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Die 10 fiesesten fiktionalen Krankheiten

Eine 14 Monate alte Kopie von mir blinzelt müde und kraftlos, während sie sich auf meiner Brust aushustet. Der Kleine hat das für Babys nicht unübliche 3-Tages-Fieber hinter sich, gut erkennbar am Ganzkörperausschlag, der aber glücklicher Weise wieder weg geht. Irgendwo im Hintergrund höre ich seine Mutter herzerweichend husten und keuchen, während sie die Grippeviren verflucht. Und mittendrin bin ich und halte die Standarte des Hauses im Sturm der Bazillen und Viren tapfer alleine hoch. Ganz schön anstrengend. Besonders weil ich auch leichte Benommenheit und Kopfschmerzen verspüre, die davon künden, dass ich vielleicht das nächste Virenopfer sein könnte.

Doch ein Gutes hat die Seuchensituation hier: Ich komme auf die Idee euch mit einer lustig-ekligen Liste der 10 sonderbarsten fiktionalen Krankheiten in Film und Literatur zu beglücken. Und weil alles im Leben zwei Seiten hat, liste ich euch für jede Krankheit auch alle Vor- und Nachteile auf. Starten wir mit dem Evergreen:

Der Zombie Virus

Deathdream (1974)

Deathdream (1974)

Seit Night of the Living Dead können Zombies ja auf mannigfaltige Weise entstehen: Durch außerirdische Sporen, die dunkle Magie eines Vodoozaubers oder abgelaufene Cornflakes. Seit dem Rage Virus in 28 Days Later oder dem T-Virus in Resident Evil hat sich jedoch die Fahrlässigkeit der Wissenschaft als Lieblingsgrund etabliert. Wenn ihr befallen seid, merkt ihr das in erster Linie dadurch, dass euer Hunger auf Hirn in dem Maße steigt, wie eure eigenen grauen Zellen an Leistungsfähigkeit verlieren. Ach ja, und ihr verwest bei lebendigem Leibe.

Vorteile: Kulinarisch einfach mal Neuland betreten und sich im Freundeskreis als „Hirn-Connaisseur“ hervortun. Außerdem steht mit der allgemeinen Faulheit der Fäulnis in eurem Körper ausgedehnten Filmabenden in gemütlicher (und blutverschmierter) Jogginghose endlich nichts mehr im Wege.

Nachteile: Tinder könnt ihr jetzt echt abhaken. Wer wie ein lebender Verkehrsunfall aussieht, kommt nicht mehr zum Schuss. Den werdet ihr aber früher oder später hören, wenn der Möchtegern-Chuck Norris eurer örtlichen Delta Force euch die verwesende Murmel runterschießt.

Heilung: Die richtigen Forscher können, abhängig vom Virus, vielleicht einen Impfstoff für den Rest der Menschheit entwickeln. Für euch gibt es nur die gute alte Schrotflinte zum Kopf.

Cabin Fever

Kennt ihr noch diesen Horrorfilm von Eli Roth aus 2002? Lagerkoller hieße der Titel wohl wörtlich übersetzt, würde jedoch dem moderaten Horror der Situation in einer Waldhütte nicht ganz gerecht. Denn wer an diesem seltsamen Fieber erkrankt, fault bald schneller weg als der ehrgeizigste Zombie. Irgendein fleischfressender Virus sorgt nämlich dafür, dass die Opfer sich selbst bei ihrer eigenen Desintegration zuschauen können. Bäh. Sogar so bäh, dass ich nicht bereit war ein Bild dazu rauszusuchen.

Vorteile: Endlich keine Akne mehr! Die fallen nämlich einfach mit ab. Außerdem gute Nachricht für alle Hackfressen: Bald ist sie ab! Äh, ok, mir fallen keine WIRKLICHEN Vorteile ein.

Nachteile: Keine. Ernsthaft? Muss ich die jetzt auflisten? Ein ekelerregender, schmerzhafter und degradierender Tod, wie er nur aus einem verdammt kranken Hirn entspringen kann. Nicht ok, Eli, nicht ok.

Heilung: Also, in dem Film verwandeln sich recht schnell alle Mann in Hack, soweit ich weiß. Also: Nope.

