Der Atom Avariel und die most overpowered D&D Chars

Legion (2010) von Scott Stewart © Screen Gems

Ok, das Bild oben zeigt keinen Avariel (geflügelter Elf in D&D), sondern den Erzengel Gabriel aus Legion (2010) von Scott Stewart.

Ich glaube jedoch, dass ich es mir so ungefähr vorzustellen hatte, wenn in einer früheren Pen & Paper-Runde der erlauchte Avatar der Vernichtung einen Raum betrat.

Mini-Exkurs: habe Legion nie gesehen. Kann der was? Wenn es um apokalyptische Fantasy-Action-Horror-Thriller geht, dann ist der Beste mir bekannte Engelfilm immer noch Gregory Widens God‘s Army (deutscher Titel! Sonst The Prophecy) von 1995 mit dem unvergleichlichen Christopher Walken als gefallener Erzengel Gabriel und Viggo Mortensen als Lucifer!

Aber zurück zum gefürchteten Atom Avariel.

Kurz zur Vorgeschichte: Es gab einmal eine Zeit, in der wir scheinbar von jeder D&D Charakterklasse und -rasse gelangweilt waren. Oder anders: Sie entsprachen nicht mehr unseren Qualitätsrichtlinien für extremes Min-Maxing-Powerplay.

Zuvor hatten wir schon jede noch so exotische Rasse oder Klasse aus den abseitigsten Rule Supplements gemolken, um die mächtigsten Charaktere EVAR auf Charakterblätter zu bannen. Das waren dann so Prestige-Klassen wie Erdgenasi-Runen-Psion-Hexblade-Lord. Of Shadow. +5.

Scheiß egal, was das ist, solange es mehrmals am Tag den Death Ray of Doom aus den Augen schießen kann.

Nicht, dass Charaktere eines übermächtigen Powerlevels nötig gewesen wären, um meine Abenteuer zu überleben (ich war meistens Spielleiter). Aber es gab die Tendenz einiger Mitspieler (ich nenne hier absichtlich keine Namen, Marcus) alle anderen Spieler am liebsten „mit einem Schlag töten“, sprich, an Macht übertrumpfen zu können. Das Alphawolf-Gehabe gab damals häufiger mal Anlass zu hitzigen Diskussionen, ist aus heutiger Sicht jedoch pures Unterhaltungs-Gold.

Einer der mächtigsten – wenn nicht DER mächtigste – Charakter aus unserer pappnasigen Powerplay-Phase (wir waren jung und brauchten das Geld) war die Gestalt, die wir hinterher „Atom Avariel“ getauft haben.

Ein Avariel, sprich, ein geflügelter Elf, sollte für diesen Charakter die Rassen-Grundlage bilden. Den Meister mit einem ab der 1. Stufe fliegenden Charakter abzufucken und zig low level-Abenteuermöglichkeiten damit im Keim zu ersticken, war dem Spieler wichtig.

Als Klasse wurde ein gewöhnlicher Priester draufgesattelt. Ich war verblüfft. Eine Heildrone? Echt jetzt? Ich war ob der demütigen Wahl dieser Helferrolle beinahe zu Tränen gerührt.

Ich hätte es besser wissen müssen.

Besagter Spieler hatte in einem Forgotten Realms-Regelbuch eine Fähigkeit entdeckt, die mit der Priesterklasse eine perfekte Synergie bildete und ihn in den Macht-Olymp unserer D&D-Runde ballern würde: Silverfire.

Das Silverfire wird in den Forgotten Realms wenigen Auserwählten von der Göttin der Magie, Mystra, persönlich in den Arsch geblasen. Elminster (Gandalf von D&D) und andere „Chosen of Mystra“ besitzen diese Gabe. Die göttliche Energie ermöglicht es seinem Besitzer jegliche Magie zu absorbieren und in Form von heiligem silbernem Feuer (Feuerresistenz hilft dagegen nix) wieder abzusondern. Umso mehr Magie auf diese Weise absorbiert wird, desto heftiger die Entladung.

Ganz nett. Ich dachte mir als DM nichts dabei, als ich das Charakterkonzept (vermutlich besoffen) durchwinkte. Der Spieler würde auf jeden Fall mehr Erfahrungspunkte zum Aufsteigen benötigen als andere, aber SO mächtig war die Fähigkeit ja nun auch wieder nicht… Ohne feindliche Magier blieb die Fähigkeit ja erst mal rein theoretisch, oder?

Tja, da kam der Priester ins Spiel.

Als ich die kranke Synergie bemerkte war es bereits zu spät. Das Gleichgewicht meiner Spielwelt war unwiderruflich aus den Angeln gehoben. Denn natürlich konnte sich der Priester mit seinen Zaubern auch einfach selbst aufladen, wie eine heilige Superbatterie. Was dazu führte, dass er ständig auf magische Weise nach Gift suchte, Wasser reinigte oder auch nur das leichteste Zwacken in seinem Hintern mit Heilzaubern linderte.

Long story short, der Endgegner meines Abenteuers, ein Dämonenfürst, konnte noch nicht mal schreien, als er von einem Todesstrahl aus silbernem Feuer zerfetzt wurde.

Alle anderen Spieler ließen ihre gerade gezogenen Waffen sinken und lachten ungläubig. Aber ich hatte bei der Beschreibung keine Witze gemacht. Der Superdämon war gerade von, gefühlt, hundert Millionen Schaden atomisiert worden. Der Atom Avariel hatte gesprochen.

Heute lachen wir immer wieder gerne über unsere Retorten-Helden wie den wandelnden Todessternlaser. Doch heutzutage würde sowas vermutlich niemand mehr spielen wollen, geschweige denn von einem Spielleiter erlaubt bekommen.

Was waren die most overpowered Spielercharaktere, die je in euren Spielrunden vorgekommen sind? 🙂

Über Thilo (1163 Artikel)
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