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10 erinnerungswürdige Screens meiner PC-Gaming-Karriere

Zeitzeugin Guddy hatte neulich, vermutlich aus einer Bierlaune heraus, die Schnapsidee, von gleichgesinnten Nerd-Bloggern eine Essaysammlung zum Thema „Wir spielen“ schreiben zu lassen.

Und da ich außer Schnaps trinken natürlich nichts zu tun habe, komme ich meiner Einladung dazu hiermit nach. Zunächst hatte ich keinen Schimmer, was zum Henker ich zu diesem weitläufigen Thema überhaupt beitragen könnte. Doch dann erinnerte ich mich an den Artikel „129 Of The Most Beautiful Shots In Movie History“, den mal jemand auf Gesichtsbuch verlinkt hatte. Et voila, „129 erinnerungswürdige Screens meiner Gaming-Karriere“ war geboren. Weil ich aber in diesem Leben noch fertig werden möchte, werde ich mich im Folgenden mal nur auf PC Spiele konzentrieren und auch nur meine 10 Favoriten vorstellen.

Ich beginne mal chronologisch ganz früh, das war noch zu Schulzeiten, und ende dann mit den aktuellsten Titeln. Dann schnallt euch mal an, setzt euren Skyrim-Wikinger-Helm auf und dann stürmen wir los!

Doom (1993)

Doom

Doom war mein erstes 3D-Spiel. Nachdem ich es bei einem Freund gezockt und mit einer Kettensäge wahnsinnig lachend Dämonen zersägt hatte, beschloss ich mir meinen ersten PC zu kaufen. Der Kulturschock dieses 3D-Splatter-Erlebnisses schien mir ein würdiger Grund zu sein die Konsolen-Ära hinter mir zu lassen und meinen Eltern zu verklickern, dass ich demnächst mal professionell am PC arbeiten möchte. Der Screen oben zeigt 2 Komponenten des Spiels, die mich besonders an Doom fasziniert haben: Die fliegenden „Ball-Dämonen“, die mich so sehr an die Beholder aus D&D erinnerten und die BFG. Ich meine, ein jugendliches Gehirn wie meins musste wohl von einer BIG FUCKING GUN zwangsläufig tief beeindruckt sein.

Gothic (2001)

altes-lager-gothic

Der nächste Kulturschock wartete erst einige Jahre später auf mich, als 3D-Welten noch glaubwürdiger wurden und anfingen mein Lieblingsgenre “Fantasy” zu bedienen. Gothic war für mich eine Offenbarung. Das erste Mal gab es recht glaubwürdige Wettereffekte, Tag- und Nacht-Wechsel und eine, für damalige Verhältnisse, epische Weitsicht ins Gelände. Ich verbrachte unzählige Stunden damit unter einer magisch-schillernden Barriere zwischen den Lagern der 3 Fraktionen hin und her zu joggen. Wenn die NPCs des Nachts anfingen sich um Lagerfeuer zu scharen und Fleisch zu braten, war ich im siebten Spielehimmel. Doch ich werde niemals den Moment vergessen, als ich mit meinem namenlosen Avatar diesen Gebirgsweg entlang lief, welcher dann das erste Mal den Blick auf das alte Lager mit seinem Turm freigab. Zuvor hatte mir noch nie so heftig ein Hauch von Abenteuer in Form von Pixeln ins Gesicht geblasen.

Baldur’s Gate 2 (2000)

baldur’s gate 2 firkraag

“Ah, the child of Bhaal has awoken. It is time for more … experiments!” Die Stimme von Irenicus, dem verrückten Erzmagier, tönt noch immer in meinen Ohren und lässt mich angenehm erschaudern. Baldur’s Gate 2 war für uns Dungeons & Dragons-Süchtigen DIE Offenbarung, auf die wir lange gewartet hatten. Sich frei mir einer Heldengruppe, wie man sie aus dem Pen & Paper kannte, in den vergessenen Reichen zu bewegen, war der Stoff aus dem Gänsehaut ist. Eine der aufregendsten Quests im Spiel war für mich die des Adligen Lord Jierdan Firkraag, welcher sich später als ein verwandelter roter Drache entpuppte. Diesen das erste Mal in seinem Dungeon zu sehen, war einer dieser erinnerungswürdigen Momente in RPG Games. In Epik nur noch überboten durch den folgenden, blutigen und häufig nachgeladenen Kampf. Ich erinnere mich, dass es eine gute Idee war, sich die Firkraag-Quest für höhere Stufen aufzubewahren.

