Nerd Rage: Findet ihr auch, dass Superhelden-Kino kindisch ist?

watchmen

Seht ihr, ich auch nicht. Da sind wir also schon zu mehreren.

Indem ich jetzt meiner Nerd Rage freien Lauf lasse, beschere ich dem Autor des lächerlichen Artikels „No self-respecting adult should buy comics or watch superhero movies“ bei The Telegraph genau das, was er möchte: Klicks. Trotzdem wollte ich euch mal zeigen was passiert, wenn Leute in vermeintlichen „Influencer“-Positionen morgens mit dem falschen Bein aufstehen und beschließen, dass sie ihren subjektiven Geschmack jetzt mal öffentlich mit albernen Rückschlüssen, engstirniger Wahrnehmung und haltlosen Verallgemeinerungen untermauern sollten.

Bei „Way back in 1989, I quite liked the first modern Batman film – and yet now I curse it.“ hätte ich schon fast aufgehört zu lesen, weil an der Stelle schon die verkorkste Denkweise des Autors zu Tage tritt. Wir haben hier wieder jemanden, der sich beschwert, dass aus bescheidenen Anfängen eines neuen Kino-Genres ein schillerndes Universum (Multiversum) von Superhelden Filmen entstanden ist. Vor nicht allzu langer Zeit gab es ja auch schon dieselbe Debatte um das Fantasy Genre, welches neben Herr der Ringe eben auch den ein oder anderen weniger guten Trittbrettfahrer hervor gebracht hat. Was natürlich trotzdem nichts an der Tatsache ändert, dass mehr Auswahl mehr Auswahl ist. Niemand geht in die ehemalige DDR zurück, weil er hier überfordert ist. Es gibt ja glücklicherweise so einen Schwamm im Kopf namens Hirn, der dazu befähigt selbst eine Auswahl zu treffen.

Natürlich schwebt schon länger das Schall-und-Rauch-Label „Superhero Fatigue“ über der Filmindustrie. Aber da rottet es jetzt auch schon ziemlich lange vor sich hin, ohne dass der Strom an neuen Superheldenfilmen auch nur im Ansatz zum Stocken käme. Im Gegenteil, Männer und Frauen in wehenden Umhängen sind bis 2020 durchgeplant und das mit Recht! Denn Guardians of the Galaxy oder, in noch jüngerer Vergangenheit, der ebenfalls sehr erfrischende Deadpool zeigen doch, dass das Terrain an einigen Stellen vielleicht schon mehr als einmal beackert wurde, jedoch noch lange nicht vollkommen erkundet ist.

Mir geht echt die Hutschnur hoch, wenn da so ein Rhymer Rigby – so der Name des Artikel-Autors – einfach schlecht oder gar nicht recherchiert und sein peinliches Halbwissen dann als die Wahrheit darstellt. Denn Batman v Superman wurde nicht gedreht, „weil so Crossovers wie Alien vs Predator ja auch funktioniert haben“, sondern weil Zack Snyder den Comic Fans einen ungleichen Kampf auf die Leinwand zaubern wollte, der schon länger in Comics und Köpfen existiert. Es wäre ja wirklich nicht zu viel verlangt mal kurz zu googeln, bevor man sich weit aus einem Fenster lehnt, unter dem schon der aufgebrachte Mob mit Mistgabeln wartet, oder?

Aber es wird noch schlimmer. Rhymer verliert sich dann in seltsamen Essens-Metaphern, die ihm sicherlich unglaublich schlau vorkommen, nur leider überhaupt keinen Sinn machen. Die Analogie verdeutlicht höchstens, dass er Innovation und Vielfalt für unnötig hält und gerne immer dasselbe vorgesetzt bekommt. Kein Ding! Du willst also immer dieselben bodenständigen Kartoffeln essen und Arthouse-Filme schauen, weil Du Dir Superheldenfilme gerade übergeschaut hast? Fair enough! Doch dann guck einfach keine mehr, halt die Fresse und schreib nicht im Telegraph einen Schimpansen-Artikel, der durch seine ungebildete und beschränkte Weltsicht das Ansehen der Zeitung in den Dreck zieht, die so fahrlässig war ihn zu veröffentlichen.

