Dracula: A Love Tale ist eine schräge Fantasy-Komödie

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6 von 10 erlesenen Düften
Wasabi, Taxi, Transporter und natürlich das grandiose 5th Element fallen mir bei Luc Besson ein. Besonders sein durchgeknalltes, aber gleichzeitig tiefgründiges Sci-Fi-Spektakel mit Bruce Willis und Gary Oldman, das Milla Jovovich den Durchbruch brachte, wird immer einen Platz in meiner Topliste der besten Filme aller Zeiten haben.
Was das fünfte Element unter anderem so wahnsinnig unterhaltsam machte, waren seine schrägen, exzentrischen und teilweise regelrecht bizarren Charaktere, die den Humor dieses Klassikers ausmachen.
Doch ob sich diese wiedererkennbare Handschrift des Regisseurs auch mit dem Stoff einer Gothic Horror-Vorlage verbinden lässt?
Kurze Antwort: Nein.
Es sei denn, man gesteht der Literaturvorlage zu, auch unfreiwillig komisch daher tänzeln zu dürfen.
Was in einem Zukunfts-Setting funktioniert, bei dem man ja fast automatisch davon ausgeht, dass es von derangierten Albernheiten nur so wimmelt – da muss man sich ja nur mal die heutige Welt und die KI-Entwicklung anschauen –, wirkt in einem Horrorfilm eher deplatziert.
Gerade im Kontrast zu Robert Eggers Arthouse-Dracula, den ich als letzte Vision des berühmten Blutsaugers gesehen habe, wirkt Bessons Film eher wie eine Fantasy-Komödie.
Dracula – Die Auferstehung heißt die düstere Liebesgeschichte auf dem deutschen Markt (warum auch immer). Doch wäre der Graf in diesem Fall vielleicht lieber liegengeblieben?
Was Dracula – Die Auferstehung so unfreiwillig komisch macht

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Ähm… fast alles?
SPOILER AB HIER!!! (ohne geht es nicht, um sich über diesen Film amüsieren zu können)
Eigentlich beginnt alles sehr vielversprechend.
Caleb Landry Jones gibt einen sehr viel besseren Graf Dracul ab, als ich gedacht hätte. Wir erleben eine tragische Liebesgeschichte mit seiner Frau und ergötzen uns an seiner geilen Drachenhelm-Rüstung, wenn er in die Schlacht reitet.
Generell ist der Film immer dann besonders “Dracula-haft”, atmosphärisch und gothic, wenn es um den Hauptdarsteller und um die Liebesgeschichte geht.
Doch alles drumherum ist gewagter Mummenschanz.
Das fängt schon damit an, dass ich außer Caleb niemandem seine Vampirnatur abnehmen kann. Matilda De Angelis spielt Vampirbraut Maria derart dämlich, dass meine Immersion sofort flöten ging. Es sei denn, man stellt sich Vampire als aufgedrehte Girlies auf Extasy vor, die außer Party, Pillen und Penissen nichts im Kopf haben.
In der Vampire-LARP-Szene in Bonn galt es in den 90ern als die schlimmste Beleidigung, wenn jemand als “Mensch mit langen Zähnen” betitelt wurde. Aber genau das waren viele der Pappnasen mit Plastikzähnen, die damals jegliche Dramatik oder Pathos-Allüren eines Unsterblichen vermissen ließen.
Da reiht sich Maria nahtlos ein.
Irgendwie erfrischend waren dagegen die Gargoyle-Helfer des Grafen, die Besson anstatt von Wölfen oder anderen Minions Dracula zur Seite gestellt hat. Nur leider wuseln die so niedlich um den Vampirlord herum, dass ich mich bisweilen an einen Disneyfilm erinnert fühlte.
Und dann kam der Fenstersturz.
Als der gepeinigte Graf beschließt seinem Leben ein Ende zu setzen und das erste Mal bemerkt, dass er nicht sterben kann – das ist Comedy-Gold.
Wie er immer und immer wieder aus dem Fenster springt, hat mich schallend lachen lassen.
Das KANN Besson nicht ernst gemeint haben. Er hätte wenigstens beim fünften oder sechsten Versuch mal einen Salto oder eine Pirouette versuchen können. Seine Gargoyle-Crew hätte bestimmt auch Punktetäfelchen hochgehalten…
Zu allem Überfluss muss auch noch Christoph Waltz als Van-Helsing-Ersatz herhalten. Nicht, dass Waltz kein guter Schauspieler wäre, nur leider gibt seine Rolle so gar nichts her. Er spielt den namenlosen Priester wie… Christoph Waltz: einen nüchternen Gesellen, der selbst im Angesicht des absoluten Horrors völlig ungerührt und gelangweilt bleibt.
Oh, hier laufen überall so übernatürliche Wesen rum! Wen juckts? Ok, Dracula, dann komm mal kurz her, damit ich dir einen Pflock ins Herz rammen kann. Sooo, bitte kurz stillhalten… et voila! Na? Hat doch gar nicht wehgetan, oder?
Also, nicht dass der Film wirklich schlecht gewesen wäre. Er hat seine Momente. Nur hat Besson hier eben keinen Horrorfilm abgeliefert. Noch nicht mal einen Gruselfilm. Das ist augenzwinkernde Fantasy mit einem Schuss Das Parfum von Patrick Süskind. Eigenwillig.
Gerade spiele ich mit meiner Pen & Paper-Gruppe das klassische Modul “Der Fluch des Strahd”. Dracula: A Love Tale ist das, was passiert, wenn mir die Ravenloft-Atmosphäre entgleist und das Abenteuer zur x-beliebigen, leichtherzigen D&D-Kampagne wird.
Not on my watch!