Lykanthropie

American Werewolf (1981)

American Werewolf (1981)

In vielen Sagen und Legenden ist Lykanthropie durch Magie oder einen Fluch zu Stande gekommen. Doch häufig scheint sich diese „Krankheit“, ähnlich wie Tollwut, auch durch einen Biss übertragen zu können und taucht deswegen in dieser Liste auf. Wenn ihr euch mit dieser Scheiße infiziert habt, wird euer Freundeskreis schnell kleiner werden. Leider jedoch nicht, weil die Leute sich von euch abwenden, sondern weil ihr sie alle zerfetzt habt, bis ihr endlich schnallt, dass ihr diese „Bestie“ seid, von der im Fernsehen immer die Rede ist.

Vorteile: Leute, wie ich, die sich nur schwer einen wirklich dichten Vollbart wachsen lassen können, haben ab sofort keine Probleme mehr. Außerdem sind die neugewonnenen Wolfssinne bestimmt nützlich; besonders, um im Sommer auch Kilometer gegen den Wind den nächsten Grill riechen zu können.

Nachteile: Die schmerzhafte Verwandlung immer zum vollen Mond, nebst zermarterndem Psychoterror in den Stunden vorher. Und wenn mal die Fußkette im Gartenhäuschen reißt, stehen wieder so unschöne Zwischenfälle in der Zeitung. Außerdem werdet ihr vermutlich eines Tages von einer silbernen Kugel „erlöst“.

Heilung: Da gibt es verschiedene Ansichten: Zu einer bestimmten Uhrzeit eine Tollkirsche essen, den Urwerwolf finden und töten oder sonstige Rituale sollen den unfreiwilligen Verwandlungszyklus durchbrechen können.

Vampirismus

Interview with the Vampire (1994)

Interview with the Vampire (1994)

Verwandt mit der Lykanthropie ist der durch den Biss eines Vampirs übertragbare Durst nach Blut. Wir reden hier nicht von tragischen Goths oder wimmernden Emos, die sich gerne öfter mal ein Gläschen Rotwein gönnen, um sich in Gedanken über die Sterblichkeit und Sinn und Unsinn des Universums zu verlieren. Nein, wenn ihr „verwandelt“ wurdet, seid ihr wirklich untot und eure Leidenschaft Pokemon zu sammeln wird komplett durch die Gier nach Blut ersetzt. Ein furchtbares Schicksal, oder?

Vorteile: Häufig geht die „dunkle Gabe“ (Danke Interview mit einem Vampir) mit unterschiedlichen Fähigkeiten einher. Endlich könnt ihr fliegen, euch in einen Wolf verwandeln, seid superstark oder könnt Politessen mit nur einem Hieb eurer Klauen enthaupten.

Nachteile: Für Freibad-Fans und Sonnenbank-Jünger habe ich jetzt eine schlechte Nachricht. Ihr werdet nun mit einem Nachtschwärmer-Dasein im 80er-Jahre Neonlicht vorlieb nehmen müssen. Und zwar für immer. Und ich meine immer IMMER. Der größte Nachteil dürfte nämlich die Unsterblichkeit sein, die euch irgendwann erst in furchtbare Langeweile und dann in den Wahnsinn treibt, wenn ihr alle Staffeln von Buffy the Vampire Slayer zum Millionsten Mal durchgeguckt habt.

Heilung: Manchmal wird das Vampir-Dasein mit einer Art Blutkrankheit gleichgesetzt, die durch eine Bluttransfusion behoben werden kann (siehe Blade oder Near Dark). Doch meistens hilft verlässlich nur der Holzpflock ins Herz. Nach dessen Anwendung ihr euch zum schallenden Lachen eurer Freunde, blitzschnell alternd, in ein ungefährliches Häufchen Schleim verwandelt und bequem in den Rindstein gekehrt werden könnt.

Dämonische Besessenheit

The Exorcist (1973)

The Exorcist (1973)

Ok, hier könnte jemand argumentieren, dass die feindliche Übernahme des eigenen Körpers durch einen Dämon kein Parasit, sondern ein übernatürliches Ereignis ist. Doch wer mal den Exorzisten gesehen hat, wird sich angesichts von so viel grünem Schleim sehr lebhaft an seine letzte schlimme Erkältung erinnert fühlen. Wenn ihr also von Satan oder einem niedrigeren Tunichtgut übernommen wurdet, werdet ihr in eurem Familien- und Freundeskreis schnell auf vehemente Ablehnung stoßen. All das Fluchen, Schleim spucken und Morden ist aber auch echt anstrengend.