Was mich aber am meisten in Rage versetzt ist die unglaubliche Dummheit und Ignoranz des Autors, wenn er behauptet, dass Superhelden und damit ja auch andere fantastische Vorstellungen und letztlich jeder Ausritt in die Welt der Imagination nur was für Kinder sei. Die Superhelden in den Comics sind die direkten Nachfahren von klassischen Helden der Antike, wie Achilles, Herakles und Odysseus oder auch anderen besonderen Persönlichkeiten in der Geschichte der Literatur, die mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattet waren. Es tut mir sehr leid für Herrn Rigby, wenn er, wie er selber sagt mit 14 angefangen hat, das gut zu finden, was andere ihm gesagt haben. Herzlichen Glückwunsch, Du hast Dich in das verwandelt, was der Staat und die Gesellschaft von Dir erwartet: Du bist ein angepasster Roboter, der diese ach so ernste Welt ernst nimmt, und sich dem versagt, was den Menschen ausmacht und ihn dazu befähigt über sich hinauszuwachsen: Die Kraft der Imagination. Ich bin nur froh, dass berühmte Wissenschaftler und andere Visionäre der Menschheit nicht aufgehört haben zu träumen und in fantastischen Welten zu schwelgen, denn wenn es nach Leuten wie dir ginge, wären wir alle furchtbar erwachsen (ließ: konservativ und festgefahren) und würden noch in der Steinzeit leben.

Doch wenn ich mal auf den Namen des Langweilers klicke und mir die wenigen Artikel anschaue, die er schon für den Telegraph verzapfen durfte, dann fällt mein Blick auf so Überschriften wie „How to deal with a killer hangover at work“. Well, keine weiteren Fragen euer Ehren…

Was meint ihr? Sind Comics – und dementsprechend auch Comic-Verfilmungen – nur was für Kinder? (Fangfrage)

Über Thilo (1772 Artikel)
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11 Kommentare zu Nerd Rage: Findet ihr auch, dass Superhelden-Kino kindisch ist?

  1. Klar ist das für Kinder. Aber was für Kinder ist, muss ja für Erwachsene nicht schlecht sein. Und auch der aktuelle Batman Film. Ob der für 12 jährige wirklich sooooooo geeignet ist??? Aber Disney kann man zb auch immer gucken

  2. Gerade die von dir im Header gezeigten Watchmen sind ganz sicher nicht für Kinder O.o Auch BvS oder die Dark Knight Reihe nicht. Und sogar Marvel würde ich trotz der bunten Fassade nicht wirklich für Kinder empfehlen.
    Eigentlich hast du ja in deinem Post schon alles auf den Punkt gebracht: Es ist einfach Schwachsinn, anzunehmen, dass Comic, Fantasy, Märchen etc nur für Kinder seien und kein „self-respecting adult“ (!!! WTF?) die mögen soll.
    Da tut mir der Autor ja schon fast leid. Hat der überhaupt irgendwie Spaß? (Offensichtlich nicht.)

  3. Nicht nur du kriegst da Probleme mit der Hutschnur.
    Abgesehen davon, dass der Autor einen auf too-cool-for-comics und absolut erwachsen macht, dann aber Artikel über sexbots und killer hangovers für den Telegraph schreibt… Er hat in diesem Fall einfach einen klassischen Clickbait-Titel genommen, den Artikel mit etwas unbegründetem und schlichtweg irritierend falschem Blahblah gefüllt und hofft vermutlich, dass es Klicks gibt. Und man ihm jetzt aufgrund seines wirklich sehr einzigartigen Namens mehr Views auch anderswo beschert. Nach dem Motto: Mal sehen, wer das ist, der da so eine große Klappe hat.