Vampire: The Masquerade – Bloodlines (2004)

bloodlines werewolf

Wo wir gerade bei Pen & Paper-Gänsehaut sind: Vampire: The Masquerade – Bloodlines war das erste (und leider auch bisher letzte) Computerrollenspiel, welches es schaffte durch stimmige Bilder und Musik die düstere Atmosphäre der World of Darkness einzufangen. Besonders die teilweise haarsträubenden Quests konnten mit einer unglaublich dichten Atmosphäre aufwarten. In Chinatown einen Fischdämon aufzureiben oder mit meinem Celerity 5-Toreador in einer Untergrunddisko Horden von Gegnern, die sich scheinbar nur noch in Zeitlupe zu bewegen schienen, mit meinem Katana in feine Streifen zu schneiden, waren unglaublich spaßige Erfahrungen. Der jedoch erinnerungswürdigste Moment war die wirklich furchteinflößend in Szene gesetzte Begegnung mit einem Werwolf. Der Screen wird dem Horror, vor diesem Vieh zu türmen, eigentlich kaum gerecht. Aber wer Werwölfe aus dem Pen & Paper kennt, kann sich vorstellen, dass Rennen und sich den Arsch abfürchten die einzige Option war.

Fallout 3 (2008)

fallout3 dogmeat

Fallout 3 hat meine Rezeptoren für das Genre “Endzeit” überhaupt erst geöffnet. In einer Stadt namens Megaton, die von religiösen Fanatikern um eine vielleicht noch scharfe, aber nicht explodierte Atombombe herum aufgebaut worden war, zu wohnen, war SO verdammt abgefahren. Und es hat echt Spaß gemacht, sich seine eigene Bude einzurichten und den Kühlschrank mit Nuka Colas vollzustopfen. Auch wenn die meisten von uns die Stadt später mit all ihren Einwohnern in die Luft gejagt haben. Wer konnte da schon wiederstehen? Doch die erinnerungswürdigste Szene war tatsächlich die, die von Bethesda auch immer für Promo-Zwecke benutzt wurde. Ich gehe nur von meinem treuen Hund begleitet, durch die zerstörten Städte der Postapokalypse. Ein unvergleichliches Mad Max-Gefühl.

LIMBO (2010)

limbo spider

Über die unglaubliche Creepyness von Limbo hatte ich bereits berichtet. Der Puzzle-Platformer ist komplett in Schwarzweiß gehalten und handelt von diesem Kind, welches in einer alptraumhaften Welt voller Riesenspinnen und Fallen gefangen ist. Das Game fühlt sich an wie eine Mischung aus Alice im Wunderland und SAW. Großartiges Material zum in die Hose scheißen also. Doch die erste gigantische Spinne, die man im Spiel durch einen Trick (glaube ich) überwinden muss, hat bei mir den größten Eindruck hinterlassen. Dieses Bild steht für mich als Hobby-Arachnophoben für diverse Alpträume, die ich bereits hatte und erinnert mich symbolisch an unschöne Situationen, die man manchmal im Leben hinter sich bringen muss.

Brothers: A Tale of Two Sons (2013)

Tale of two Brothers trauriges ende

Brothers ist tatsächlich eines der geilsten, weil emotionalsten Spiele, die ich je gespielt habe. Darin gab es so viele erinnerungswürdige Szenen, dass ich einen eigenen Artikel darüber verfassen müsste, um der Großartigkeit dieses Titels gerecht zu werden. Symbolisch habe ich diesen Screen gewählt, der den bereits traurigen Ausgangspunkt der Geschichte zeigt: Die Mutter zweier Brüder ist bereits tot und der Vater ist todkrank. Nun muss der Spieler die beiden Halbstarken GLEICHZEITIG durch ein Märchenland steuern, um eine heilende Medizin für den Vater zu finden. Die Bindung, die zwischen den Brüdern allein durch die Steuerung entsteht, ist phänomenal. Es gibt nicht viele Spiele, die mich, einen erwachsenen Mann, einfach mal so zum hemmungslosen Weinen bringen konnten. Eigentlich sonst keins. Wer das nicht gezockt hat, hat was verpasst.

