Das D&D-Set von LEGO Ideas ist ein Geniestreich

Gleich vorweg möchte ich mich erst mal recht herzlich bei Rosalie von Silk Relations bedanken, die mir ohne mit der Wimper zu zucken dieses GÖTTLICHE Set zur Verfügung gestellt hat. Ich weiß das wirklich sehr zu schätzen! Insbesondere, weil ich ja kein Youtube-Channel mit 5 Millionen Abonnenten bin.

Ich komme allerhöchstens auf 3-4 Millionen Leser im Monat.

Also… in einem Paralleluniversum. Wo die Blogosphäre keine ewig vernachlässigte und nach Wasser röchelnde Zimmerpflanze ist…

Und jetzt weiß ich gar nicht wie ich das Review dieses atemberaubenden Lego Ideas-Sets beginnen soll, welches anlässlich der Feierlichkeiten rund um 50 Jahre Dungeons & Dragons erschienen ist.

Als das Paket angekommen ist, musste ich Frau und Kind versprechen nicht mit dem Bau zu beginnen, bevor die beiden aus dem Urlaub zurückgekehrt wären. So kam es also, dass ich stundenlang einfach nur das geschlossene Paket angestarrt habe, mit glänzenden Augen, wie ein 6-Jähriger, der verfrüht ein großes Weihnachtsgeschenk gefunden hat, es aber noch nicht öffnen darf. Und das als erwachsener Mann, der schon neunzehnmal 29 geworden ist!

Als es dann endlich soweit war, bin ich auf Wellen von Glück und Nostalgie gesurfed, wie schon lange nicht mehr. Ich mache keine Witze, wenn ich sage, dass ich beim Bau einiger kleiner Details fast geweint hätte. Tja, alte Männer werden bei ihren Lieblingshobbys gerne mal emotional…

Natürlich war ich als langjähriger D&D-Spieler und -Meister zunächst skeptisch, ob Kerker und Drachen überhaupt stimmig und atmosphärisch in die Welt der Klemmbausteine übertragen werden können.

Nun, 3745 Teile und einige Stunden des damit Spielens später, kann ich sagen:

Oh ja.

Wow.

Mannomann.

Ich übertreibe wirklich nicht, wenn ich sage, dass sich für dieses D&D-Lego-Set vermutlich die klügsten und erfahrensten Köpfe von Lego und Wizards of the Coast zusammengesetzt und das Beste aus allen Welten zusammengewürfelt haben.

Aber woran liegt das?

  1. ist dieses Gewinner-Lego-Ideas-Set von Lucas Bolt, für dessen Sieg und finale Umsetzung ich damals selbstredend mitabgestimmt hatte, einfach ein verdammt geiles Lego-Set. Ganz unabhängig vom Thema. Lego-Fans finden hier eine Finesse, die auf Jahrzehntelanger Lego-Baukunst fußt.
  2. werden Fantasy-Fans dieses Set lieben. Die Taverne, die Monster, die Ruine, die Schätze… und allen voran, der beste Legodrache, den es derzeit gibt, lassen wirklich keine Wünsche offen.
  3. ist “The Red Dragon’s Tale” eine Offenbarung für D&D-Spieler. Wer nur Punkt 1 oder 2 unterschreiben kann, darf bei diesem Lego-Ideas-Set schon bedenkenlos zugreifen. Doch für D&D-Fans ist es ein MUSS. I AM NOT KIDDING. Es ist SO GUT.

Selten habe ich bei einem nerdigen Projekt derart intensive Glücksgefühle empfunden wie beim Zusammenbau dieser wunderschönen Adventure Location.

Ich merke das vor allem daran, dass ich jetzt gar nicht weiß womit ich anfangen soll, weil es so vieles gibt, das hier Lob und Anerkennung verdient. Vor ca. 2 Jahren hatte mich die Burg der Löwenritter mit ihrer Baukunst und Detailverliebtheit bereits mit einer verdammt langen Lanze vom Hocker gejousted.

Doch das D&D-Set toppt selbst die Löwenritter. Wobei der Vergleich eines so emotional behafteten Sets mit einem reinen Mittelalter-Burgen-Set auch nicht ganz fair ist. Trotzdem reicht für wahre D&D-Fans nichts an die Gefühlsachterbahn heran, die beim Bauen dieses Nerd-Traums losrattert.

Taverne, Dungeon, Monster, Fallen, Items… hach!

Jeder Teil dieser Tavernen-Turm-Ruine mit Dungeon ist wunderschön konzipiert und trifft besonders D&D-Spieler mitten ins Herz.

Allein die Taverne, “Inn Plain Sight”, mit ihrem Quest Board, dem niedlichen Bier, den typischen Heldenwaffen, inklusive der Bardenlaute, und natürlich dem Schlafzimmer im zweiten Stock mit gleich zwei Mimiks (!!!) ist glorreich. Zwei Mimiks. In Zahlen: 2. Wer die ominöse Kiste lieber noch nicht öffnen will und sich zum Nachdenken aufs Bett legt, wird sein blaues Wunder erleben. Harhar!

Auch der Dungeon, die Turmruine und der wunderschön begrünte Außenbereich wurden derart genial mit Legosteinen ins Leben gerufen, dass man sich kaum sattsehen kann. Fotos können leider kaum vermitteln, was an Serotonin ausgeschüttet wird, wenn man das Ding live vor sich stehen hat.

