Masters of the Universe Spoiler Talk-Review

© Sony Pictures Releasing International
8 von 10 Motu-Memes
Masters of the Universe ist purer, herzblutgetränkter Fan-Service mit einigen Schwächen, die mir das Grinsen aber nur selten aus dem Gesicht bügeln konnten.
So die TLDNR-Fassung.
Aber ich habe schon das Seziermesser in der Hand. Los geht’s:
Ein neuer Motu-Kinofilm geistert nun schon länger durch den Äther, als den meisten bewusst ist.
Nachdem ein Nachfolger zum famosen Dolph Lungren-Trash von 1987 abgeblasen worden war, wurde 2009 erstmalig ein neuer Actionfilm angekündigt.
Dann begann die Odyssee.
Über die Jahre wurden Drehbuchautoren, Regisseure und der Cast wie Unterhosen gewechselt. Ich sag’s ehrlich: So wirklich habe ich nicht mehr daran geglaubt, dass wir eines Tages ein Masters of the Universe-Remake im Kino bestaunen würden.
Umso dankbarer bin ich gestern in die Vorpremiere gestiefelt, um mir meinen Kopf mit Popcorn, magischen Schwertern und Lasersalven zuzuballern.
Und ich sage es gleich: Ich hätte es anders gemacht.
Barbar oder Weichei-Prinz?
Von mir hättet ihr eine Mischung aus Conan und Star Wars bekommen, mit dem Humor von Guardians of the Galaxy und epischer Musik wie bei Fluch der Karibik.
Und lustiger Weise spuckte diese Möglichkeit offensichtlich auch im Kopf von Regisseur Travis Knight herum, der jedoch in einem Interview sagte, dass Motu für einen seriösen Herr der Ringe-Ansatz zu albern sei.
Da möchte ich vehement widersprechen!
Es kommt immer drauf an, was man daraus macht. Und welchen Teil des mittlerweile riesigen Motu-Kosmos man zu Grunde legt.
Die 1987er Trash-Perle von Gary Goddard stürzte sich ja auch mit Wonne auf He-Mans barbarisches-Mini Comic-80er-Conan-Actionfilm-Erbe und lieferte einen, für seine Zeit, sehr anständigen und unterhaltsamen Fantasystreifen ab. Wäre er nicht an seinem bescheidenen Budget gescheitert, würden wir dem Film heute vermutlich einen Regalplatz neben Star Wars und Conan einräumen und ihn nicht verschämt als Guilty Pleasure in der Schublade verstecken.
Aber gut, es wurde ein anderer Weg gewählt.
Travis Knight ist All-in gegangen. Und sein Rezept lautet: Filmation-Cartoon mit Anspielungen auf alles, was die Popkultur jemals hervorgebracht hat.
Und tatsächlich wundere ich mich, wie gut das funktioniert.
Vor allem aber hat es in Hinsicht auf die Cartoons den Vorteil, dass wir endlich die Prinz Adam-He-Man-Verwandlung in einem Live-Actionfilm zu sehen bekommen – etwas, das uns der Barbarenfilm mit Dolph Lungren schuldig blieb.
Das bedeutet aber auch, dass He-Man kein knallharter Barbar auf Steroiden mehr ist, sondern der trottelige, faule Prinz, den wir aus den Hörspielen und den Cartoons kennen. Und den daraus resultierenden Humor hat Herr Knight wirklich mit dem XXL-Nudelholz ausgerollt. Das wird nicht allen schmecken.
Mir hat es trotzdem gut gefallen, weil der Spagat zwischen Ernst und Humor trotz aller Lacher und Besinnung auf die albernen Wurzeln – Muskelmänner, sprechender Tiger, böser Skelett-Mann – irgendwie gelungen ist.
Außerdem upgraded diese Variante He-Man auf eine neue Stufe der Männlichkeit, die über “Ich bin der Stärkste der Starken” hinausgeht. Dies jedoch wohl balanciert, ohne ihn in das Gegenextrem eines woken Lappens zu verwandeln. Der neue He-Man hat Herz, ist menschlich und darf sogar weinen. Nicht, dass der Cartoon-He-Man ein toxisches Arschloch gewesen wäre, aber der Kontrast zum stoischen Dolph Lundgren-Barbaren ist schon frappierend.
