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Filmkritik: Man of Steel – Düstere Superman Begins Zerstörungsorgie mit jeder Menge Matrix Anleihen

MAN OF STEEL

7 von 10 Superpunches

Wie so häufig, wenn ich mich auf etwas sehr freue, mache ich einen Fehler: Ich spoiler mich mit jedem Fetzen Trailer und TV Spot, der zu finden ist und steigere meine Erwartungen ins Unermessliche. Nun, da ich Zack Snyders Version von Superman gesehen habe, quälen mich sehr gemischte Gefühle und ich glaube, eigentlich müsste ich den Film noch mal schauen, um meine finale Bewertung abzugeben.

Wie sehr hatte ich mir gewünscht dem Man of Steel guten Gewissens 10 von 10 Punkten geben und ihn damit auf eine Stufe mit dem maximal unterhaltsamen The Avengers stellen zu können. Doch die Avengers waren witzig und haben sich selbst nicht zu ernst genommen, was man leider beides von Man of Steel nicht sagen kann. Ich hatte schon gefürchtet, dass an den vielen mittelprächtigen und teilweise sogar schlechten Bewertungen des Films IRGENDWAS dran sein könnte. Doch bis wenige Sekunden vor Filmbeginn klammerte sich der Fanboy in mir an den Gedanken, dass die ganzen arroganten Journalisten, die den Film verrissen haben, allesamt peinliche Weichei-Supermann-Befürworter und Christoper Reeve-Arsch-Küsser sind.

Damit hier gleich zu Anfang kein falscher Eindruck entsteht: Wir haben es hier immer noch mit dem bislang mit ABSTAND besten Supermanfilm zu tun und die Spezialeffekte und Kämpfe sind teilweise atemberaubend. Doch warum ich dem Film mindestens 2 bis 3 Punkte abziehen muss, erfahren Spoiler-Resistente auf der nächsten Seite.

WIRKLICH! SPOILER! Wer ihn noch nicht gesehen hat, später wieder kommen. Und dann würde ich mich über eure Meinung zu Man of Steel in den Kommentaren freuen.

Superman-Evolution von Links nach rechts: Strumpfhosenmann, Badehosenmann, Man of Steel

Superman-Evolution von links nach rechts: Strumpfhosenmann, Badehosenmann, Man of Steel

Wieso kommen Leute, wie Nerd Blog-Kollege Jasonauric, auf die Idee eine eigene Sektion in ihrem Blog auf zu machen, die sich Superfaggot nennt? Sonnenklar: Weil ein Typ, der seine Unterhose über seiner Hose trägt, Katzen aus Bäumen rettet und ein albernes Alter Ego besitzt, welches nur Blinde nicht als Superman erkennen, einfach dazu einlädt. Der Superman mit Christopher Reeve von 1978 war ein fliegendes Weichei. Aber die Zeiten haben sich geändert… Natürlich besonders in Hinsicht auf Special Effects. Man hätte Superman nie als Gott in Menschengestalt auftreten lassen können, selbst wenn es viele Comicfans damals gerne gewollt hätten. Ohne die selbstverständliche CGI Power von heute mussten die Abenteuer der fliegenden Strumpfhose eben mit mehr albernen Dialogen, Romanze und KÄSE gefüllt werden. DAS ist der springende Punkt. Und trotzdem habe ich als Kind den Superman mit Christopher Reeve geliebt, denn er war für seine Zeit herzerfrischend und … es gab nichts anderes. Erzwungene Bescheidenheit durch Ressourcenknappheit nenne ich das. Aus heutiger Sicht sind die Reeve Filme einfach verdammt albern, wie so eine Liste hier zeigt.

Es wurde also mehr als Zeit einer zeitgemäßeren Version von Supi eine Chance zu geben. Und zwar eine, in der der Bildschirm bebt! Denn wo ist der Sinn darin einen Superhelden mit godlike powers gegen Ameisen kämpfen zu lassen? Wenn Spieler in einem Computer RPG den Maxlevel erreicht haben, gehen sie auch nicht in Level 1 mit „Aufwärmgegnern“ zurück und lassen blinde und lahme Goblins an ihrer Machtaura zerschellen. Weil es langweilig ist. Und genau an der Stelle liefert Man of Steel ein 10-Gänge-Menü ab, welches so gehaltvoll ist, dass es schon fast schwer im Magen liegt. Aber dazu später mehr…

Ich verstehe nur nicht die Journalisten und selbsternannten Comic-Pros, bei denen nun angesichts einer solchen Gewaltorgie die Pussy-Drüse anspringt. Ständig höre ich dieses Geheul „aber Superman würde doch nie wirklich zuschlagen! Seine größte Kraft ist seine Zurückhaltung!“ Ja Glückwunsch zum SUPERFAGGOT!

Außerdem bleibt Snyder diesem Motto auch im Film treu, denn die vielen Rückblicke in seine Kindheit und seine jüngeren Jahre zeigen wie Clark als Sonderling jede Demütigung, egal wie heftig, runter schluckt oder, im wahrsten Sinne des Wortes, an sich abprallen lässt. Erst später, als in Form von General Zod und Konsorten, andere Götter auf die Welt kommen, denen mit „Zurückhaltung“ nicht beizukommen ist, entfesselt er seine Kräfte und bekämpft Feuer mit Feuer. Aber ist es nicht genau das, was immer alle wollten? Snyder liefert und ihr heult? Und wenn Superman in den Comics gegen Superschurken aus dem Weltall kämpft, besiegt er diese auch nicht mit lammfrommer Zurückhaltung… read the source material, guys. Solche Journalisten würden vermutlich auch DIESER Version von Superman den Vorzug geben

women of man of steel

Im Grunde müsste ich vollkommen zufrieden sein, denn Henry Cavill ist der physisch beeindruckenste und charmanteste Superman, den es je gab. Und auch die anderen Schauspieler konnten mich in ihren Rollen allesamt überzeugen. Als Origin Story von Superman funktioniert der Film eigentlich perfekt. Gerade die letzten Momente von Krypton, die uns optisch beeindruckend als Einstieg in den Film präsentiert werden, verleihen Man of Steel etwas Außerweltliches und Mystisches. Und allein für die Tatsache, dass endlich Kryptonit mal NICHT als wesentlicher Bestandteil der Handlung und Waffe gegen Superman benutzt wurde, hat Snyder schon einen Oscar verdient.

