Zeitmaschine (vor 500 Artikeln):

Ich glaube das Dauersterben bei Alien: Isolation ist auf Dauer nichts für mich

sevastopol

Im Weltraum hört Dich niemand schreien! Meine Nachbarn hingegen hören meine kleinen Aufschreie bestimmt sehr gut, wenn mich das Alien mal wieder unvermutet aus einer dunklen Ecke anspringt. Alien: Isolation ist ein vor Atmosphäre und Grafikpracht nur so strotzendes Horror-Survival-Game. Es ist auch sicherlich das beste Alien-Game überhaupt. Aber fängt es auch die wichtigsten Elemente des Alien-Universums ein? Aber fangen wir mal vorne an.

Alien_TrilogyIch erinnere mich noch genau an die Gänsehaut, als der Motion-Tracker zu knatterndem Dasein erwachte. Damals bin ich im abgedunkelten Zimmer eines Kumpels das erste Mal auf Alien-Jagd gegangen. Auf der guten, alten Playstation 1 durften Xenomorph-Fans bei Alien Trilogy das erste Mal grafisch ansprechend Aliens und Facehugger mit Hilfe von Schrotflinte, Flammenwerfer und der legendären Pulse Rifle zu Säurepfützen reduzieren. Seitdem ist viel Zeit vergangen und doch hat es in all den Jahren für mich persönlich noch kein Alien-Game geschafft so wirklich die Essenz von Ridley Scotts Weltraum-Horror einzufangen. Nachdem zuletzt Aliens: Colonial Marines mit seinem langweiligen Geballer in nicht zeitgemäßer Optik eher eine Enttäuschung war, wurde es auch mehr als Zeit, dass die Welt endlich ein richtiges „State of the Art“-Alien Game bekommt.

Scheinbar ist es mit Alien: Isolation nun endlich soweit. Doch um diesmal den klaustrophobischen Horror im All wirklich spürbar zu machen, sind die Entwickler einen neuen Weg gegangen. Während vergangene Alien-Titel sich eher an der knackigen Space Marine-Action eines Aliens – Die Rückkehr von Ridley Scott orientierten, schlüpfen Spieler bei Alien Isolation gnadenlos in die Opferrolle einer Ripley in Alien 1. Euch stehen als Spieler zwar verschiedene Waffen zur Verfügung, die jedoch nichts gegen das Alien ausrichten können. Der Flammenwerfer vermag es immerhin kurz zu vertr3eiben und kauft euch im Prinzip ein Extraleben. Ansonsten sind eure Waffen „Noise Maker“, um es kurz woanders hin zu locken oder eure Verstohlenheit und Geduld.

Letzteres ist leider nicht gerade meine Parade-Disziplin. Schon bei Dishonored bin ich eher wie Rambo durch die Level gelaufen, weil Schleich-Spiele für einen ungeduldigen Kollegen wie mich einfach nichts sind. Hier mal eine kurze Zusammenfassung, wie z.B. gestern Abend ca. 5 Minuten Spiel verliefen.

Oh ... HAI ... ! Hör mal, wir können doch bestimmt darüber ... ARGH! *SPLATTER*

Oh … HAI … ! Hör mal, wir können doch bestimmt darüber … ARGH! *SPLATTER*

„So, jetzt mal die Story kurz verlassen und den Survivor-Mode ausprobieren. Wo bin ich hier? Scheint eine Art Krankenstation zu sein … und ich höre draußen auf dem Gang schon schwere Schritte. Mal kurz um die Ecke lunsen. ARGH! *SPLATTER*. Ok, man fängt also immer an derselben Stelle der Map an. Diesmal höre ich keine Schritte. Dann kann ich ja erst mal normal gehen. So, hier in dem Raum mal umschauen. Jetzt höre ich Schritte! Das ist es ja schon wieder! RUN FOREST RUN! ARGH! *SPLATTER*. Ok, junger Skywalker … diesmal mit einem Mindestmaß an Geduld. Erst mal in die Hocke und zur ersten Tür rüber schleichen. Gott, ist man lahm beim Kriechen…! Endlich im Raum ein paar Items aufgesammelt und einen Stromgenerator reaktiviert! I RULE! Oh, da ist es schon wieder. Es sieht mich nicht… ah, glücklicherweise ist es in dieses Loch in der Decke verschwunden. Dann ist es ja bestimmt erst mal weg und ich kann unter dem Loch durch zur Tür. Was ist das für ein ekliger Seiber, der da von oben auf mich … ARGH! *SPLATTER*. Seufz … und wieder von vorne … ARGH! *SPLATTER* … in diesem Schacht ist es super eng, ich glaube kaum, dass es mir hierhin … ARGH! *SPLATTER* … ach komm, den kurzen Weg zum rettenden Aufzug kann ich ja jetzt wirklich sprinten … ARGH! *SPLATTER* … man kann sich wirklich unter dem Schreibtisch verstecken und das idiotische Vieh peilt es nicht, hahahaha… ARGH! *SPLATTER* … so jetzt habe ich aber lange genug in dem Spind gewartet … ARGH! *SPLATTER* … FRISS FLAMMEN, Du verfluchtes … ARGH! *SPLATTER*… usw.“