Vorteile: Ihr könnt rückwärts die Wand raufkriechen und Scherzanrufe werden mit eurer neuen bedrohlichen Stimme eine wahre Freude. Außerdem könnt ihr mit euren Kotzattacken Oma endlich ein für alle Mal klar machen, was ihr von ihrer Donauwelle haltet.

Nachteile: Ihr seid nicht mehr wirklich Herr eurer Sinne oder eures Körpers und werdet vermutlich früher oder später von anderen oder euch selbst unschädlich gemacht. Eure Freundin macht mit euch Schluss, weil ihr auf die Frage „Findest Du mich fett“ ungewohnt aggressiv und schonungslos geantwortet habt.

Heilung: Exorzismus durch einen von oben bis unten vollgespuckten Exorzisten, der Montage hasst und sich mal wieder über einen Jobwechsel Gedanken macht.

Parasitäre Alien Schwängerung

Alien (1979)

Alien (1979)

Hach, wie ich die Alien-Filme allesamt liebe! Doch die Vorstellung vom schleimigen Rüssel eines Facehuggers gesichts-penetriert zu werden, nur um dann einige Zeit später bei der Geburt eines hässlichen Aliens den Löffel abzugeben, ist echt grauenhaft. Unter allen Parasiten, die ihr euch so einfangen könnt, sind säurespuckende Xenomorphs sicherlich ganz weit vorne mit dabei.

Vorteile: Als Mann könnt ihr endlich auch mal das wunderbare Gefühl der Schwangerschaft erleben und seid beim Wunder der Geburt hautnah dabei! Außerdem auch hier wieder die wunderbare Gelegenheit beim Buffet der nächsten Halloween-Party zum erinnerungswürdigen Highlight zu werden.

Nachteile: Ihr habt nicht mehr wirklich lange zu leben, denn bei der Geburt des fiesen Monsters wird euer Brustkorb gesprengt. Und als kleinen Bonus tötet das Alien, was aus eurer Leiche schlüpft auch noch all eure Freunde und Verwandten. Nice.

Heilung: Theoretisch möglich, wenn die Schwängerung frühzeitig erkannt wird und Chirurgen euch den fiesesten Tequila-Wurm aller Zeiten schnell genug rausschneiden können.

Dämonenfäule

Vor gefühlten 100 Jahren, als ich mit Das schwarze Auge meine Pen & Paper-Karriere startete, musste ich mich stets über die lustigen Krankheiten im Handbuch bekringeln. Neben so Spaß-verheißenden Krankheiten wie „Blutiger Rotz“ hatte es mir besonders die Duglumspest, alias Dämonenfäule, angetan. Wer diese Diagnose von seinem Arzt aufgetischt bekommt weiß einfach instinktiv, dass die Scheiße gerade den Ventilator getroffen hat. Wenigstens kann diese Krankheit nur bei der Beschwörung von gehörnten Dämonen auftreten. Also, egal wie groß die Versuchung ist: Lasst das lieber.

Vorteile: Keine. Echt keine.

Nachteile: Im Verlauf von 7 Wochen siecht ihr grauenvoll dahin. Erst bekommt ihr juckende und schmerzende Beulen, die unter Krämpfen, Erstickungsnot und Todesangst
eitrig aufbrechen. Dann – und das ist besonders perfide – heilt alles ab und Hoffnung und Lebenslust kehren kurzzeitig zurück. Doch dann schält sich urplötzlich eure gesamt Haut ab und gibt eine neue, ekelerregende Dämonenhaut frei. Dabei erhaltet ihr Einblick in Welt der Dämonen, was euch den Verstand raubt. Falls ihr dann immer noch nicht selbst einen Schlussstrich gezogen habt, zerfallt ihr am Ende der 7 Wochen automatisch zu einem Häufchen stinkender Asche. Tadaaaaa. The End.

