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Filmkritik: Captain America – Supersoldat mit scheiss Ausrüstung

cptamerica

6 von 10 Stars and Stripes

Bei der Übertragung der Comicfigur von Captain America in einen Realfilm gilt es Kostüm-technisch eine noch dickere Mauer der Albernheit zu durchbrechen als bei anderen Superhelden. Während Superman in langen Strumpfhosen und Stiefeln im Grunde schon recht albern anmutet (wenn man es sich mal genau überlegt), ist es nochmal deutlich peinlicher die Flagge des eigenen Landes als Kostüm zu tragen, gekrönt von einem Helm mit Flügeln drauf.

Somit verbringt Captain America einen guten Teil des Films damit zu erklären, warum der schmächtige aber gutherzige Steve Rogers zu einem Supersoldaten in leuchtenden „Stars and Stripes“ wird. Und tatsächlich baut der Film sehr solide und nachvollziehbar die Entstehungsgeschichte des Cap zusammen. Leider jedoch so solide, dass das Salz in der Suppe fehlt und man sich durch die eine oder andere langatmige und mit „Jeder-kann-ein-Held-sein-Attitude“-getünchte Szene gähnt.

Doch mit dem gut erklärten Kostüm-Problem ist nur eine Fußfessel abgeworfen. (Spoiler)

So gewappnet dringt er ins erste Nazilager ein...am hellichten Tag...oder war es Flutlicht-Beleuchtung?

Wie auch Batman und andere semi-mächtigen Helden bekommt der Cap häufig Probleme mit der Logik. Da er nicht unverwundbar ist wie Superman, muss er sein unzerstörbares Vibranium-Schild vor sich halten, um Kugeln abzuwehren. Dieses ist jedoch, damit es auch als tödlicher Diskus verwendet kann, recht übersichtlich in seinen Ausmaßen. Was im Klartext bedeutet: Liebe Nazis, schießt ihm doch einfach in den Rücken, oder ballert ihm die Füße ab! Klar, versucht das noch nicht mal einer, sonst wäre ja der Film sofort vorbei. Im Gegenteil, man kann auch besonders lächerliche Angriffe starten: Erfinder Stark betont, dass der Anzug des Cap den Stich eines Bajonetts abhalten kann, aber man ja wohl kaum davon ausgehen könne mit so einer veralteten Waffe attackiert zu werden. Trotzdem versucht später ein Nazi den Cap mit einem Taschenmesser (!) anzugreifen…Überhaupt macht es wenig Sinn Rogers außer seinem Superschild viele andere Waffen vorzuenthalten. Egal wie geschickt er mit seinem unzerstörbaren Diskus die Nazis von den Füßen holt, mit einem Desintegrationsgewehr in der anderen Hand wäre er noch effektiver. Er ist doch genauso Soldat wie alle anderen!? Wieso ihm ein Superserum einflößen, aber ihm dann die Waffen wegnehmen? Damit er nicht ZU krass abgeht?

Leider leidet der Film auch unter zu vielen „WTF-Momenten“, welche das Auftreten des Cap manchmal ein wenig lächerlich erscheinen lassen. Wenn Captain America quer durch ein Lager läuft, um die große Amerika-Flagge auf seinem Rücken zu präsentieren, macht es einfach wenig Sinn, dass das hundert Soldaten nicht auffällt und niemand Alarm ruft. Hier wäre doch eine gute Möglichkeit gewesen die Schwäche des Cap ehrlich aufzudecken, um dann zu einer beinharten Actionszene überzuleiten, in der der Cap alle Nazis gepflegt zusammenstaucht. Solche Szenen gibt es zwar, doch sie sind viel zu selten und man sehnt sich bis zum Schluss nach mehr Action in einem Film über den größten Supersoldaten aller Zeiten.

Die Handlung ist zwar stimmig aber langweilig. Der Cap sieht beeindruckend aus (Der Schauspieler wurde für die schmächtige Version des Cap per Computer zum Würstchen runtergerechnet), aber hat kaum Ausstrahlung. Manchmal nervt er geradezu mit seiner „Braver Junge“-Aura. Einzig der Red Skull, gespielt von Agent Smith, alias „Hugo Weaving“, würzt den Film mit ein paar amüsanten Spracheinlagen. Insgesamt ist jedoch auch der Anführer der „Hydra“, einer Splittergruppe der Nazis, zu wenig einschüchternd. Sein roter Schädel sieht eher lustig aus als furchteinflößend. Ich hatte das Gefühl ihn durch Quetschen zum Quietschen bringen zu können.

Was soll man abschließend über den Film sagen? Irgendwie verschenkt er viel Potenzial, wie auch Green Lantern vor ihm. Die 30er/40er Jahre-Optik ist gelungen und die Spezialeffekte (in erster Linie blaue Desintegrationsstrahlen aus den Gewehren der Hydra-Soldaten und das resultierende Auflösen der Gegner) sehen gut aus. Doch trotz allem wird man das Gefühl nicht los, dass der Film nur das letzte Puzzlestück für den kommenden Avengers-Film ist und mehr auch gar nicht sein möchte. Auch daran zu sehen, dass die Rahmenhandlung beschreibt, warum der Cap 70 Jahre Kälteschlaf hält, damit er dem Team der Avengers beitreten kann.

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2 Kommentare zu Filmkritik: Captain America – Supersoldat mit scheiss Ausrüstung

  1. hab den film sehr genossen und ihn als einen der besten superhelden filme eingestuft, allerdings muss ich dir in den kritikpunkten recht geben. danke, dass du die tollen erinnerungen schlecht gemacht hast 😛

    • Sowas ist ja auch immer ein wenig subjektiv. Bei mir kommt natürlich hinzu, dass ich mit dem Cap nie viel anfangen konnte. Hab die Comics nie gelesen und war immer eher der Batman – Spiderman -Superman – Fanboy.

      Der Film ist sicherlich solide und überdurchschnittlich, deshalb ja auch 6 von 10. Aber mehr kann ich ihm im Vergleich zu anderen Superheldenfilmen einfach nicht geben. Dafür hätte er für mich persönlich mehr die Scheisse rocken müssen. 😉

      Andere fanden den „Superhelden-Anteil“ vielleicht absolut ausreichend. Aber wenn ich zuück denke, hab ich keine wirklich atemberaubenden Szenen mehr in Erinnerung… Naja GEschmackssache. Ich glaube, ich hatte zu hohe Erwartungen. Mir war der Cap zu „brav“… und SO brav ist Amerika garnicht 😉

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