Doch nun zu den beiden Punkten, die für mich den Man of Steel die volle Punktzahl kosten. Ich hatte mir schon vor Jahren einen Superman gewünscht, der mal so richtig zu Hochform aufläuft. Doch wie das manchmal so ist, mit den Geistern die man ruft, man ahnt nicht, was man sich da eigentlich gewünscht hat. Die ganzen Superhelden-Gott-Kämpfe, gepaart mit der Belagerung durch die Außerirdischen, haben mich teilweise sehr an Filme wie Independence Day erinnert. Snyder geht so auf in seiner Zerstörungswut, dass andere Aspekte des Films auf der Strecke bleiben.

Während der erste Kampf gegen Zods Verbündete Faora noch erhaben und nervenaufreibend war, wird der Kampf gegen Zod nach einigen eingestürzten Hochhäusern beinahe langweilig. Ich wollte diesen Kritikpunkt vieler Zuschauer ja nicht wahr haben, doch es stimmt: Der Zod-Superman-Flipper wird, besonders nach all der bereits vorangegangenen Action, nach einer gewissen Zeit anstrengend. Snyders Film leidet hier unter dem selben Problem wie damals schon Matrix 3: Wie schafft man es den Kampf zwischen 2 allmächtigen Göttern, die jeder für sich unverwundbar sind, aufregend und spannend zu gestalten? Hier wäre weniger – und ich kann nicht glauben, dass ich das gerade tippe – tatsächlich mehr gewesen. Zumindest den Kampf gegen die Weltenwandlermaschine hätten sie weglassen sollen. Es war irgendwann einfach TOO MUCH.

Der zweite Kritikpunkt betrifft den Einfluss von Batman Begins-Schöpfer Christopher Nolan. Ich finde nach wie vor nichts falsch daran, einen düsteren Superman zu schaffen, der eine schwere Kindheit hatte und bis zum Schluss des Films von Selbstzweifeln und Loyalitätsfragen (Krypton oder Erde?) geplagt wird. Doch leider haben die beiden Drama Queens Nolan und Snyder dabei vergessen, dass der Film nicht dadurch scheisse wird, dass man ein wenig Humor aufkommen lässt. Der Film ist von vorne bis hinten so „dark and brooding“, dass es mich emotional fast runter gezogen hat. Die wenigen witzigeren Momente, kannte man schon aus den Trailern und sie sind so selten, dass sie fast wie Ausrutscher wirken.

Am Ende, als alles in Trümmern liegt, doch Zod besiegt wurde, sagt jemand „Superman hat uns gerettet!“ Aber zu welchem Preis? Erst in der allerletzten Szene strahlt kurz der ironische Superman-Humor vergangener Tage durch, wie ein Lichtstrahl durch den Staub der Zerstörung, den Snyder hinterlassen hat. Zumindest lässt dies auf ein gelungenes Sequel hoffen. Wobei ich mich frage, ob wir dann – ohne gleichwertigen Gegner – wieder bei Kryptonit und Romanze angekommen sind? Vielleicht hat Snyder unwillentlich mit seinem Film gewisse Grenzen aufgezeigt und das Superhelden-Genre ist wieder auf dem absteigenden Ast? Zumindest gottgleiche „Meta-Helden“ wie Superman scheinen ein immer noch zu gewagtes Terrain zu sein.

Trotzdem sollte sich jeder selbst ein Bild machen von Man of Steel. Allein die bombastischen Superheldenkämpfe, die sogar die Avengers noch übertreffen, rechtfertigen den Kinobesuch.

krypton

Über Thilo (1488 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

3 Kommentare zu Filmkritik: Man of Steel – Düstere Superman Begins Zerstörungsorgie mit jeder Menge Matrix Anleihen

  1. Noooooooooooo, nicht ZU VIEL ACTION!!!! Ernst jetzt, was ist langweiliger als aneinander gereihte Actionszenen? Noch mehr Actionszenen, noch mehr Explosi…Michael Bay…
    Da kann doch keine Spannung aufkommen. Ist doch wie bei Games, gute Story, epischer Bossfight, fertig ist die Laube. Und nicht wie bei Duke Nukem Forever: Action…action…action…action…gähhhhhn…oh, schon durch, laaaaaangweilig. Dann werde ich mir „Unterbutze“ of Steel wohl mal geben müssen (fand Avengers jetzt nicht soooo toll). Und ja, Supi DARF/SOLL/MUSS richtig zulangen!

  2. Fand das ganze jetzt ziemlich meh…das düstere Konzept funktionierte schon bei Spiderman nicht, wieso sollte es da bei Superman funktionieren?

  3. Nerdingers Katze // 25. Juni 2013 um 11:33 // Antworten

    Ich werd ihn mir definitiv noch im Kino anssehen.
    Muss nur die Freundin überzeugt bekommen!
    http://nerdingers-katze.blogspot.de

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