Captain America 3: Civil War ist einmal mehr marvelous Marvel

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9 von 10 verkrachten Bros

Immer wenn ich glaube, dass das Gespenst der Superheldenmüdigkeit endgültig seinen Tribut fordert, werde ich von einem weiteren Marvel Film bestens unterhalten. Gerade bei der Darstellung der Kämpfe hat Marvel in Sachen Einfallsreichtum, Spannung und Glaubwürdigkeit bei Captain America 3 noch mal eine große Schippe drauf gelegt. Blicke ich jetzt auf Cap 1 und Cap 2 zurück, haben wir es hier definitiv mit dem besten First Avenger-Film zu tun. Was allerdings auch ganz banal daran liegt, dass es sich mit einem derart gigantischen Superheldenaufgebot auch um den 3. Teil von Avengers handeln könnte. Und bei Marvels Händchen für die Darstellung Ihrer Heroen bedeuten mehr Superhelden einfach auch mehr Spaß im Kino. Simple Rechnung.

Und genau dieses Aufgebot von liebgewonnenen Helden, die uns alle im Verlauf des bisherigen Marvel Cinematic Universe ans Herz gewachsen sind, macht den Film so süffig und von innen wärmend. Ich hatte einfach – beinahe wie bei einer Sitcom – das Gefühl mit diesen Charakteren schon einiges durchgestanden zu haben und ihre jeweiligen Schicksale gingen mir nicht am Allerwertesten vorbei. Natürlich stand die Action trotz aller Themen wie Freundschaft, Loyalität und Politik ohne mit der blutenden Wimper zu zucken im Vordergrund.

Aber ist das etwas Schlechtes? Ist das zu „Mainstream“-tauglich und bald ermüdend?

Naja, ich frage mal anders: Hätte man nicht nach dem 10. oder 20. James Bond-Film fragen können, ob es jetzt nicht mal langsam reicht?

Die Antwort lautet – und es könnte im Zusammenhang mit den Avengers nicht passender sein – never change a winning team!

Wenn wir einen James Bond Film schauen, dann wissen wir, was wir bekommen: Einen unverwundbaren 007, der scheinbar durch jeden Schusshagel tanzen und sich aus jeder noch so ausweglosen Situation befreien kann; zur Not mit Hilfe eines haarsträubenden Gadgets, welches ihm die Bösen natürlich nicht abgenommen haben. Denn wer könnte schon ahnen, dass ein Superagent irgendwelche „Tricks im Ärmel“ hat? Dazu noch 1-2 Bond Girls, einen Martini und dann gut schütteln, aber nicht rühren. So gut wie jeder Bond-Film funktioniert immer nach diesem Rezept und doch schauen wir uns jeden weiteren an. Es ist einfach sowas wie eine liebgewonnene Tradition und wenn ich „Bond“ lese, dann weiß ich, was ich was drin ist.

Mit Marvel ist es genauso. Ich bekomme großes Kino mit bunter Superhelden-Action, die derzeitig state of the art ist. Und bei all dem Rums und Bums ist immer noch genug Zeit für Faxen und Humor. Was meines Erachtens auch nur logisch ist, denn Macht macht Laune. Wer hätte nicht ein paar kesse Sprüche auf den Lippen, wenn er Gegner mit Superkräften nach allen Regeln der Kunst vorführen könnte? Eine Lektion, die DC leider immer noch nicht so wirklich gelernt hat.

Gerade wenn ich Civil War mit DCs jüngstem Versuch eines Superhelden Showdowns vergleiche, hat Marvel deutlich die Nase vorne. Die politische Debatte im Film ist einfach eine deutlich bessere Grundlage für die Auseinandersetzung der beiden Avengers-Splittergruppen, als die etwas zu sehr konstruierte Schlägerei „Gott gegen Grobi“. Hier muss nicht erst durch Kryptonit der Boden für die Kampffläche geebnet werden, da durch 2 etwa gleichstarke Superhelden-Teams sofort ein relativ ausgeglichenes VS.-Verhältnis möglich ist. Dementsprechend haben die beiden „Atombomben“ Hulk und Thor von den Producern auch keine Eintrittskarte für den Kampf bekommen. Ein kluge Wahl, egal ob das dem Donnergott in den Kram passt oder nicht.

CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR Spot - Chris Hemsworth Chooses #TeamCap or #TeamIronMan (2016) Thor

Stattdessen bekommen wir neben Ant-Man, der endlich ein paar Tricks zeigt, die ich in seinem Solo Film vermisst hatte, die beiden Neuzugänge Black Panther, dessen akrobatische Kampfkünste teilweise den Gesetzen der Schwerkraft zu trotzen scheinen, sowie einen sehr jungen Peter Parker als Spiderman. Und gerade der Auftritt der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft, war äußerst erfrischend und hat im Kino für Begeisterungsstürme gesorgt.

Civil-War-Spider-Man

Nur eine Prämisse dieses Films hat mich etwas vor den Kopf gestoßen und überrascht.

Achtung Spoiler ab hier!

Die Nationen dieser Erde haben so langsam die Nase voll von den Zerstörungsorgien und den begleitenden Kollateralschäden, die die Rächer bei ihren Einsätzen verursachen, und wollen sie deshalb mit politischen Mitteln an die Leine legen. Der rechtschaffende Cap tut natürlich alles, um dem Gesetz zu dienen und im Sinne der Interessen der Menschen zu handeln, während der selbstverliebte Millionär Tony Stark, der sich jederzeit eine Armee kaufen und jedes Land in die Knie zwingen könnte, natürlich um jeden Preis seine Unabhängigkeit wahren möchte.

Klingt ja auch logisch, oder? Allerdings ist es im Film genau anders herum.

Zugegebener Maßen wird der Cap auch aus familiären Gründen dazu genötigt dem Staat den Mittelfinger zu zeigen, aber seine Grundhaltung ist, dass die Avengers immer unabhängig agieren können sollten, um das „Richtige“ durchzusetzen, egal wie viele Opfer das kostet. Das war für mein Empfinden nicht so richtig „Cap“. Und auf der anderen Seite reicht das Foto von einem Opfer des letzten Avenger-Einsatzes, dass der Waffenlieferant Tony Stark freudig unterschreibt, demnächst nur noch auf Anordnung agieren zu dürfen.

Das war etwas WTF.

Aber letztlich vertragen sich ja alle wieder und so richtig wehtun wollte ja auch kein Bro dem anderen. Insofern macht es für den Konflikt und die resultierende Action auch keinen Unterschied.

Marvel hat es für mich wieder geschafft. Ich möchte eigentlich nicht jeden ihrer (in gewisser Weise) vorhersehbaren Filme lieben, aber ich kann mich nicht dagegen wehren. So wie ich Batman vs. Superman eigentlich mögen will, aber ebenfalls nicht gegen meine inneren Barrieren gewinnen kann.

Über Thilo (1103 Artikel)
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