Supergirl hat Lobo unnötig verheizt

© Warner Bros. Pictures
6 von 10 Säufer-Sonnen
(wenn nicht ein erzürnter Lobo vorbeigerast kommt und mit seinem Haken einen Punkt hinfort reißt zu 5 von 10 abgespeckten Bösewichten…)
Schade!
Auch, wenn James Gunns Superman alles andere als perfekt war, so gab er mir doch die Hoffnung, dass nun der richtige Mann die Zügel des DC-Universums in Händen hält.
Nach Supergirl bin ich mir da leider nicht mehr so sicher.
Der weibliche Superman konnte, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht so wirklich abheben und mich mitreißen.
Und das, obwohl Milly Alcock einen wirklich hervorragenden Job macht und die “Woman of Tomorrow” perfekt verkörpert.
Außerdem werden wir mit einigen sehr schönen Outer Space-Settings und interessanten Actionszenen gut unterhalten.
Doch warum ist Supergirl trotzdem eine Enttäuschung?
Weil der Film zwischenzeitlich immer mal wieder etwas langatmig ist.
Dann wäre da das Problem mit den unbesiegbaren Kryptoniern, die jeden Drehbuchautor in die missliche Lage bringen erklären zu müssen, warum Gegner überhaupt eine Chance gegen die Quasi-Götter haben.
Diesmal werden nicht nur Kryptonit (das aber natürlich auch), sondern auch Gift, sowie eine rote und eine grüne Sonne bemüht. Aber letztlich dienen diese erzähltechnischen “Tricks” natürlich nur dazu, Supergirl lange genug zu knebeln, damit sowas wie Spannung aufkommen kann.
Und wenn die Kryptonierin dann endlich durch die Kraft der genau im richtigen Moment wieder aufgehenden gelben Sonne entfesselt wird, präsentiert uns der Film CGI, das leider hin und wieder ins Uncanny Valley abdriftet. Cringe…
Apropos künstlich und erzwungen.
James Gunn scheint sich nicht über seine eigene, unverkennbare Guardians of the Galaxy-Handschrift erheben zu können.
So sicher wie das Amen in der Kirche muss an mindestens einer Stelle jeden Films eine rasante Actionszene plötzlich abgebremst, in Zeitlupe abgespielt und mit ungewöhnlicher Musik unterlegt werden. Weil Herr Gunn sonst weinen muss.
Blöd nur, wenn diese Szene ansonsten aber komplett unlogisch ist.
Wenn z.B. einem kleinen Mädchen inmitten eines Zerstörungs-Orkans Kugeln, Panzer und Trümmer um die Ohren fliegen und man sich hinterher fragen muss, ob Supergirl noch alle Tassen im Schrank hat. Dass das Mädchen, das sie auch erst hätte in Sicherheit fliegen können, nur durch pures Glück überlebt hat, spielt keine Rolle. Hauptsache der James Gunn-Effekt schüttet Dopamin aus.
Aber hey, all das wäre ja noch fast erträglich gewesen, wenn man nicht eine furchtbare Sünde begangen hätte.
Warum wurde Lobo weichgespült?

© Warner Bros. Pictures
Der arme Jason Momoa tut mir leid. Seit einer gefühlten Ewigkeit erzählt er schon, dass er mal gerne den kosmischen Brutalo-Biker Lobo spielen würde.
Auch seine Fans haben diesen Moment herbeigesehnt, weil Momoa optisch einfach perfekt passt. Im Prinzip IST Jason bereits Lobo und braucht nur noch einen passenden Film, in den er hüpfen kann.
Aber das sollte auf keinen Fall Supergirl sein!
Man kann einen FSK18-Villain nicht in einen FSK12-Film packen, ohne ihn zu verstümmeln.
Wir erinnern uns: Lobo hat seinen eigenen Heimatplaneten Czarnia aus purem Spaß komplett ausgelöscht. Er ist ein psychopathischer Massenmörder, den noch nicht mal die Hölle haben will (weswegen er unsterblich ist).
Man hätte ihm also lieber, wie Deadpool, einen eigenen FSK18-Film spendiert.
Und wenn er sein Moped schon im Supergirl-Film aufheulen lässt, dann doch bitte als knallharter Endgegner! So ein ebenbürtiger Gegner hätte auch das Problem aus der Welt geschafft, dass Kara einfach zu stark ist…
Aber nö.
Stattdessen wird ein namenloser Kopfgeldjäger aus dem Woman of Tomorrow-Script gegen ihn ausgetauscht.
Was zur Folge hat, dass Lobo zur belanglosen Nebenrolle verkommt und wie ein “netter Rocker-Opa” wirkt.
Ich meine, ich verstehe das. Man konnte Lobo nicht Supergirl die ganze Show stehlen lassen. Aber ihn nur (eher kurz) einzubauen, damit man ihn im Trailer zeigen und mehr Eintrittskarten verkaufen kann ist arm. Grenzt an Verarschung.
Und dann bleibt man, wie nach jedem Superheldenfilm brav nach dem Ende sitzen, in der Hoffnung, dass Lobo vielleicht nochmal für einen Folgefilm angeteasert wird.
Wieder nö.
Als finalen Stinkefinger hatte Supergirl noch nicht mal eine After Credits-Szene zu bieten.
Nicht EINE.
Tja, was bleibt zu sagen.
Der Film hat gerade am Anfang seine Stärken. Die besoffene Kara durch die Bars ziehen und ulkige Außerirdische verprügeln zu sehen, hat Spaß gemacht.
Und man kann sich den Film als Popcornfilm für zwischendurch schon anschauen. Aber er schneidet gegen andere DC-Filme eher schlechter ab und ist auf jeden Fall ein Abwärtstrend.
Story- und Pacing-Schwächen, CGI-Aussetzer und, vor allem, die Enttäuschung keinen vernünftigen Endgegner, sondern nur einen Downgrade-Lobo-Sidekick vorgesetzt zu bekommen, ziehen Supergirl leider etwas nach unten.
Auch ohne rote Sonne. Schade.