Heilung: Wahrscheinlich durch mächtige Magie. Viel Glück!

Methuselah Syndrome

Bei Blade Runner gibt es diese Krankheit, bei der ihr schneller altert. Als wäre das Leben nicht schon kurz genug. Seufz.

Vorteile: Alle minderjährigen Opfer, die es einfach nicht abwarten können, endlich erwachsen zu werden, werden bald erlöst sein: Bier und Filme ab 18 sind in greifbarer Nähe.

Nachteile: Trinkt am besten Bier als gäbe es kein Morgen und legt einen Film-Marathon nach dem nächsten ein, denn die Uhr tickt. Also macht es so, wie wir es eigentlich ohnehin alle machen.

Heilung: Am besten wartet ihr die nächste Singularität der menschlichen Entwicklung ab und lasst euch mittels Nanorobotern oder anderer Technologie in eine Art unsterblichen Cyborg verwandeln. Ach ne, Zeit ist ja das, was ihr nicht habt. Shit, da war ja was. Ne, dann ist’s doof gelaufen.

Die “Thing Cells”

 The Thing (2011)

The Thing (2011)

Dieser seltsame außerirdische Virus aus John Carpenters The Thing geht eine komplette Symbiose mit jeder Zelle seines Wirts ein. Dabei wird jede infizierte Zelle eine eigenständige Lebensform, die überleben und möglichst viele neue Zellen infizieren möchte. Klingt jetzt schon großartig, oder? Da Wissen und Erinnerungen des Opfers weiterhin vom Virus genutzt werden können und dieser auch noch grandiose Gestaltwandler-Fähigkeiten besitzt, ist die Seuchen-Gefahr bis hin zur Auslöschung der Menschheit entsetzlich hoch. Falls ihr also merkt, dass ihr gerade infiziert wurdet, wäre es nett, wenn ihr freiwillig und ohne zu zögern in den nächsten Hochofen springen könntet. Vielen Dank für ihre Kooperation.

Vorteile: Ihr könnt euch kurzzeitig in alles und jeden verwandeln und eine Menge Schabernack treiben.

Nachteile: Doch leider seid ihr bei all dem nur noch eine Art Voyeur, da euer Körper ja bereits fremdgesteuert wird. Aber hey, wenn das euer Ding ist…

Heilung: Nope, sorry. Es sei denn wir sind bereit an dieser Stelle eine Einäscherung jeder einzelnen Zelle eures Körpers durch einen Flammenwerfer als „Heilung“ zu betiteln.

Bonus Eruptus

Bonus Eruptus ist eine von Quacksalber Dr. Nick Riviera erfundene Krankheit in The Simpsons. Dabei versucht das Skelett des Kranken durch dessen Mund ins Freie zu springen und wegzurennen. Klingt relativ plausibel, finde ich.

Vorteile: Vielleicht, dass es schnell vorbei ist? Ansonsten könntet ihr versuchen das Skelett einzuhalten bis zur nächsten Halloween-Party und es dann als den Gag des Abends entkommen zu lassen.

Nachteile: Ohne Knochen hat der Körper irgendwie nicht den richtigen Halt. Ihr fühlt euch häufig ausgeleiert, schwabbelig und antriebslos. Außerdem war im Schädel des weggerannten Skeletts noch euer Gehirn drin. Ich würde also erstmal an keinen Spielshows mehr teilnehmen oder versuchen Kreuzworträtsel zu lösen.

Heilung: Na klar! Ihr rennt noch ein bisschen als grinsendes Skelett durch die Botanik und sucht euch dann einfach einen neuen „Hautanzug“. Easy. Wait, what?

Über Thilo (1635 Artikel)
<p>Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.</p>

5 Kommentare zu Die 10 fiesesten fiktionalen Krankheiten

  1. Jo, die Duglumspest war nice. Deswegen hab ich so ein Viehzeug nie beschworen.

  2. Dave Doktor
    Dämonenfäule best

  3. Könnte es sich bei den heimischen Viren denn um eine dämonenbesessenheit handeln? Prüfung das besser mal nach.
    Ich kontrolliere solange mal die ablaufdaten meiner cornflakes.

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Anderwelt – September 2016 « Zeilenendes Sammelsurium

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