    Selbstverständlich sind Comics, Graphic Novels und entsprechende Verfilmungen nicht bloß etwas für Kinder. Genau wie „echte, erwachsene“ Bücher und Filme auch. Einerseits in manchen Fällen natürlich wegen des Inhalts (Deadpool als Kinderfilm? Der Kerl ist zwar kindisch, aber… hahahaha), andererseits aber auch wegen des Anspruchs. Er schert alles über einen Kamm, was wohl auch den Artikel kontroverser machen soll. Aber natürlich gibt es da einen Unterschied, ob ich nun zum Beispiel Donald Duck lese oder Saga.
    Jedem Tierchen sein Plaisierchen. Man ist nicht X, bloß weil man sich für Y interessiert. Lernt er vielleicht auch noch. Wenn er jemals mehr als das Dutzend Bücher liest, die ihm sein Papi empfohlen hat. Und/oder eine eigene Meinung entwickelt. 😉

    • Aber was ich eben bemerkenswert finde, dass eine „scheinbar“ seriöse Zeitung so einen schwarzweißmalerischen Clickbait-Artikel durchgehen lässt. Aber vielleicht unterliege ich auch der Täuschung, dass eine Online-Zeitung seriös sein könnte… ^^

  4. Als Kind waren Comics mein Lebenselixir – und sie haben mich dazu gebracht, zeichnen zu lernen und eigene Geschichten zu entwerfen. In sofern bin ich da nicht wirklich unbefangen bei der Antwort 😀 denn die meisten Serien, die ich als Kind geliebt habe, lese ich auch heute noch gern. Viele Stories sind durch die Themen zeitlos, man entdeckt nur als Erwachsener oft noch mehr Tiefe darin oder eine andere Deutungsmöglichkeit.
    Und, nicht zuletzt: Comiclesen entspannt ungemein. Man wird in eine andere Welt entführt, kann wie bei einem Buch mitleiden und mitfiebern und kann sich durch die Bilder und die Farbgebung zusätzlich in eine Immersion hineinziehen lassen. Das funktioniert auch bei Senioren noch hervorragend. Ich frage mich wirklich, in welcher leeren, traurigen Welt dieser Autor leben muss, dass er auf eine solche Ansicht kommt …

    • Besonders weil er sich ja nostalgisch an diesen coolen „first modern Batman film“ zurück erinnert, sich aber dann dafür entscheidet ihn zu hassen, um seine Sichtweise zu unterstreichen. Selbst gewähltes Leid. Ich denke, der hat gerade privat oder auch in Form des neuen Batman v Superman eine Enttäuschung erlitten und hat den Artikel als Ventil gewählt. So was habe ich früher auch häufiger gemacht. So was macht man halt, wenn man ein bockiges Kind ist 😉

  5. Also eigentlich wollte ich hier ja nur sowas wie „Don’t feed the trolls.“ drunter kommentieren, aber dann hab ich das hier gelesen:

    „Doch dann guck einfach keine mehr, halt die Fresse und schreib nicht im Telegraph einen Schimpansen-Artikel, der durch seine ungebildete und beschränkte Weltsicht das Ansehen der Zeitung in den Dreck zieht, die so fahrlässig war ihn zu veröffentlichen.“

    Danke. 😀

  6. Der Typ ist echt süß! Der hat doch bestimmt irgendwo noch eine Sammlung seiner Matchbox-Autos auf dem Dachboden und träumt heimlich davon wie in Top Gun ein Superpilot zu sein. Vielleicht sollte dem mal jemand sagen, dass das auch Fiktion ist, wie die meisten Filme, die man sich im Kino so anschaut. Oder glaubt er wirklich, dass Mission Impossible oder 007 sehr nahe an der Realität sind? Aber klar, wenn der Ursprung ein Comic ist, dann ists Scheiße. Sieht man besonders gut, an so Serien wie The Walking Dead. Sollte die Kleinen unbedingt sehen. Vielleicht hätte der Typ sich auch mal über Comics schlau machen sollen.
    Ich frag mich immer, wie solche Typen zu solchen Medien kommen.

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