind alle, aber glücklicherweise habe ich eben zwei Wildschweine erwürgt, deren Fleisch ich jetzt… roh essen müsste… hm. Ok, baue ich schnell noch eine Feuerstelle. So, ha, sogar mit Rauchabzug, damit ich nicht ersticke, wie in dem Klohäuschen, das meine erste Inkarnation ihr Zuhause nannte. Zack, die Koteletts auf die Haken und gleich schön schnabulieren.

Fuck. Muss es jetzt echt anfangen zu regnen? Es nützt nichts, das Feuer ist aus. Ich muss meinem Kamin eine Art Dach spendieren. Nur leider komme ich da oben nicht dran. Ich brauche eine Leiter. So, geschafft. Och ne, oder? Jetzt habe ich kein Holz mehr übrig für das Dach.

Ok, in strömendem Regen runter, meine Tür einreißen, und aus dem Holz ein Dach für meinen Kamin basteln. Türen werden eh überbewertet. Alter, knurrt mein Magen. Ich bin nass und mir ist arschkalt. Ach, guck mal, mit Dach geht das Feuer sofort wieder an. Nice. Jetzt runter und mampfen.

BWAAAAH, was bist du denn? ARGH, lass mich! STIRB! STIRB! STIIIIIIRB! Puh, das war knapp. Bäh, alles voll mit Blut. Was für seltsame Zwerge hier rumlaufen! Ich brauche wohl doch ne Tür. Egal, erstmal meine leckeren… Kohlebriketts essen… SCHEIBENHONIG, gottverdammter! Jetzt sind mir die Dinger verkohlt!

Ok, ich ohrfeige mich ein paar Mal selbst, um das Heulen aufzuhören. Es nützt ja nichts. Ich muss in den nächtlichen Regen raus und im Wald ein paar Beeren finden.

Wenig später bin ich tot. Scheinbar gibt es nachts im Wald große Trolle, die echt viel Schaden machen gegen einen nackten, frierenden Wikinger.

Tja, das ist genau so passiert. Und ich LIEBE es!

Ich liebe die Immersion. Das ist genau das, was ich von einem Survival Game erwarte: dass ich mich wirklich so fühle, als müsste ich allein in der Wildnis überleben. Und dass es mich zum Nachdenken und priorisieren bringt. Das haben die Macher von Valheim echt verdammt gut hinbekommen. Aber nicht nur das.

Valheim ist hübsch für ein Survival Game

Gut, vielleicht sage ich das, weil ich nur wenige andere Survival Games kenne. Die eher grobe Klötzchenwelt von Minecraft zählt da wohl nicht als Vergleich.

Natürlich ist Valheim ein Indie-Game und kein Triple A-Titel mit polierten Cutting Edge-Grafiken.

Aber es ist trotzdem schön! Die Natur ist abwechslungsreich und wild genug, um mein Herz schneller schlagen zu lassen, wenn ich mit meinem ersten selbstgebauten Bogen durchs Unterholz schleiche, um die scheuen Rehe nicht zu verjagen.

Sogar richtig gelungen finde ich das Wasser und die Wettereffekte. Vermutlich sind die ohnehin am wichtigsten für ein Wikinger-Survival-Game.

Und absolut majestätisch wirkt der Weltenbaum Yggdrasil, dessen titanischen Äste ihr zu jeder Tages- und Nachtzeit durch den Kosmos wachsen sehen könnt. So kommt wirklich ein schön mystisches Wikinger-Feeling auf.

Apropos mystisch: Valheim ist ein Fantasy-Spiel. Es erhebt nicht den Anspruch, eine naturgetreue Wikinger-Simulation zu sein – und das ist auch gut so! Es ist nämlich so viel geiler, ab und an im nächtlichen Wald einem Troll zu begegnen, der Bäume entwurzelt, während er mir hinterherrennt. Seeschlangen, Skelette in modrigen Hügelgräbern und die fantastischen Endgegner tun ihr Übriges, um Valheim nicht langweilig werden zu lassen.

Ich will eine eigene Methalle: Bauen in Valheim

Ansonsten gilt In Valheim: Learning by Doing.

Egal ob ihr Bäume fällt (HOLY CRAP, werdet ihr in Valheim eine verdammte Menge an Bäumen fällen!) …

8 year old girl punching a tree with sharp technique and amazing speed!