Ich denke mal so oft in kurzer Zeit zu sterben ist irgendeine Art von Rekord, die eigentlich im Spiel ein Achievement auslösen sollte. Also versteht mich bitte nicht falsch. Alien: Isolation ist ein verdammt intensives Erlebnis und für Schleich-Fans bietet es die bedrückendste und beste Horror-Survival-Atmosphäre, die ich bisher in einem Game erlebt habe. Das ist jedoch nicht nur dem Killer-Parasiten geschuldet, sondern auch der bombastischen Grafik an Bord der Raumstation. Mit meinem noch relativ neuen Rechner fahre ich alle Grafikdetails auf „ultra“, was die Umgebung auch wirklich ultra realistisch aussehen lässt. Als Ellen Ripleys Tochter Amanda kriecht ihr durch bebende Lüftungsschächte der schwer beschädigten Raumstation „Sevastopol“, die ständig unter ihrer eigenen Last im All zu ächzen und zu krächzen scheint. Überall trefft ihr auf verschiedenste Lichtverhältnisse: Von totaler Dunkelheit, in der ihr kostbare Taschenlampen-Batterien leer lutschen müsst, über Feuerschein oder kränklich flackernde Neonröhren, bis hin zu Flutscheinwerfern ist jede nur erdenkliche Zwischenstufe vorhanden. Unzählige Schatten also, in denen sich vor Angst durchgedrehte Menschen, Androiden oder das Alien verstecken können. Schon lange, bevor ihr überhaupt den ersten Kontakt zum Alien habt, ist es euch schon mindestens 1000-mal in eurer Fantasie begegnet. Ständig bricht neben euch plötzlich ein Rohr und Gas tritt aus, oder eine Deckenplatte fällt herab oder sonst ein „Jump Scare“ beflügelt eure Fantasie. Wie bereits erwähnt, die Atmosphäre des Spiels ist perfekt gelungen und fängt die Atmosphäre des ersten Alien-Films perfekt ein.

Und genau da setzen auch meine Kritikpunkte an. Für mich ist das ganze Alien-Universum nicht nur Ripley und die Nostromo. Da gab es auch noch andere Filmteile, die mich ähnlich gut unterhalten haben. Und darin gab es viele gruselige, eklige und actiongeladene Momente, die in Alien: Isolation einfach komplett fehlen, bzw. bewusst weg gelassen wurden, um das Gefühl der Ohnmacht noch intensiver zu machen. Was ist zum Beispiel mit den herrlich scheußlichen Facehuggern, die sich gerne unter Betten verstecken? Oder ein epischer Kampf mit einer eierlegenden Wollmilchsau … äh … Alien-Queen? Außerdem gehört für mich Säure dazu. Und die spritzt bekanntlich meistens dann in verdutzte Gesichter, wenn ein Marine ein Alien mittels roher Waffengewalt in seine Einzelteile zerlegt. Sowas gibt es natürlich in Alien: Isolation ganz bewusst nicht. Doch mir fehlt es einfach. Mein Traum wäre ein Spiel gewesen, was in der ersten Hälfte als Schleich-und-in-die-Hosen-scheiß-Orgie beginnt und dann später, wenn man sich bis an die Zähne bewaffnet hat, auch noch ein geiler Horror-Shooter wird. Ok, man kann manchmal eben nicht alles haben. Vielleicht bin ich auch einfach zu zart besaitet und hätte das Spiel erst mal von Experten wie Netzsieger testen lassen sollen.

Gehört natürlich einfach dazu, aber mir hat das Teil nur Unglück gebracht...

Gehört natürlich einfach dazu, aber mir hat das Teil nur Unglück gebracht…

Doch, wie gesagt, für ungeduldige Naturen wie mich, ist das Dauersterben in Alien: Isolation irgendwann einfach zu frustrierend. Die Macher hätten wenigstens erlauben sollen, dass man ab und an, wenn das Alien wirklich weit weg ist, auch mal rennen darf. Aber das Rennen – wenn man dieses schnellere „Humpeln“, denn so fühlt es sich an, überhaupt so nennen kann – ist IMMER das Todesurteil, weil sich das Alien dann scheinbar hinter den Spieler teleportiert. Auch wenn die Macher Stein und Bein schwören, dass das Alien eine frei umher laufende KI ohne Skripte ist, so fühlt sich das plötzliche Auftauchen des Monsters beim Rennen schon verdammt vorprogrammiert an. Leider hilft auch der Motion-Tracker nicht wirklich. Denn wenn er endlich einen sich nähernden Punkt anzeigt, könnt ihr das Alien meistens ohnehin schon hören und/oder sehen. Im Gegenteil: Wenn ihr das Ding in der Nähe des Aliens anmacht ist das auch meistens ein Todesurteil, weil das Vieh das Gerät hören kann.

Mein vorläufiges Fazit nach ca. 5h Spielen:

Ich gebe ganz bewusst noch keine Punktewertung ab, weil ich den Story-Mode erst mal zu Ende spielen muss. So oder so ist das Game eine Erfahrung, die zumindest jeder Alien-Fan mal gemacht haben sollte. Eigentlich schreit Alien: Isolation nach VR wie der Oculus Rift, um seine Wirkung noch besser zu entfalten. James Cameron-Jünger werden aber vermutlich, wie ich, irgendwann ein wenig handfeste Action und in Säurewolken platzende Aliens vermissen.

Falls ihr Spoiler-resistent seid und euch mal einen Eindruck vom Spiel machen wollt, empfehle ich die amüsanten Eskapaden von Youtuber PewDiePie:

Über Thilo (1631 Artikel)
<p>Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.</p>

1 Kommentar zu Ich glaube das Dauersterben bei Alien: Isolation ist auf Dauer nichts für mich

  1. Da haste recht,bin schon 4 tage beim zocken das Spiel und mindest. schon 500 mal immer bei dem Angriff von dem Vieh draufgegangen. Ich habe die Lust und Gedult verloren von dem Scheiss Spiel und verkaufe es wieder…

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.