Der Cast – und wo waren Mer-Man, Stratos oder Orko?

Nicholas Galitzine ist ein Geiler He-Man.
Ja, shame on me, ich gehöre zu den Heulsusen, die seiner Muskelmasse zunächst kritisch gegenüberstanden. Doch tatsächlich ist der Junge verdammt gut in Shape und ausreichend ripped für das was er leisten soll. Zu der Version von He-Man, die er verkörpert, passt der Grad der Muskelschwellungen perfekt.
Jared Leto ist ein glorreicher Skeletor, der das grundlos böse Knochengesicht, sprich, eine Actionfigur, die immer nur als generischer Gegenspieler gedacht war, perfekt rüberbringt. “Ich will mich nicht gut fühlen, ich will mich böse fühlen!”
Idris Elba ist top als Man-at-Arms, auch, wenn ich finde, dass er sich für den stoischen und disziplinierten Waffenmeister Eternias zu schnell in den Alkohol flüchtet.
Tatsächlich muss ich leider sagen, dass mir der Frauen-Cast am wenigsten gefallen hat.
Camila Mendes ist verdammt hübsch, was sie natürlich rein äußerlich zu einer guten Teela macht. Charisma und Schauspielleistung waren eher “okayish”?
Alison Brie als Evil Lynn war für mich hingegen komplett austauschbar. Als hätte man einer random Mom unter den Statisten gesagt: He, zieh doch mal das Kostüm hier an und sag diesen Text auf. Joa, passt. Also, auch sie ist nicht scheiße, bei Leibe nicht! Aber eben auch nicht besonders erinnerungswürdig als böse Hexenmeisterin…
Fisto, Ram-Man, Mekaneck und auch alle von Skelis Handlangern waren wirklich toll in Szene gesetzt. Allen voran Trap Jaw! Mega. Nur warum mussten wir auf gleich drei Figuren aus der Startaufstellung des Spielzeugs verzichten?
Mer-Man, Stratos und Zodak.
Ok, Zodak kann ich noch verstehen, weil er schon damals weder den Helden noch den Bösen vernünftig zugeordnet werden konnte.
Aber die beiden anderen waren essentiell!
Meine Vermutung: Der fliegende Stratos wäre als zusätzliche CGI im Luftkampf einfach zu teuer und zu aufwändig gewesen.
Doch wenigstens Mer-man hätte man doch eine kleine Rolle gönnen können! Travis Knight sagte in einem Interview, dass er ihn Story-technisch einfach nicht hätte unterbringen können. Wow. Lame Ausrede. Mir würden auf Anhieb hundert Möglichkeiten einfallen. Als sich die Masters in dieser Höhle vor Skeletor versteckt hatten, zum Beispiel. Da hätte ja ein großer See angrenzen können. Dann hätte Mer-Man tropfend zu Skeletor in den Thronsaal stapfen und sowas sagen können wie: “Ich habe die Rebellen gefunden, Herr, sie waren so dumm sich am Rand meines Herrschaftsgebiets aufzuhalten…!” Done.
Dass Orko erst in einer der DREI (!!! – sitzenbleiben!) End Credit-Szenen vorkam, fand ich jetzt nicht so schlimm. In einem so von Humor überladenen Film wäre der alberne Trollaner vermutlich zu viel des Guten gewesen. Nur meine persönliche Meinung.
Schwacher Start, dann Vollgas

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Mein größtes Problem beim neuen Masters of the Universe ist das erste Drittel des Films. Ich muss gestehen, dass ich da im Kino kurz dachte: Shit, das wird nichts…
Erstmal lernen wir König Randor als absoluten Trottel kennen.
Er hat keine Ahnung von Führung oder Militär und gibt seinem Sohn eher fragwürdige Lebensweisheiten mit auf den Weg.
Passend dazu sind auch seine Palastwachen nicht die hellsten Kerzen auf der Torte.
Skeletor greift den Palast an. Raumschiffe ballern im Tiefflug, überall Explosionen, der halbe Palast brennt.
“Mein König! Wir werden angegriffen!!!”
NEIN, WIRKLICH?
Da habe ich im Kino laut gelacht. Meine Frau auch. So dumm die Szene.
Dann werfen sie ihren Sohn mitsamt der mächtigsten Waffe des Universums in ein magisches Portal, das zur Erde führt.