… oder einfach nur springt oder rennt – alles erhöht eure Skilllevel.

Sobald euch eine Riesenkrähe in die Welt geworfen hat, gilt es, dem Jäger und Sammler in euch die Zügel zu überlassen. Denn ihr müsst natürlich Rohstoffe farmen wie Thor auf Koks, um euch auf Dauer in der Welt von Valheim behaupten zu können. Nahrung, ständig bessere Waffen und vor allem ein trockener und warmer Rückzugsort zum Pennen sind das A und O für einen Nordmann.

Letzteres war für mich, einen durch logische Minecraft-Geometrie verwöhnten Klötzchenstapler, erstmal eine Herausforderung. Wie zum Hugin, sollte ich mit diesen vorgefertigten Bauteilen ein stabiles Haus bauen? Mein erster Dachstuhl ist auf mich niedergehagelt wie Fallobst…

Doch, wie immer, macht auch hier Übung den Meister. Tatsächlich lassen sich aus dem scheinbar sehr überschaubaren Tool-Kit selbst die fantastischsten Bauvorhaben in die Tat umsetzen.

Während es mein Ziel ist, erstmal aus meiner Hundehütte in eine standesgemäße Wikinger-Methalle umzuziehen, bauen andere Spieler schon Ewok-Baumhäuser im Sumpf, ganze Städte in den Hügeln oder kuschelige Tavernen hoch in den verschneiten Bergen.

Ich muss mich jedoch beeilen mit dem Bau, weil meine Behausung auch noch einen Palisadenzaun und, am besten, einen Wassergraben braucht. Denn ab und an schauen Gegner bei euch vorbei, die mit jedem erlegten Endgegner stärker werden.

Speaking of which…

Die Endgegner in Valheim

Das fünfköpfige Team der Iron Gate Studios hat die Boss-Kämpfe sehr geschickt in den Flow des Spiels integriert. Denn jedes Monster, das ihr durch ein entsprechendes Opfer beschwören und zu Odins Ehren besiegen könnt, hinterlässt einen Gegenstand, der euch im Spiel extrem weiterbringt.

So verliert z.B. der Superhirsch Eikthyr ein paar Hörner, die so hart sind, dass ihr ab sofort Stein und wertvollere Erze abbauen könnt. Kupferrüstung und -Axt: ich komme!

Oben seht ihr meinen Kampf gegen den ersten Endgegner, plus Siegerfoto neben der Trophäe.

Ich glaube, ich war schon besser ausgerüstet, als man es sein musste für den ersten Boss Fight, denn ich musste weder meine Brandpfeile auspacken, noch meinen Schildarm bemühen, um den Dämonenelch mit meiner Axt aus den Hufen zu hauen. Mit meinem letzten Schlag habe ich nicht nur Eikthyr getötet, sondern auch gleich einen Baum gefällt…

ODIIIIIIIN!

Generell ist es schon ein geiles Gefühl, die großen Monster von Valheim zu beschwören und dann zu Heavy Metal-Musik niederzuknüppeln. Well done, Iron Gate Studios!

Valheim Fazit und Ausblick:

Ich würde fast so weit gehen zu sagen, dass wir hier das nächste Minecraft, nur für Wikinger-Fans, vor Augen haben.

Wer in so kurzer Zeit ein Early Access-Game schon 5 Millionen Mal verkauft, hat wohl irgendwas richtig gemacht.

Mit 5.000.000 x 16€ dürfte das Studio genug Ressourcen haben, um Valheim immer weiter zu entwickeln und zu DEM Wikinger Survival Game schlechthin zu machen.

Allein die 2021er Roadmap spricht schon von neuen Biomen, Endgegnern und unzähligen anderen Features.

Ich bin mir sicher: In ein paar Monaten oder Jahren, werden wir im Multiplayer sogar fremde Länder besuchen und Städte raiden können. Schiffe bauen und in See stechen, ist ja ohnehin schon möglich.

Laut Entwickler-News wurden umgerechnet schon 15.000 Jahre Spielzeit in Valheim verbracht. Und ich bin mir sicher, dass ich auch meinen Teil beigetragen haben werde, wenn Ragnarök gekommen ist…

Seufz.

Über Thilo (1088 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.