Wolfenstein – The New Order (2014)

Wolfenstein – The New Order Engel

Unabhängig von meinem Indiana Jones-Nazi-Fetisch, habe ich Wolfenstein – The New Order besonders wegen seiner vielen grafisch eindrucksvollen und exotischen Schauplätze geliebt. Die Atmosphäre, die durch die Inglorious Basterds-artigen Cut-Scenes und eben diese Grafikpracht entsteht, macht dieses Game zu einem der besten Ballerspiele aller Zeiten. WENN ihr auf Horror Games steht! Denn durch verschiedene Schockmomente und „Jump Scares“, wie der Ami so schön sagt, ist der Nazi-Terror in diesem Wolfenstein wahrhaft grauenvoll und scheußlich schön. So „scheußlich schön“ wie Frau Engel oben, die unerwartet ins Bild taumelte, als ich dachte, die erbarmungslose Nazi-BITSCH endlich ein für alle Mal beseitigt zu haben. Eine erinnerungswürdige Szene und Stoff für Alpträume.

Alien Isolation (2014)

Alien Isolation evakuierungszug

Als die ersten Let’s Plays durch Youtube geisterten, wie verängstigte Passagiere an Bord eines Raumkreuzers, war sofort klar: Das beste Alien Game aller Zeiten ist eingetroffen. Obwohl mir die konsequente Opferrolle bei Alien Isolation irgendwann zu viel und das Dauersterben zu nervig wurde, muss dieses Game zu den atmosphärisch dichtesten Horror Games aller Zeiten gezählt werden. Gerade für Fans der Alien-Filme ist es ein unvergessliches Erlebnis in einem Klamottenspint die Luft anzuhalten, damit das Alien vorbei geht und man noch mal leben darf. Was dieses Game durch Licht- und Geräusch-Effekte mit der völlig außer Kontrolle geratenen Vorstellungskraft des Spielers macht, ist beinahe abartig. Doch die Szene, die meine Nerven wirklich fast zum Zerreißen gebracht hat, war das Warten auf den scheiß Evakuierungszug. Durch das Anschwellen der Geräuschkulisse aus Gaslecks, Bränden und allgemeinem Raumschiff-Knirschen und gleichzeitigem Lauterwerden der Musik war das ewige Warten auf den Zug unerträglich. Ständig habe ich mich gehetzt umgeschaut. Natürlich kam an der Stelle kein Alien. Unsichtbarer Terror vom Feinsten.

Witcher 3 – Wild Hunt (2015)

witcher 3 sonnenstrahlen

Dieser Screenshot aus Witcher 3 – Wild Hunt soll hier stellvertretend für tausende Screenshots dieser Art stehen: Bei Sonnenauf- oder –untergang brechen die Sonnenstrahlen durch die Wälder und tauchen den Monsterjäger in schimmernde Lichtflecken. Ist wirklich lange her, dass ich einen kleinen Kulturschock hatte, doch die Polen haben es wirklich geschafft. Witcher 3 ist das bislang schönste Game, was ich gespielt habe. Es hat mich bisher zwar noch nicht zum Weinen gebracht, schafft es aber regelmäßig mich zum Schluchzen vor Unglauben und Freude zu bringen. Das Weinen könnte natürlich durch die Story noch passieren, da ich das Spiel aus Zeitgründen bisher noch kaum zocken konnte. Doch ich werde es immer mal wieder spielen und mich in der atemberaubenden Schönheit der Witcher-Welt verlieren. Mein nächster Plan ist es, mit dem Boot über das sturmumtoste Meer zu den Skellige Inseln zu fahren. Ein Freund hat mich bereits vorgewarnt, dass Musik und Grafik dort dem härtesten Mann die Tränen der Rührung in die Augen treiben.

Über Thilo (1496 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.

3 Kommentare zu 10 erinnerungswürdige Screens meiner PC-Gaming-Karriere

  1. Whoop Whoop,

    was ist mit Speedball 2, Lemmings, MOONSTONE? :p
    Oder Karate Kid und endlich das ferngesteuerte Auto schlagen und dann zum Essen gerufen werden indem mein Vater einfach unser Master System deaktiviert hat? Ich glaube diese Horror Ereignisse muss ich auch mal zusammenschreiben.

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