Filmkritik: True Grit – Zöpfe und Dreitagebärte

8.5 von 10 Zöpfen

Die Coen Brothers machen einfach verdammt intensive Filme, auch wenn ich „No Country for Old Men “ bis heute nicht geschnallt habe – also, wenn’s das was zu schnallen gab…

Doch insbesondere seit mir die Brothers mit meinem Lieblingsfilm von Ihnen, „The Big Lebowski“, Jeff Bridges ans Herz gelegt haben, schaue ich mir jeden Film mit dem „Dude“ mit Kusshand an. Nur dessen Performance war es im Übrigen auch, die – neben der stylishen Optik – TRON: Legacy aus der Mittelmäßigkeit gehoben hat. Aber ich möchte mich nicht in Jeff Bridges-Lobpreisungen verlieren, sondern kurz ein paar Worte über den deftigsten Western verlieren, den ich seit langem gesehen habe.

Als kleines Lob vorweg: Obwohl ich eigentlich gar nicht mal so ein großer Western Fan bin, hat es True Grit geschafft, dass ich jetzt doch brutal Lust bekommen habe, als dreitagebärtiger Outlaw in „Red Dead Redemption“ die Prärie unsicher zu machen.

Bei True Grit handelt es sich schon um die zweite Verfilmung des gleichnamigen Romans von Charles Portis aus dem Jahr 1968. Man könnte den Titel wohl am besten mit „Wahrer Schneid“ übersetzen. Und wahren Schneid hat dieser jüngste Coen-Streich und alle seine Schauspieler mehr als genug!

Die süße, 14-jährige Mattie Ross (Hailee Steinfeld) möchte den Tod an Ihrem Vater rächen und engagiert einen brauchbaren Kopfgeldjäger, um den Mörder Tom Chaney (Josh Brolin) zur Strecke zu bringen. Bei ihrer Wahl schwankt sie zwischen dem übereifrigen und eingebildeten Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon) und dem abgehalfterten US Marshal und Veteran in Augenklappe Rooster Cogburn (Jeff Bridges). Schließlich ziehen die drei jedoch gemeinsam los, da jeder seine Gründe hat Chaney an den Galgen zu bringen.

True Grit wäre kein Coen Film, wenn nicht ein paar recht deftige und blutige Szenen das „wild“ im „Wilden Westen“ dieser Geschichte unterstreichen würden. Doch trotz der Ernsthaftigkeit der Rache Story und den damit verbundenen Leichen auf dem Weg, sind die Dialoge dermaßen witzig, dass man das Genre des Films beinahe in die Komödien-Schublade packen müsste.

Einen großen Anteil daran hat die geniale Hailee Steinfeld, die ihre Rolle als determiniertes und aufgewecktes Gör mit Bravour spielt. Wenn das Mädchen in Pipi Langstrumpf-Zöpfen harte Saloon Helden ungeschminkt auf ihre Unzulänglichkeiten aufmerksam macht und bei Gefahr sofort mit dem Anwalt droht, kommt man aus dem Grinsen nicht mehr heraus. Man trug mir zu, dass die kleine Miss Steinfeld sogar für den Oscar für die beste Nebenrolle nominiert ist…dazu kann ich nur sagen, die ernstzunehmenderen unter den pseudo-gebildeten Journalisten dieser Welt haben ganz recht, wenn sie diese Nominierung als „blanken Hohn“ bezeichnen. Diese Rolle ist schon wegen Ihrer „Screen Time“ als Hauptrolle anzusehen. Mal ganz davon abgesehen, dass sie in der Präsenz von wahren Filmgrößen Hollywoods locker auf Augenhöhe schauspielern kann.

Auch Matt Damon und Jeff Bridges spielen ihre Rollen als Raubeine des wilden Westens äußerst glaubwürdig. In allen Szenen mit dem leicht alkoholisierten Rooster Cogburn kann Jeff Bridges augenscheinlich auf seine Erfahrungen als „White Russian-abhängiger Dude“ zurückgreifen. Die Augenklappe und seine todesverachtende Determination tun ein Übriges für seine Rolle. Ich sage nur: „Glaubst du das heilt noch oder soll ich es einfach abreißen…?“ (Freut euch auf die Szene…)

Der Filme ist einfach ein toller „Action Ride“ mit gekonnt zusammen gesetzten Puzzlestücken aus Drama, Action und Comedy. Der Filme gewinnt sehr durch diesen Kontrast der lustigen Dialoge und der teilweise doch recht brutalen Handlung. So ist das eben im Wilden Westen: Mit Galgenhumor zum Galgen

Einzig der Epilog des Films hätte für mich nicht sein müssen. Er hinterlässt wie die langatmigen Verabschiedungen beim letzten Teil vom Herrn der Ringe einen leicht faden Nachgeschmack. Dabei hätte das beinahe biblische Ende am Grund einer Schlangengrube einen würdigen Schlusspunkt gesetzt. Jetzt bin ich hin- und her gerissen bei meiner Bewertung. Ich ziehe mal ein halbes Pünktchen ab, wegen dem „fade auslaufenden“ Ende. Trotzdem ist dieser Revolverfilm ein klares Muss für Kinofans!

Über Thilo (1751 Artikel)
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4 Kommentare zu Filmkritik: True Grit – Zöpfe und Dreitagebärte

  1. Ahhh, Montag morgen…
    Aber sehr schön, dann werde ich mir den auch mal im Kino geben. Man kommt ja zu nix mehr wenn man heiratet 🙂

  2. Das Ende war in der Tat ein wenig unspektakulär, hat aber zum gesamten Film gepasst. Ein Happy End wäre einfach nicht passend gewesen. Vor allem Cogburn musste irgendwie als versoffener Zirkuscowboy unspektakulär abtreten.

    • So kann man das natürlich auch sehen… Wenn bei Burn after Reading Brad Pitt einfach im Schrank erschossen wird, dann kann der Revolverheld in True Grit auch als Zirkuscowboy enden…so what 😉

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