Was kann Torchlight 2 im Vergleich zu Diablo 3 ?

Mehr als gedacht, überraschender Weise!

Aus Enttäuschung darüber, dass Diablo 3 so schnell langweilig wurde und weil Steam mich mit dem Kampfpreis von 18,99 Euro gelockt hat, habe ich am WE die ersten 3 Akte von Torchlight 3 durchgenerdet.

Der erste Eindruck von der Atmosphäre war trotz comicartiger Grafik, auf die ich seit WoW nicht mehr sonderlich abfahre, sehr gut. Den Diablo-Teilen nicht unähnlich, spawnte ich in gespannter Erwartung im verregneten Wald-Camp und holte mir meine erste Quest ab. Einfach so, ohne Error 37, sehr sympathisch.

Ich kann jetzt schon, nach 3 Akten und einer gespielten Klasse, sagen, dass Torchlight 2 einiges besser macht als Diablo 3 und dem Autonormal-Dungeonslayer für unter 20 Euro durchaus ein vollwertiges und unterhaltsames Spiel liefert. Pistolen, Gewehre, Maschinen, Roboter und andere „Gadgets“ schieben dabei die Fantasywelt so halb rüber ins Steampunk Genre, was ich in Vorfreude auf Dishonoured ebenfalls positiv verbuchen konnte.

Doch kann Torchlight 2 insgesamt wirklich mit dem diabolischen Blizzard-Schnetzler mithalten?

Auf der nächsten Seite gibt’s meinen Direktvergleich der wichtigsten Spielkomponenten.

Typisch comichaftes Torchlight: Knuddel-Orcs sind für Gems zuständig…

Grafik und Musik: Klar, in Sachen Atmosphäre kann Torchlight 2 nicht ohne weiteres mithalten. Zwar ist die comicartige Welt in sich stimmig und lebendig, doch mit dem düstereren und dämonischeren Flair von Diablo 3 kann es nicht mithalten. Vielleicht auch Geschmacksache an der Stelle.

Charakterauswahl: Torchlight 2 stellt zwar nicht 5, sondern nur 4 Recken für die Monsterhatz bereit, die sind jedoch mit Berserker, Engineer, Outlander und Embermage gut gewählt und interessant. Hier hat Diablo 3 vielleicht nur ganz leicht die Nase vorn.

Skills: Das Spielgefühl ist auch hier bei Diablo 3 besser. Es gibt einfach mehr Skills und diese sind vielfältiger in ihren Wirkungen und Darstellungsweisen. Mit meinem Engineer benutze ich fast nur meinen Flame Hammer und die dazu gehörigen Passiv Skills. Die anderen Klassen muss ich noch ausprobieren. Gut finde ich allerdings, dass man bis auf die letzten drei Skill-Punkte, die noch umverteilt werden können, festgelegt ist bei der Wahl der Talente. So kann nicht jederzeit auf das gerade gültige Nonplusultra gewechselt werden und die verschiedenen Chars besitzen eine gewisse Einzigartigkeit.

Items: Hier hat das erste Mal klar T2 die besseren Karten. Die Items, die man findet sind immer brauchbar und man findet häufiger und bessere Uniques. Man muss eigentlich nie Items im Shop kaufen, sondern spart sein Gold lieber für zusätzliche Verzauberungen oder Sockelungen. Im Gegensatz zu den nutzlosen Schmied-Items bei Diablo 3 und den lächerlichen Voraussetzungen für Gem Upgrades beim Jeweller haben mir die Items bei Torchlight 2 deutlich mehr Freude bereitet. Schmakerl wie bessere Unique Drop Rates bei Bossen und die Möglichkeit 4 nicht brauchbare in ein neues Random Unique zu schmelzen, runden es für mich ab.

Gegner: Hier hat Diablo 3 wieder leicht die Nase vorn, weil blutigere Todesanimationen und anspruchsvollere Rare Mobs einfach beim Monsterplätten mehr Spaß machen. Bei Torchlight 2 gibt es in erster Linie kleine Wuselgegner, mittlere Melees und Ranged und riesige Kolosse, die im wahrsten Sinne des Wortes plötzlich vor dem Spieler aus dem Boden wachsen. Die Taktiken unterscheiden sich dabei allerdings nie wirklich maßgeblich und die Grundkonzepte werden immer wiederholt. Außerdem geht nichts darüber die blökenden Ziegenmenschen bei D3 aus den Hufen zu hauen.

Leerlauf: Was ich damit meine? Na, das lästige Waffen Reparieren und in die Stadt Beamen, wenn mal wieder das Inventar voll ist. Das ist glorreich gelöst bei T2: Der Companion, den man sich zu Beginn des Spiels auswählt, hat ein eigenes Inventar, kann Sachen in der Stadt verkaufen und sogar neue Items kaufen gehen. Eigentlich muss man nie in die Stadt, wenn man nicht will, und kann in einem durchschnetzeln. Außerdem wurde auf den blöden Reparatur-Frust ganz verzichtet.

Single Player: Torchlight 2 hat einen, Diablo 3 nicht. Punkt.

Preis: T2 kostet nicht mal die Hälfte von Diablo 3.

Fazit: Natürlich hat Diablo 3 nach seinen 120 Jahren Entwicklungszeit in wichtigen Punkten wie Grafik und Spielgefühl die Nase vorne. Trotzdem hätte man im Entwickler-Team von Blizzard besser auch mal geschaut, was die Konkurrenz vielleicht besser macht und das im eigenen Titel berücksichtigt. Einfach mal weniger arrogant sein und nicht nur denken „wir sind Blizzard, wir sind die Größten, niemand macht bessere Games als wir.“ Vielleicht einfach mal nicht nur auf ein Echtgeld-Auktionshaus hin entwickeln, sondern die Langzeitmotivation der Spieler im Auge behalten.

Natürlich ist Torchlight 2 nun auf lange Sicht kein adäquater Ersatz, aber zu Diablo 3 zurückkehren werde ich auch nach noch so vielen Updates nicht. Die meisten Kunden verliert man eben nur einmal.

Über Thilo (1143 Artikel)
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