“Dort ist er sicher.”
Yeah, sure.
Nur wird er sofort vom Schwert getrennt und kann nicht mehr zurück.
Und das scheint auch ok zu sein.
Dann muss er eben erstmal über ein Jahrzehnt Bürojobs machen. Tut dem verwöhnten Prinzen auch mal ganz gut. Und dann kann man ihn ja immer noch wieder abholen. Oder warum lassen die ihn da? Die können wohl nicht nur ein One Way-Portal zur Erde öffnen, oder? Seine Mutter wusste doch wo er ist…
Aber gut, es gab vielleicht Gründe. Auch wenn ich nicht glaube, dass die erst mal ZEHN Jahre gegen Skeletor kämpfen mussten.
Aber warum braucht Adam so lange um sein Schwert zu finden? Die Klinge ist ja nicht auf der anderen Seite der Welt gelandet, sondern (vermutlich über ein paar Umwege) in einem Comicshop…
Und wer hat ihn als Kind aufgezogen? Da hätte ich gerne mehr Story gehabt.
Irgendwie wirkte der ganze, Gott sei Dank nicht lange Abschnitt auf der Erde so, als wäre er nur für Anspielungen auf Popkultur und Lacher eingebaut worden. Ja, sein He/Him-Namensschild und der Comicladen mit den Nerds sind lustig, aber… naja. Hier hatte der Film für mich die größten Längen.
Glücklicherweise zieht der Film deutlich an, sobald Adam auf Eternia ist und sich endlich das erste Mal in He-Man verwandelt.
Zwar bleibt die Gag-Dichte hoch, wird nun aber schön kontrastiert durch die brachialen Schläge, die der Auserwählte von Grayskull in die Fressen von Skeletors Schergen scheppern lässt.
Das hat Laune gemacht!
Letztlich ist der ganze Film wie ein lang herausgezögerter Orgasmus:
Es fängt seicht an, steigert sich immer mehr und entlädt sich schließlich endlich in der glorreichen Verwandlung vom Trottel-Prinzen in He-Man.
Apropos Orgasmus.
An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an Travis Knight, dass ich noch in der Dunkelheit des Kinos meinem Sohn die Frage beantworten durfte, was denn jetzt dieses FISTEN ist.
Abschließendes Urteil
Letztlich bin ich Travis Knight natürlich einfach nur dankbar, dass er die Eier hatte diesen Film zu realisieren und seine Vision wahr werden zu lassen.
Nach all den Jahren!
Er macht eine Menge richtig, bringt He-Man einer neuen Generation von Fans nahe, während er gleichzeitig die “Alten” mit Herz und Nostalgie abholt.
Queen und Highlander anyone?
Dass er dabei einen äußerst Humor-betonten Weg wählt und jedes auch noch so verstaubte Internet-Meme verwurstet, passt ins Gesamtbild.
Ich war überrascht wie geschickt er manche Albernheiten der Vorlage auflösen konnte, damit sie in einem Realfilm Sinn machen. Dass sich ein kleiner Junge alberne Namen für seine großen Helden ausdenkt und sie Ram-Man oder Fisto nennt, macht durchaus Sinn. Auch, wenn man sich natürlich fragen könnte, warum ein Zehnjähriger nicht ihre richtigen Namen kannte? Er wusste ja auch, dass Man-at-Arms Duncan heißt…
Aber gut, meckern auf hohem Niveau.
Mit etwas besserem Story-Telling – ja, das wäre auch in der Welt der Masters of the Universe möglich gewesen – hätte der Film sogar das Potenzial zu 9 oder 10 Punkten für mich gehabt.
Besonders, weil er durch einen genialen Soundtrack ein wirklich rundes Gesamterlebnis bietet.
Masters of the Universe von 2026 ist sicherlich eine Art Überraschungshit diesen Sommer. Das liegt jedoch auch daran, dass die meisten Fans, mich eingeschlossen, wirklich geringe Erwartungen hatten.
Wird es zu einem zweiten Teil reichen?
Schwer zu sagen. Letztlich werden die Einnahmen darüber entscheiden, ob wir in ein paar Jahren She-Ra, die wilde Horde und vielleicht sogar die Snake Men über die Leinwand springen sehen dürfen.




