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Das Crazy: Street Fighter 6

© Capcom

Ja, ich weiß, ich habe das Jugendwort 2025 irgendwie falsch benutzt. Aber ich bin ja auch alt und peinlich und muss nicht mehr bei jedem Scheiß mitkommen.

Also chill mal lowkey deine base und geh goonen, Digga!

Denn ich möchte mit “Das Crazy” tatsächlich nur das Beste ausdrücken: Street Fighter 6 ist der absolute Knaller.

Mit Street Fighter 2 auf dem Super Nintendo aufgewachsen, ist diese Version des legendären Straßen-Prügelns eine Offenbarung für mich.

Ich bin darüber gestolpert, als ich mal wieder meinen Sohn verprügeln wollte. Vermutlich dafür, dass er mich in Mario Kart 8 abzieht. Oder, dass er außer Zocken, Schokolade und meine Nerven strapazieren nichts Nützliches zu unserem Haushalt beizutragen hat.

Leider ist Kinder verprügeln seit dem Mittelalter oder so ein wenig aus der Mode gekommen.

Da kam mir der Gedanke ihn zumindest digital zu demütigen und ihm bei einem Kampfspiel die Fischstäbchen aus der Föhnfrisur zu fisten.

Nur leider ist er für mein Lieblings-Prügelspiel, das übergeniale Mortal Kombat 1 noch zu jung. Miss Wiki hat etwas dagegen, wenn ich ihn jetzt schon an die Kunst des Knochenbrechens heranführe. Anfragen wie “darf ich ihm mal zeigen, wie Sub Zero einem noch lebenden Scorpion die Wirbelsäule rausreist und damit Seilchen springen macht” trafen bei ihr auf Unverständnis und eisige Ablehnung.

Doch Moment! Gab es da nicht immer eine etwas weniger blutige und comicartigere Alternative für Prügelspiel-Fans?

YES! Street Fighter 6! Ab 12 Jahre und fast zärtlich gegen MK! (nicht wirklich…)

Street Fighter 6 mit Schlausteuerung für Snowflakes?

© Capcom

Dann der erste Schock: Mein Sohn spammt mich sofort mit Feuerbällen und anderen Spezialattacken zu, als hätte er nie was anderes gemacht.

Der Grund war schnell gefunden: Der Dreieck-Button des PS5-Controllers.

Ja, richtig gelesen. Für eine neue Generation von “Safe Space-Gefühle über Fakten-Snowflakes” lassen sich nun alle Special Attacks mit nur einem Knopfdruck auslösen. Sogar Ultimate Attacks, die früher zwei Mal eine Viertel Drehung plus Knopf erforderten, ballern den Gegner nun durch das Drücken von nur zwei Knöpfen aus dem Bildschirm…

I MEAN…

COME

ON!

Das brachte für mich unschöne Erinnerungen an die “Schlausteuerung” von Mario Kart 8 zurück, die dafür sorgte, dass man nicht aus der Kurve fliegen konnte und das Racing Game-Genre ad absurdum führte.

Mein erster Impuls “Street Fighter 6 für Minderbegabte” sofort wieder zu deinstallieren, löste sich jedoch sehr schnell in erleuchtetes Wohlgefallen auf.

Denn in Wahrheit ist die sogenannte “Modern Steuerung” ein Geniestreich.

Sind wir mal ehrlich: Auch wir alten Hasen hatten früher von vielleicht zwei oder drei Kämpfern das gesamte Move-Set drauf. Den Rest der Knochenbrecher haben wir nicht gespielt, weil wir uns nicht immer alle Button-Kombis merken konnten.

Mit der Modern-Steuerung kann ich nun jedoch jeden Charakter rocken und mich an seinen Flashy Moves erfreuen, ohne vorher die Street Fighter-Academy besucht zu haben.

Für meine Lieblinge wie Ryu (Ken), Dhalsim oder Chun Li kann ich außerdem immer noch auf die Klassik-Steuerung umschalten. Das hat sogar den Vorteil, dass ich alle Schlag- und Tritt-Knöpfe zur Verfügung habe, die bei der Modern-Steuerung nämlich fehlen.

Auf diese Weise kann mein Sohn sofort mithalten, ohne gefrustet den Controller in die Ecke zu schmeißen oder erst Nachmittage lang heimlich üben zu müssen, um irgendeine Schnitte zu haben.

Und auch, wenn er mich nun mit Hadukens und anderen Specials zukleistern kann bis ich heule, wird es doch noch sehr lange dauern, bis er seinen alten Herrn verlässlich schlagen kann. Denn zur Erfahrung in einem Fighting Game gehört dann eben doch noch etwas mehr als Special Attacks zu spammen…

Meine Hassliebe: Das Drive-System

© Capcom

Ansonsten spielt sich Street Fighter 6, wie jeder andere Teil auch, großartig.

Flüssig und brachial bringe ich Fäuste und Füße in der verdutzen Visage meines Gegenübers unter.

Doch es gibt eine Neuerung, die man mögen oder auch hassen kann: Das Drive-System.

Jeder Spieler hat zu beginn eines Kampfes 6 grüne Balken, die er für verschiedene Drive-Moves verbrauchen und im Verlauf einer Runde auch wieder regenerieren kann.

Allem voran lässt sich damit eine Art Schatten-Schlag ausführen, der gnadenlos durch jede Gegnerattacke durchschlägt und sogar einen parierenden Gegner zurücktaumeln lässt. Das kann frustrierend sein, da Street Fighter bisher immer eine subtile Balance zwischen Blocken und Angreifen war. Oder anders: Auf Blocken war, von Würfen mal abgesehen, immer Verlass. Nun kann ständig diese Mega-Attacke all deine Pläne zu Nichte machen.

Das nervt mich manchmal.

Wenigstens kann man mit dem eigenen Schattenschlag den des Gegners kontern: Schlage ich auch nur eine Millisekunde später als mein Gegner, kontere ich seine Attacke und verbiege ihm stattdessen seine Kauleiste.

Das führt dann häufig zu einem Lauern und Teasen, wer zuerst die Nerven verliert und dann vom gut getimten Gegen-Move geowned wird.

Fazit: Street Fighter 6 ist ein Kunstwerk

© Capcom

Doch egal, wie man zur Drive-Mechanik und Burnout (keine Balken mehr) steht: Street Fighter 6 ist der beste Teil der Serie.

Allein optisch ist das Spiel eine opulente Pracht.

Die Stages sind wunderschön und vermitteln mir wieder genau das Gefühl, das ich damals bei Street Fighter 2 auf dem Super Nintendo hatte.

Hinzu kommen die genialen Fighter, spektakulären Moves und Ultimate-Animationen.

Wenn mein bärtiger Alpha-Mann-Ryu dem Gegner mit der Kraft von 1000 Sonnen einen Kinnhaken verpasst, ist das immer wieder ein unbeschreibliches Gefühl.

Street Fighter 6 | All Ryu Throws, Super Arts & Critical Arts

Auch die Art, wie die Fighter in die jeweilige Kampfarena einlaufen ist so cool und episch.

Street Fighter 6 ist ein MUSS: Gönnt euch über meinen Partnerlink auf Amazon!

PS: Über die World Tour und den Online Modus (der mega sein soll) kann ich noch nichts sagen, aber allein der Arcade-Modus und die 1 on 1-Kämpfe gegen Freunde und Familie, quasi der Kern von Street Fighter, reichen mir schon für eine Top-Bewertung.

Street Fighter teilt sich nach wie vor mit Mortal Kombat die Krone der Kampfspiele.

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