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The Mandalorian and Grogu: Plot-Armor-Man und Super-Baby

© Walt Disney Studios Motion Pictures

7 von 10 Fan-Service-Monstern

Könnte alles schlimmer sein.

Mortal Kombat 2 hat sich von meinem Nerd-Hirn 6 Punkt abgeholt. Der Bounty-Hunter und sein Telekinese-Frosch schaffen es immerhin auf 7.

Das darf sich im Verlauf der Kino-Sommers gerne weiter so steigern.

Wenn Masters of the Universe Anfang nächsten Monats dann mindestens 8 von 10 vor Ergriffenheit heulenden 80er-Kindsköpfen einfährt, kann ich glücklich sterben. Am Ende wird He-Man wirklich noch DER Sommerblockbuster-Geheimtipp, noch vor Supergirl?

Trotzdem ist es irgendwie beschämend, dass ein neuer Star Wars-Film ins Kino kommt und es auf Rotten Tomatoes bei den Kritikern mit Ach und Krach (eher mit Wumms und ARGH) auf 64% schafft.

Gut, es ist ja nun hinlänglich bekannt, dass Disney aus seinem Füllhorn des Grauens bisher nur politisch motivierten und schlecht geschriebenen Schrott hat rieseln lassen. Nun wird wohl darüber nachgedacht die Trilogie um Penner-Luke, Mary Sue-Rey und Oben Ohne-Kylo mit dem Redcon-Hammer für immer einzustampfen.

WER HÄTTE DAS GEDACHT???

Trotzdem gehörte The Mandalorian zu den wenigen guten Lichtblicken, die Disney uns gegönnt hat. Umso schmerzlicher, dass man Mando und Grogu nicht zu glamouröserer Höhe aufsteigen lassen konnte.

Denn die Wahrheit ist leider:

The Mandalorian and Grogu ist hohl und belanglos, aber spaßig

Der Film fühlt sich einfach wie eine extrem lang ausgewalzte Folge der Serie an, ohne einen nennenswerten Plot, emotionale Tiefe oder… irgendeinen Sinn zu haben.

Wir begleiten Beinahe-Boba und Kermit auf zwei Kopfgeldjagden. Dann ist der Film zu Ende und irgendjemand sagt: “Dein Papa ist einer von den Guten.”

Das stimmt allerdings.

Besonders, weil man sich dafür entschieden hat, den Mandalorian von Staffel 1 und (größtenteils auch) Staffel 2 für den Kinofilm zu benutzen. Und nicht den unrühmlichen und zu Bo Katans Fußbänkchen degradierten Lappen aus Staffel 3.

Das bedeutet, Mando ist der knallharte Revolverheld mit Todesverachtung und 9 Leben, den wir liebgewonnen haben. Und Grogu ist der ständig-mampfende-und-verbotene-Knöpfe-drückende Mini-Yoda, der Väter verzückt am Popcorn ersticken lässt.

Und ich komme nicht umhin mich zu fragen, ob das nicht ausreicht? Oder bin ich im bedauerlichen Fahrwasser von Disney einfach zu anspruchslos geworden?

Mando und Grogu ist Fan-Service pur

© Walt Disney Studios Motion Pictures

Ab hier SPOILER!!!

Ich weiß nicht, wem es noch aufgefallen ist, aber als die Arena, in der Grogu und Rotta kämpfen müssen, einmal aus der Vogelperspektive eingeblendet wird, erkennt man ein Schachbrettmuster.

Kurze Verwirrung, doch dann…

JA! Die ganze Arena ist im Prinzip das Holo-Schach aus dem Millennium Falcon. Und die beiden müssen doch tatsächlich gegen ALLE Schachfiguren-Monster kämpfen. Wie geil ist das bitte?

Überhaupt hat der Film unglaublich viel Fan-Service zu bieten.

Von der Drachenschlange als Rancor-Ersatz bis zu dem Zielcomputer, der auch schon beim Anflug auf den Todesstern genutzt wurde, man fühlt sich als Star Wars-Nerd verstanden und abgeholt.

Und ich persönlich liebe auch die gute alte Star Wars-Handarbeit.

Wenn Grogu in einem Einkaufswagen-großen Raumschiff mit einer Truppe von Weltraum-Mechaniker-Muppets zur Hilfe eilt, kann mein dümmliches Grinsen höchstens noch mit einem heißen Bügeleisen eingeebnet werden.

Doch warum schafft es der Film dann nicht in den Bereich der richtig geilen 8, 9 oder 10-Punkte-Streifen vorzudringen? Nun die Antwort ist:

Logik und Längen

© Walt Disney Studios Motion Pictures

Wenn Mando im Gemüse liegt und darauf wartet, dass Grogu ihn wiedererweckt, zieht sich der Film in die Länge wie ein zu langer gekauter Kaugummi, der schon vor Stunden geschmacklos geworden ist…

Und wie schafft es Grogu überhaupt ihm Nahrung und Wasser einzuflößen?

Ich denke mal die Logik ist egal.

Hier gilt “friss oder stirb” für Mando und den Zuschauer gleichermaßen.

Doch im großen Finale wird es dann beinahe unerträglich. Mandos Rüstung ist nicht aus Beskar, sondern aus Plot – dem legendären Stoff, der auf mystische Weise unsterblich macht.

“Wir können wegfliegen und haben für eine kurze Zeit unseren Frieden. Oder wir starten einen Frontalangriff auf die Hutten, die uns ohnehin immer jagen werden.”

Das ist die Wahl, vor die der scheinbar geistig umnachtete Mando seinen grünen Sidekick stellt.

Die Frage ist nur: Wieso fliegt er nicht erstmal für die erwähnte kurze Zeit weg, um sich bessere Bewaffnung und Verstärkung zu holen?

Nein, das wäre weniger spektakulär als…

…mit dem halb kaputten Raumschiff zum Palast der Hutten zu fliegen und einfach zu hoffen, dass man nicht vom Sperrfeuer der Jäger und Abwehrgeschützte in der Luft zerrissen wird.

… und dann einfach mit dem Raumschiff in den Palast zu donnern in der Hoffnung, dass nicht das Schiff, sondern der Palast nachgibt.

…und dann Horden und Horden von Gegnern alleine zu töten und auch die beiden riesigen Wächterdruiden mit Glück und Sahne auszuschalten.

… und dann auch noch mit der verbleibenden Kraft den Kopfgeldjäger, der Mando schon einmal locker besiegt hat, aus dem Stiefeln zu hauen, inklusive der beiden Hutten selbst.

…alles allein natürlich, nur gelegentlich durch Grogus Niedlichkeit und einen Jedi-Trick unterstützt.

…und all das, nachdem man schon Gegnerhorden besiegt, die Drachenschlange überlebt und von ihrem Gift geschwächt ein paar Tage im Dschungel rumgelegen hat.

Sure.

Why not.

Hirn aus.

Spaß hat es trotzdem gemacht und ich habe einen Hutten als Äxte-schwingenden Arena-Kämpfer und Grogu-Freund wirklich gefeiert.

Tja, was soll ich sagen?

Der Film ist unterhaltsam. Wie eine lange Folge Mando eben. Wer auf einen komplexeren Plot und Logik zu Gunsten von “Pew Pew” und Monstern KOMPLETT scheißen kann, ist hier gut beraten – wie durch meinen unverbrauchten Sohn unterschrieben, der dem unsterblichen Plot-Armor-Man und Super-Baby mindestens 8, eher 9, Punkte geben würde.

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