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Spiderman Homecoming ist „leider“ ein Spaß für die ganze Familie

8 von 10 Captain America-Lehrfilmen

Jetzt haben wir so langsam alles durch. Durchgeknallte Space Opera? Guardians of the Galaxy. Check. Blutrünstige Untenrum-Komödie für Erwachsene? Deadpool. Check. Teenager Highschool-Komödie? Seufz. Spiderman Homecoming. Check. Man kann sich wirklich streiten, ob wir von Marvel die Superheldenvariante letzteren Genres wirklich gebraucht hätten.

Denn diesbezüglich bekommen wir von Regisseur John Watts wirklich die volle Packung. Abschlussball-Angst, Penis-Parker-Mobbing durch die Mitschüler, peinliche Momente mit der ersten Liebe, u name it. Ein 15-jähriger Spiderman hat eben auch noch die Probleme, die ein 15-jähriger Peter Parker hat. Wer das mag, wird sich köstlich amüsieren. Ich hatte definitiv meinen Spaß und der Charme von Tom Holland (der ja eigentlich schon 21 ist), ist eigentlich auch schon ausreichend, um diesen Film einfach lieb haben zu müssen.

Doch auf der anderen Seite ist Spiderman dafür auch nicht der wortgewandte Sprücheklopfer und Ganoven-Vorführer, den Andrew Garfield sehr gut verkörperte. Tom Hollands Wandkrabbler versprüht seinen Charme, Humor und seine Klebenetze eher durch seine Naivität und infantile Sorglosigkeit. Ohne den Hightech-Anzug von Iron Man, den Peter erst mal entdecken, beherrschen und letztlich sogar hacken muss, wäre der Film fast zu 90% seines Ulks beraubt.

Mir persönlich ging ohnehin die ganze „Iron Man ist sowas wie mein Papa“-Kiste eine Spur zu weit. Aber das bekommt man eben, wenn man einen 15-jährigen Superhelden ordert.

Spideys Kumpel und Gehilfe Ned, gespielt von Jacob Batalon, ist definitiv eine humoristische Bereicherung für den Film. Alle anderen Darsteller plätschern so dahin, wie ich es mir von einer Highschool-Komödie erwarte. Dementsprechend kann selbst Michael Keaton, der ein Abo auf Flattermann-Helden zu haben scheint, nicht arg aus der Reihe tanzen und bleibt, Genre-treu, ein moderat furchteinflößender Bösewicht. Wobei eine bestimmte Szene im Auto, die ich nicht spoilern möchte, schon ein wenig unter die Haut geht, wenn man in der Lage ist, sich in die Lage zu versetzen.

Letztlich lässt sich Spiderman Homecoming auf zwei Handlungsstränge reduzieren. Zum einen haben wir den jungen Spidey, der sich selbst und seinen Anzug kennen lernen muss. Auf der anderen Seite haben wir sein Bemühen endlich von den Avengers ernst genommen zu werden, indem er die Ganoven dingfest macht, die mit Alien-Tech verbotene Geschäfte machen. Dazwischen gibt es eine ungewöhnliche heiße Aunt May, jede Menge Teeny-Hormone und die gelegentliche Standpauke von Tony Stark.

Irgendwie ist das ein recht übersichtlich gefüllter Marvel-Döner, der geschmacklich kein Neuland betritt. Aber auf der anderen Seite sind es ja häufig die einfachen Dinge, die uns am besten schmecken. Spiderman Homecoming ist der Superheldenfilm, der gedreht wurde, damit Eltern ihre Kinder reibungslos und geschmeidig in die Welt der Marvel-Unterhaltung einführen können. Bei einem Kakao und Keksen. Gleich nach Dr. Snuggels.

Ach ja und Profis stürmen nach nur einer Abspannszene natürlich noch nicht aus dem Kino. Gerade die 2. Abspannszene lohnt sich, weil sie sich nicht lohnt.

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3 Kommentare zu Spiderman Homecoming ist „leider“ ein Spaß für die ganze Familie

  1. Für mich ein durchweg guter spidy. War mehr als positiv überrascht. Bin eigentlich immer stinkt sauer wenn die originstory verwurstet wird (bsp. wolverine origins) aber in dem Fall hat einfach alles gepasst. Von allen Filmen: Der Anzug ist schönste, Peter Parker war der glaubwürdigste, die story schlüssig.

  2. „wenn man in der Lage ist, sich in die Lage zu versetzen“ ähm, was? :p

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