Wie wunderschön sich diese natürlichen Steinstufen auf die SCHRÄGE (das ist echt nicht leicht mit Lego zu bauen!) Brücke hochschlängeln und dann um den Turm herumwinden…

Und überall gibt es kleine Verstecke zu entdecken. Hinter Felsen verborgene Türen. In Grasmulden verstecke Schlüssel. Oder in spinnenverseuchte Nischen geschobene Zauberbücher.

Überhaupt gibt es – was natürlich das Herz jedes D&D-Junkies höherschlagen lässt – unzählige magische Tränke und Gegenstände, die mehr oder weniger offensichtlich im gesamten Set verborgen sind. Vom Bag of Holding auf einem Tisch in der Taverne, über magische Waffen und Stäbe wie den Staff of Frost im Dungeon, bis zu einem legendären Dragon Orb im Turm!

Und auch hier wieder die Detailverliebtheit: In den verschiedenen magischen Büchern sind sogar erkennbare Zaubersprüche abgedruckt! Ich frohlockte. Wie ein Verdurstender in der Wüste beim Anblick eines Getränkeautomaten.

Ach ja, und was wäre D&D ohne Fallen und Monster?

Black Puddings, Schleime, Gallertwürfel, Riesenspinnen, Mykoniden, Skelette und Mimiks warten darauf sich über die vier Heldenfiguren (Elfenzauberin, Ork-Dieb, Gnomischer Kämpfer und Zwergenpriester) herzumachen. Außerdem jeweils ein Eulenbär, eine Tentakelkatze, ein Beholder, ein Baumhirte und natürlich das ikonischste Monster von D&D, der rote Drache “Cinderhowl”!

Allein über diese majestätische Bestie könnte ich einen eigenen Artikel schreiben. Cinderhowl stellt selbst alle Ninjago-Drachen meines Sohnes locker in den 100 Grad heißen Schatten seines Odems.

Und wenn die Monster nicht schaffen, die Heldenfiguren auf negative Trefferpunkte zu bringen, dann gelingt dies vielleicht einer herabschwingenden Axt oder einer Falltür, die sich ähnlich auslösen lässt, wie seinerzeit die Teppichfalltür vor dem Thron in Castle Grayskull. Wunderbar!

Das D&D-Abenteuer: Red Dragon’s Tale

Das D&D-Abenteuer, “Red Dragon’s Tale”, welches man sich mit einem Lego Insider-Account gratis runterladen kann, ist überraschend gut!

Was ich wirklich nicht gedacht hätte, da sowas natürlich schnell mal als “hastige Dreingabe” konzipiert ist.

Doch nichts dergleichen! Hier ist wirklich in alles Herzblut geflossen.

Natürlich haben wir es hier nicht mit einem mehrere-Erfahrungsstufen-umfassenden Abenteuer zu tun, wie man es kaufen kann, da ja nur das Lego-Set Inhalt des Abenteuers ist.

Doch das soll nicht heißen, dass es darum an Epik mangelt. Im Gegenteil! Das Vorhandensein des Drachen Cinderhowl allein gibt ja schon einen Hinweis darauf, dass es gegen Ende des Abenteuers nochmal haarsträubend werden könnte…

Die “Red Dragon’s Tale” ist eine äußerst solide, spaßige Story mit Twist, die ich jetzt gar nicht spoilern möchte. Ihr könnt sie, im wahrsten Sinne des Wortes, Stück für Stück im Lego-Set nachspielen. Denn Taverne, Turmruine und Brücken-Teil sind Module, die sich problemlos auseinandernehmen und einzeln bespielen lassen. Wo nötig sind sie auch vertikal nochmal trennbar (Abnehmbare Dächer z.B.).

Mein nostalgisch verklärtes, aber ehrliches Fazit:

Besucht die offizielle Seite und holt euch Dungeons & Dragons: Die Sage vom Roten Drachen, bevor es vergriffen ist. Als D&D-Fan werdet ihr eine verdammt geile Zeit haben. Nie zuvor habe ich mit so viel Freude und nostalgischem Herzschmerz ein Lego-Set aufgebaut.

Wenn ich denn etwas zu bemängeln hätte, wären 2 minikleine Sachen, die jedoch der Magie des Sets nicht abträglich sind:

  1. Die lila Dachschindeln, die ich im Original von Lucas Bolt tatsächlich besser fand. Das Blutrot passte meiner Meinung nach besser zu einem dreckig-mittelalterlichen Setting wie man es ja meist in D&D vorfindet. Das Lila verleiht dem Set einen Hauch von comic-hafter Anime-Atmosphäre. Wenn auch nicht übermäßig oder gar vollkommen störend. Es ist nur eine Präferenz meinerseits.
  2. Cinderhowl ist wunderbar gelenkig und ein feuchter Traum für Drachen-Fetischisten. Allerdings ist der Kopf recht schwer und hängt schnell herab. Auch seinen Unterkiefer hatte ich schon ein paar Mal versehentlich in der Hand. Aber da dies ein Ab18-Erwachsenen-Set ist, spiele ich ja nicht mit dem Drachen wie ein Kleinkind (HUST), sondern pose ihn in erster Linie einmal in der Vitrine.

Apropos Vitrine.

Macht sich so geil neben der Löwenritterburg.

Ich muss weg.

Taschentücher holen.

Über Thilo (1198 Artikel)
Hi, ich bin der Gründer dieses bekloppten Blogs. Außerdem Realitätsflüchter, Romantiker, Rollenspieler, Gamer, Fantasynerd, Kneipenphilosoph und hochstufiger Spinner. Manchmal jogge oder schwimme ich, doch meistens trinke ich Bier.